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LAUFPASS 02/2017

Versorgung, Gebäudeschäden – die Beschäftigten listeten in den Interviews mit SOMO schwerwiegende Mängel auf. Im Sommer 2015 kam es in einer der Fabriken zu einem tödlichen Unfall. Ein Arbeiter wollte eine Tür öffnen, die daraufhin aus den Angeln brach und ihn erschlug. In der Fabrik produzieren Takko und das englische Modelabel New Look. Takko bedauert den Vorfall und weiß von den mangelhaften Zuständen in den Fabriken, hat die Zusammenarbeit dennoch nicht beendet. Die Begründung: „Da sich die Leitung der betroffenen Fabriken nach Bekanntwerden des Fehlverhaltens sehr einsichtig und kooperationsbereit gezeigt hat, haben wir es nicht als zielführend angesehen, diese Geschäftsbeziehung zu beenden“, so Julia Belz. Rainer Einzenberger von der Heinrich-Böll-Stiftung reist beruflich oft nach Myanmar, er ist Experte für die dortige Ressourcenpolitik. Die Verbreitung von Kinderarbeit habe ihn insbesondere bei seinen ersten Aufenthalten schockiert. „Kinderarbeit ist vor allem der nach wie vor schlechten wirtschaftlichen Lage geschuldet, und dem Umstand, dass ohne den Zuverdienst der Kinder viele Familien kaum überleben könnten beziehungsweise die Kinder arbeiten geschickt werden, damit sie selbst für ihren Unterhalt sorgen können“, so Einzenberger. Für ihn liegt das Problem vor allem in der Ignoranz der westlichen Textilanbieter: „Durch Kontakte zu Textilhändlerinnen weiß ich, dass vielen Großabnehmern in Europa die Standards immer noch egal sind und nur der Preis zählt.“ Der Ursprung des Problems liegt aber nicht bei den Unternehmen, sondern in der Erwartungshaltung der Käuferinnen und Käufer. Der Markt erfüllt lediglich unsere Wünsche. Wir wollen Schnäppchen machen, T-Shirts für 4,99 Euro und Hosen für 19,99 Euro kaufen können. Nur der Preis zählt. Auf dem Markt wird deshalb darum gekämpft, wer die günstigeren Klamotten anbieten kann – dafür werden Folgeschäden wie schlechte Bedingungen und geringe Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter in Kauf genommen. Wer hingegen einen fairen Lohn zahlt und dadurch die Preise der Textilien anhebt, kann im Wettbewerb nicht bestehen. Wenn sich die Erwartungshaltung der Käuferinnen und Käufer nicht ändert, werden sich auch die Verhältnisse in der Bekleidungsproduktion nicht ändern. Europäische Union in der Kritik Der größte Teil des Exports von Myanmar geht nach Europa. Die Europäische Union wirbt für ihre Partnerschaft mit Myanmar mit dem Slogan „eine besondere Partnerschaft für Demokratie, Frieden und Wohlstand“. Seit März 2014 verhandelt die EU mit Myanmar über ein Investitionsschutzabkommen – die Öffentlichkeit ist von den Verhandlungen ausgeschlossen. Ziel des Abkommens sei es, „unsere bilateralen Beziehungen zum Nutzen der Menschen in der EU und in Myanmar weiter zu intensivieren“, teilte die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Federica Mogherini mit. 12 www.laufpass.com Fotos: ©Lauren DeCicca |MAKMENDE Ein kleines Mädchen ist auf dem Weg in ihr Zuhause, in dem viele Textilarbeiter leben. Sämtliche Wege in den Slums sind voll mit Müll und dreckigem Wasser.


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