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LAUFPASS 01/2017

Er kam als einer von Vielen und blieb als einer der Wenigen. David Malone, 1990 noch als G.I. in der Seestadt unterwegs, findet schnell Anschluss, weil jeder mit dem sympathischen Energiebündel etwas anfangen kann. Als seine Kameraden über den Teich zurück in die Heimat müssen, winkt er ihnen nach. In Alexandria (Virginia) geboren, lange Jahre in Music City (Nashville) verbracht und von Musik infiziert. Ihm gefällt, was Bremerhaven und seine Szene zu bieten haben. Es dauert dennoch etwa acht Jahre, bis David sein „Gold aus heißer Kehle“ zum ersten Mal öffentlich in „Kim’s Karaoke“ offenbart, und sein Talent als Entertainer wird mit viel Applaus bedacht. Das macht Spaß, das setzt Adrenalin frei, aber noch besser würde es wohl mit echten Musikern sein, glaubt er. Also versammelt er seinen Arbeitskollegen Stefan Polc und einen weiteren Kumpel um sich. Dieses akustische Trio lehrt ihn Banddynamik und macht süchtig nach mehr. Dann geht alles rasend schnell, zumindest verglichen mit dem Tango einer rockenden Nacktschnecke. Zeit ist ja nun mal relativ. David lernt die Vor- und Nachteile der üblichen Fluktuation in Bands kennen, ganz besonders was Drummer betrifft. Sie kommen und gehen wie der 9-Volt-Block eines Effektgerätes. Er weiß jedenfalls nur eines ganz genau: er will die optimale Besetzung. Es muss passen, sonst rockt es nicht. Helmut Utke (Bass), Hendrik Ziegeler (Gitarre, Gesang), Stefan Polc (Gitarre, Gesang), Ulric Grolle (Percussion, Gesang), Ola Welsch an den Tasten und Patrick Bruns an den Trommeln (und Gesang), besser geht es nicht: SixTons sind geboren. Druckvoller Starkstrom-Rock und butterweich reingehende Balladen, es ist alles dabei – und der Frontmann weiß, wie man sein Publikum bei guter Laune hält. In der Heimatstadt wird erst einmal jede Steckdose angezapft, weil Heimspiele nun mal häufig das dankbarste Auditorium stellen; und ihre ständig wachsende Fangemeinde lässt sie ohne Zugaben nicht von dannen ziehen. Irgendwann aber will jede Band wissen, was sie wirklich draufhat und wert ist. Der Landkreis wird in alle Richtungen genommen. Festivals, Clubs, draußen, drinnen, unten, oben, Hauptsache die Bühne reicht für sieben Mann und der Keyboarder muss nicht in der Damentoilette aufbauen. Dieses funky groovende Bluesrock-Ensemble weiß genau: Erfolg geht nur über Live Konzerte. Der beste Weg, um sich weiter zu entwickeln. SixTons spielen ihr variables Bluegrass- Jazz-Dixie-Punk-Metal-verwurzelte Programm niemals die Uhr runter. Dafür macht es allen zu sehr Spaß. Die Gagen gehen sofort in neues Sound- und Licht-Equipment. Aufrüsten muss schon sein, werden die Hallen doch größer und die Menge unten unüberschaubarer. Was ergibt es für einen Sinn, wenn man nicht hört, was der Sänger singt. Geprobt wird in der Regel einmal die Woche im kleinen, aber feinen „Oberheiser Cellar Studio“, eigentlich der Keller ihres Bassisten. Hier wurde auch der erste Silberling eingespielt. Wenn man ein bisschen zusammenrückt, Körpernähe mag und es einen nicht stört, wenn sich hart erarbeiteter Achselschweiß mit dem Geruch leerer Bierflaschen zu einem gefährlichen Odeur vermischt, dann findet sich auch in der kleinsten Hütte genügend akustische und dynamische Bewegungsfreiheit. Was Konzerte betrifft, waren die Jungs anfangs nicht wirklich wählerisch. Einmal zugesagt und eiskalt durchgezogen, ob nun bei Minusgraden im Februar auf einer Studentenfete mit einem halben Teller Brennnesselsuppe für jeden als opulentes Catering oder bei einem Corsagen- Event, als die Chicks in knappem Leder freizügig auf den Tischen hopsten und dem Schlagzeuger vor Bewunderung die 1 verlorenging. Das ist jetzt anders. Bumm-chaka-bumm! Je mehr Rock desto fetter der Roll. Der Erfolg hat sie selbstbewusst gemacht. Der Name wird hochgehalten. Das hat sich eine Band in Südamerika wohl auch gedacht, als sie sich „Six Tons Classic Rock“ nannte und das Logo der Bremerhavener auf ihre Webseite sowie ihre Plakate setzte und es auch noch frech bei Facebook postete. Dabei steht David und seinen Recken viel eher der Sinn nach einer Wohnwagen Tournee durch Stefans Heimat Slowenien als durch den Dschungel. Dieser zehnjährige Zusammenhalt soll jetzt am Samstag, dem 4. März, im Rock Center mit 100 Liter Freibier bei freiem Eintritt und viel Rock’n’Roll unter dem Motto „10 Jahre und immer noch nicht berühmt“ gebührend gefeiert werden. Wer da nicht rechtzeitig aufläuft und nicht mehr reinkommt, der kann SixTons dann einen Monat später am 15. April in Kuddels Musikkneipe erleben. gbm SixTons Sechs Megagramm Stahltrossen Rock „10 JAHRE UND IMMER NOCH NICHT BERÜHMT“ JUBILÄUMS-KONZERT AM 4. MÄRZ IM ROCK CENTER BREMERHAVEN – EINTRITT FREI UND 100 LITER FREIBIER. 86 www.laufpass.com Foto: Anastasija Steinborn


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