Page 13

LAUFPASS 02/2017

Die Unternehmen freuen sich darüber. Thorsten Rolfes, Pressesprecher von C&A, kündigte an: „Wir planen, sowohl die Anzahl der dort produzierten Produkte in den nächsten drei Jahren zu erhöhen, als auch vor Ort ein Büro zu eröffnen.“ Den Organisationen Terre des Hommes, Misereor, Brot für die Welt, Welthungerhilfe, Burma-Initiative der Stiftung Asienhaus und Gesellschaft für bedrohte Völker stößt die Entwicklung bitter auf. Sie befürchten, dass die EU bei der Verhandlung des Investitionsschutzabkommens auf die Einführung einer Schiedsgerichtsbarkeit drängt. Sollte die myanmarische Regierung Gesetze einführen, die den Gewinn der ausländischen Investoren beeinträchtigen, könnten diese ihn vor dem Schiedsgericht auf hohe Entschädigungen verklagen. Das betrifft vor allem Regelungen zu Gunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Androhung von Sanktionen würde die Regierung jedoch davon abhalten, die Gesetze zu ändern. „Die nachhaltige soziale und ökonomische Entwicklung Myanmars würde langfristig gefährdet“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Organisationen. Auch die Bevölkerung will für ihr Wohl kämpfen. In mehreren Textilfabriken in Rangun ist es zuletzt bereits zu Protesten gekommen. Zum Teil haben die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter in ihrer Wut über Entlassungen und ausbleibende Lohnzahlungen Maschinen und Überwachungskameras zerstört. Die Produktion steht teilweise seit Anfang Februar still. Die Gewerkschaften fordern bessere Arbeitsbedingungen und eine Anhebung des Mindestlohns auf umgerechnet 3,72 Euro am Tag. Das würde die Investoren aufgrund der steigenden Kosten abschrecken. Sie würden sich wieder ein anderes, günstigeres Produktionsgebiet mit schlechteren Arbeitsverhältnissen suchen. Deshalb muss es eine Lösung für den weltweiten Kampf gegen die Armut geben. Der Unternehmensberater Georgios Zervas und der Zukunftsforscher Peter Spiegel haben ein einfaches, aber sinnvolles Konzept entworfen: Die „1-Dollar-Revolution“. Ihre Idee: Ein globaler, wettbewerbsneutraler Mindestlohn von einem Dollar netto pro Stunde. In den einzelnen Ländern darf der Mindestlohn höher sein, aber auf keinen Fall unter einem Dollar liegen. Dadurch soll den Menschen in den armen Ländern geholfen werden, ohne dass die Wirtschaft Schaden nimmt. „Nahezu alles Geld, das die Armen auf diesem Weg erhalten, werden sie sofort in den Wirtschaftskreislauf zurückbringen, also in der Realwirtschaft ausgeben“, erläutern sie ihre Theorie. Doch damit sie funktioniert, müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher höhere Kosten akzeptieren – nur so müssten die Menschen in den Billiglohnländern nicht mehr den hohen Preis für unseren Lebensstil zahlen. sl WWW.SOMO.NL/THE-MYANMAR-DILEMMA/ Für Bremerhaven. Für unsere Mieter. Die STÄWOG gestaltet das Bild der Stadt seit über 75 Jahren. Sanierung Modernisierung Lebensqualität Treffpunkt Wohnkomfort Wohnen in Bremerhaven www.staewog.de | 0471/9451-0 Textilarbeiterinnen treten in den späten Abendstunden ihren Heimweg an. 13


LAUFPASS 02/2017
To see the actual publication please follow the link above