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LAUFPASS 01/2017

Kleine Teilchen mit großer Wirkung Das Wort „Nano“ leitet sich vom griechischen Begriff „nanos“ für „Zwerg“ ab. Die Größe der Teilchen bewegt sich im Nanometer-Bereich, wobei ein Nanometer einem Millionstel Millimeter entspricht. Durch eine im Verhältnis zum Volumen große Oberfläche entwickeln Stoffe in Nano-Form neue Eigenschaften, die sich die Industrie zu Nutze macht. So sorgt die Nanokieselsäure (Siliziumoxid) als Rieselhilfe im Speisesalz dafür, dass es nicht verklumpt und das Nanotitandioxid in der Sonnencreme für mehr Transparenz, kombiniert mit einem höheren Lichtschutzfaktor. In der Industrie greift man als Füllstoff und als Schwarzpigment außerdem auf Industrieruß (Carbon Black) in Nanogröße zurück. Über die Schädlichkeit dieser und weiterer Materialien für Mensch und Umwelt wird gestritten. Beim oftmals in Lebensmittelverpackungen verwendeten Nanosilber herrscht hingegen schon ein etwas besserer Forschungsstand. Hier sollen die Nanopartikel aus Silber für längere Haltbarkeit sorgen. In Versuchen mit Zellkulturen aus Lungen, Leber- und Nervenzellen wirkte das Nanosilber toxisch und könnte dementsprechend gesundheitliche Schäden verursachen. Hinzu kommt, dass Silber nach Quecksilber das für tierische und pflanzliche Wasserlebewesen zweitgiftigste Schwermetall ist und bereits in sehr geringer Konzentration den Fischen, Krebsen, Algen und Wasserpflanzen zum Verhängnis wird. Außerdem kann durch häufigen Kontakt mit Silber eine Silberresistenz entstehen, die oftmals mit einer Antibiotikaresistenz einhergeht. Dadurch kann die eigentlich positive antibiotische Wirkung des Silbers nicht mehr entfaltet werden1. Von alldem nahm auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Kenntnis und veröffentlichte im September 2016 den „Aktionsplan Nanotechnologie 2020“. Darin erklärt das BMBF zum Ziel, die Risikoforschung zu Nanotechnologie-Aktivitäten zu intensivieren und eine schnelle, erfolgreiche und sichere Positionierung der Produkte auf dem Markt zu gewährleisten. Zudem soll stets eine transparente Darstellung der Forschungsergebnisse für die interessierte Öffentlichkeit erfolgen. Soweit der Plan. Der Status quo sieht derweil anders aus. Das BMBF geht aktuell zwar davon aus, dass Nanoteilchen per se nicht mit einer Gefährdung verbunden sind, stellt in seiner Publikation aber auch fest: „Die in den Regelungen zur Chemikalien und Produktsicherheit vorgegebenen Prüf- und Informationsanforderungen decken einige Risiken für Mensch und Umwelt, die von Nanomaterialien und anderen innovativen Werkstoffen ausgehen können, noch nicht adäquat ab. Hier ist die Eigenverantwortung des Herstellers oder Importeurs für die Stoff- und Produktsicherheit derzeit allein maßgeblich für die Einhaltung der Schutzziele.“ Es besteht also Handlungsbedarf. Und bis dieser erfüllt wurde, sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher demnach der Industrie vertrauen2. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) versucht, den Skeptikern hingegen den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Zahlreiche Vorschriften dienen bereits der Sicherheit bei ihÜber die Risiken von Nanoprodukten wird heiß diskutiert Sie sind winzig klein, unsichtbar und trotzdem immer präsenter. Die Rede ist von Nanoteilchen. Die Partikel werden von der Industrie gezielt eingesetzt, um Produkte zu verbessern. Jedoch sind die Risiken für Mensch und Umwelt noch ungeklärt. Die Konsumentinnen und Konsumenten wissen von der ganzen Entwicklung kaum etwas. Trotzdem kommen wir alle möglicherweise täglich mit Nanoprodukten in Berührung – ob wir wollen oder nicht. Grafik: Login/shutterstock.com 10 www.laufpass.com


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