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LAUFPASS 02/2017

Das Letzte Geschafft? Einen Scheiß! IMPRESSUM: Herausgeber: Wolfgang Jeschke | Tel. 0471/98337-0 | Fax. 0471/98337-22 | info@laufpass.com | www.laufpass.com V.i.S.d.P.: Wolfgang Jeschke, redaktion@laufpass.com Redaktion: Victor Conradt, Simone Hryzyk, George B. Miller, Sascha Floringer, Jakob Diring, Steffen Lünsmann, Christel Jeschke, Mihaela Sartori, Marianne Büsing Layout: Simone Hryzyk, Marianne Büsing Anzeigenverkauf: Jakob Diring, Tel. 0471/98337-25, anzeigen@laufpass.com Herstellung: jeschke . Gesellschaft für Kommunikation mbH, Heinrich-Brauns-Straße 3, 27578 Bremerhaven, Tel. 0471/98337-0, Fax. 0471/98337-22, info@jeschke.net, www.jeschke.net Druckauflage: 20.000 Expl. im Auslagevertrieb, vertrieb@laufpass.com Druck: Druckhaus Humburg, Bremen Erscheinungsweise: vierteljährlich. Ein Nachdruck oder die sonstige Nutzung der Texte oder Fotos der Print- und/oder Online-Ausgabe des Laufpass ist – auch in Auszügen – nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages erlaubt. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 1. Januar 2012. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Service Gesundheit (Seite 38 bis 47) ist ein Angebot der AOK Bremen/Bremerhaven: Bürgermeister-Smidt-Straße 95 | 28195 Bremen Redaktionsleitung: Jörn Hons | Redaktion: Miriam Ernst | www.aok.de/bremen 114 www.laufpass.com Foto: Zsolt Biczo/shutterstock.com Da hat sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ja mal etwas ganz Tolles einfallen lassen. Mit der groß angelegten Werbekampagne „Geschafft: Mehr Tierwohl“ will es uns allen Ernstes weismachen, etwas Gutes für die Tiere getan zu haben. Und was ist dran? Ein Scheiß! Aber das hindert Landwirtschaftsminister Christian Schmidt nicht im Geringsten daran, große Töne zu spucken. 70 Millionen sollen insgesamt investiert werden, um ein freiwilliges Tierwohl-Label zu etablieren und die Werbetrommel dafür zu rühren. Zur Erinnerung: Christian Schmidt ist exakt der Landwirtschaftsminister, der für eine Schweinefleischpflicht an Kitas und Schulen geworben hat und anhaltend das Kükenschreddern duldet. Und dem soll das Tierwohl am Herzen liegen? Das glaubt ihm doch keine Sau! Da kann er noch so viele Millionen und Abermillionen von unserem Steuergeld verprassen. Glaubwürdigkeit lässt sich nicht erkaufen. „Produkte mit Tierwohl-Label müssen bezahlbar sein“, schwadroniert Schmidt. Er sorgt sich am meisten um die Verbraucherinnen und Verbraucher, die momentan ein halbes Kilo Hackfleisch für 1,50 Euro beim Discounter kaufen können. Es ist doch glasklar, dass es bei solchen Schnäppchen die Tiere sind, die den hohen Preis für unseren Konsum bezahlen. Die Hennen und Schweine, die sich in den Ställen vor Platzmangel kaum bewegen können. Die Küken, die nach wenigen Stunden im Schredder ihr Leben lassen. Und jetzt soll alles besser werden? Wohl kaum. Das fadenscheinige staatliche Tierwohl-Label ist doch nur ein nichtssagender Teil der BMELPropaganda. Hinzu kommt: Die Teilnahme am Label-Programm ist sogar freiwillig. Als ob auch nur ein einziger Landwirt beim gegenwärtigen Wettbewerbsdruck die freie Initiative ergreift und seine Ställe bei gleichbleibendem Bestand vergrößert. Das ist bei den aktuellen Preisen einfach unrealistisch und vollkommen dämlich. Auch für die Landwirte müssen Anreize geschaffen werden. Nur so kann man das Tierwohl nachhaltig verbessern, wenn man es denn überhaupt will. Angeblich möchte Schmidt den Kükenschreddern jetzt doch noch den Stecker ziehen. Selbstverständlich nicht ohne ebenso wirksamen, effektiven Ersatz. Nein, erst soll ausgiebig geforscht werden. Jeder kann sich denken: Mit der Axt kann man die kleinen, zierlichen Tierchen extrem schlecht erwischen, geschweige denn auch nur ansatzweise in so kleine Teilchen verarbeiten wie mit dem Schredder. Damit würde die Tötung viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Beim Schredder genügt hingegen ein kurzer Wurf. Wenn der stumpfe Klang ertönt und ein paar Federn in die Luft steigen, weiß man: Es hat funktioniert. Und sowieso muss man sich die generelle Frage stellen: Wie kann man bei diesem wirtschaftlichen Massentötungsprozess eigentlich noch von Tierwohl sprechen? Jeder weiß, was auf die Tiere zukommt. Ihnen wird früher oder später die Halsschlagader durchtrennt, ein Bolzenschuss in den Kopf gejagt oder der Kopf abgeschlagen. Den meisten ist es egal, was bis dahin mit den Tieren passiert, sie sterben ja eh. So denkt wohl das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auch – und versucht das mit einer armseligen Kampagne zu übertünchen. Geschafft? Einen Scheiß! Steffen Lünsmann


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