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LAUFPASS Ausgabe 02/2016

Fotos: piotreknik/shutterstock.com | paulrommer/shutterstock.com Insektensterben Erst sterben die Insekten, dann der Mensch LIBELLEN Die Libelle (Odonata) ernährt sich von anderen Insekten, auch kannibalisch von anderen Libellen. Ihren Facettenaugen mit je bis zu 30.000 Einzelaugen entgeht nichts. Libellen wiederum werden von Vögeln, Amphibien, Spinnen usw. erbeutet. Der Nutzen von Libellen als Schädlingsvertilger und Bioindikator ist unbestritten. Alle Libellen und ihre Lebensräume stehen unter Biotop- und Artenschutz. Sie dürfen weder gestört, gefangen, noch gesammelt werden. Mücken sind lästig, Fliegen sind nervig und Spinnen sowie Käfer sorgen regelmäßig für Schrei- und Panikanfälle. Manch einer hat sich auch schon einmal gefragt: „Können die nicht alle weg?“ Eine klare Antwort: „Nein! Auf gar keinen Fall.“ Naturschützer schlagen Alarm. Das Insektenvorkommen in Boden, Luft und Wasser ist in weiten Teilen Deutschlands um bis zu 80 % gesunken. Dabei sind die Insekten und deren Vielfalt, überlebenswichtig für Flora und Fauna und damit für das gesamte ökologische System, denn die Insekten stehen am Anfang einer jeden Nahrungskette und sind damit elementar wichtig – auch für die Menschen. Bereits 2001 hat die EU-Kommission dem Verlust der biologischen Artenvielfalt den Kampf angesagt. Der Verlust der sogenannten Biodiversität sollte gestoppt und geschädigte Ökosysteme sollten „weitestmöglich“ wiederhergestellt werden. Dieses Ziel sollte ursprünglich bis 2010 realisiert werden. Im vergangenen Jahr wurde das Projekt auf 2020 verschoben und sogar eine Vision bis 2050 beschlossen. Eine ganz schön lange Zeit für ein Projekt, dessen Notwendigkeit eigentlich mit einer höheren Priorität behandelt werden sollte. Der Verlust der biologischen Vielfalt ist gleichbedeutend mit dem Verlust unserer Lebensgrundlagen. Das Insektenvorkommen geht weltweit immer mehr zurück. Aber auch die Pflanzen, die für einen Teil der Insekten überlebenswichtig sind, werden immer weniger. Die Gründe dafür sind vielfältig. Als eine der Hauptursachen kann wohl die intensive und industrielle Landwirtschaft in Betracht gezogen werden. Massentierhaltung, großflächiger Grünlandumbruch, Dauereinstallungen der Rinder oder auch Maisanbau haben zu einer Verarmung der ländlichen Strukturen geführt. Die Folgen sind drastischer Artenschwund, Luft- und Gewässerverunreinigung und eine maisgrüne Monotonie in der Landschaft. Bei den Vögeln, die als zuverlässiger Anzeiger für den Zustand der biologischen Vielfalt gelten, sind dramatische Bestandseinbrüche zu verzeichnen, die jeder erkennen kann, sobald er einen Blick aus dem Fenster oder in den eigenen Garten wirft. „Man kann den Landwirten jedoch nicht die alleinige Schuld zusprechen“, erklärt Hartmut Schwarz, Insektenexperte beim BUND Unterweser. „Die Landwirte werden aus einem großen EU-Topf mit Fördermitteln bezuschusst. Anders würde so mancher Landwirt weder seinen Hof unterhalten noch die Familien ernähren können. Um diese Mittel zu bekommen, haben die Landwirte aber auch gewisse Richtlinien zu erfüllen und Erträge zu erwirtschaften. Wer also Geld will, muss mitmachen.“ Mitmachen bedeutet, genauso kontraproduktiv gegenüber dem Ökosystem zu sein, wie die Richtlinien es verlangen. Der gestiegene finanzielle Druck in der Landwirtschaft hat aber zur Gefährdung der verschiedenen landwirtschaftlichen Standorte durch Nutzungsintensivierung geführt. Dazu gehören die intensive Beweidung und das damit verbundene zu frühe und häufige Mähen dieser Flächen. Die 10 www.laufpass.com


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