Page 42

LAUFPASS 01/2017

42 service gesundheit Diabetes bei Kindern Ernährung, Insulin, Psyche – mit der richtigen Einstellung gut durch den Alltag Essen, messen, spritzen – einmal gelernt ist dies schnell Routine Kinder wollen rennen, toben, unbeschwert sein und Spaß haben. Hören Eltern die Diagnose »Diabetes«, fürchten viele zunächst, das müsse nun alles vorbei sein. Doch ist das Leben mit einem gut eingestellten Diabetes erst einmal gelernt, können Kinder heute wie ihre Altersgenossen einen weitgehend normalen Alltag haben. „Spezialisierte Medizin, Schulungsprogramme und Selbsthilfegruppen unterstützen Familien dabei, ihren ganz persönlichen Weg mit dieser chronischen Krankheit zu finden“, sagt Dr. Markus Köhl, Gesundheitswissenschaftler bei der AOK Bremen/Bremerhaven. Häufigste Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. Mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren haben Diabetes Typ 1. Bis zum Jahr 2020 wird insbesondere eine Verdoppelung der Anzahl bei Kindern unter fünf Jahren vorhergesagt. Etwa 10.000 Kinder werden mit einer Insulinpumpe behandelt. Die Zahl der Typ-2-Diabetes-Neuerkrankungen bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren verfünffacht. Das entspricht etwa 200 Neuerkrankungen jährlich. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um sehr stark übergewichtige Personen, bei denen bereits die Eltern und Großeltern an einem Typ-2-Diabetes leiden. Übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche sind stärker vom Typ-2-Diabetes betroffen. Gut behandelbar, aber nicht heilbar Diabetes mellitus Typ 1 kommt in jeder Altersstufe und bei allen Völkern vor, die Häufigkeit des Auftretens ist in verschiedenen Ländern jedoch sehr unterschiedlich. So gibt es zum Beispiel in skandinavischen Ländern wesentlich mehr Patienten mit Typ-1-Diabetes als in Südeuropa, Asiaten hingegen erkranken generell viel seltener daran. Der Zuckerkrankheit liegt eine Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zugrunde. Das bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren kann, das den ausgeklügelten Zuckerhaushalt im Körper regelt. Die Erkrankung ist gut behandelbar, aber nicht heilbar. Man weiß heute, dass die sogenannten Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise für die Insulinproduktion verantwortlich sind, zerstört werden. Für diese Zerstörung sind vom Körper selbst produzierte Antikörper verantwortlich, die im Blut von Typ-1-Diabetikern nachweisbar sind (Autoimmunerkrankung). Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Erbliche Faktoren, immunologische Fehlsteuerungen und äußere Einflüsse (z.B. Infektionen, Stress) werden als mögliche Ursachen diskutiert. Zehn bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren mit einem Typ-1-Diabetes haben erstgradige Verwandte mit einem Diabetes und somit eine familiäre »Vorbelastung«. Auf Warnsignale reagieren Der erste wichtige Schritt für das Leben mit Diabetes besteht nach der Diagnose darin, mit regelmäßigen Insulingaben den Stoffwechselhaushalt der Kinder zu normalisieren. Wichtigstes Ziel ist es, dass das Kind eine gute Stoffwechseleinstellung mit möglichst vielen normalen Blutzuckerwerten erreicht, um der Entwicklung von Schäden an Augen und Nieren vorzubeugen. Diese Komplikationen können bereits ab dem Pubertätsalter auftreten. In spezialisierten Praxen und Kliniken (Bremerhaven: DRK-Krankenhaus am Bürgerpark; Bremen: z.B. diabetologische Schwerpunktpraxen, Klinikum Bremen-Mitte Professor Hess Kinderwww. basta-magazin.de Bilder: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven (Apfel 500 PLUS), Evgeniy pavlovski shutterstock.com (Blutzucker-Messung), Kzenon shutterstock.com (Mutter, Tochter)


LAUFPASS 01/2017
To see the actual publication please follow the link above