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LAUFPASS 02/2017

16 www.laufpass.com Unfruchtbarkeit aus der Dose Wie der Weichmacher Bisphenol A unsere Gesundheit gefährdet Bisphenol A ist überall. Plastikflaschen, Konservendosen, Milchtüten, mikrowellenfestes Geschirr, Trinkwasserleitungen, Zahnfüllungen, CDs, Behälter für Lebensmittel – all diese Utensilien enthalten die Chemikalie. Selbst, wer sich einfach nur am Automaten eine Fahrkarte zieht, kommt mit Bisphenol A (BPA) in Berührung. Die Verbindung ist nicht nur allgegenwärtig, sondern auch gesundheitsgefährdend: Der Stoff kann Unfruchtbarkeit hervorrufen und steht im Verdacht, die Entstehung hormonell bedingter Krebsarten zu begünstigen. In der Chemieindustrie hat sich Bisphenol A als Allzweckwaffe durchgesetzt. Etwa 1,8 Millionen Tonnen des Weichmachers kommen allein in Europa jährlich zum Einsatz. BPA wird als Grundbaustein bei der Herstellung von zähen Kunststoffen und als Bestandteil von härtbaren Kunstharzen verwendet. Die ursprüngliche Funktion war jedoch eine völlig andere: Wissenschaftler hatten versucht, mit der Synthese einzelner Stoffe einen Ersatz für das weibliche Sexualhormon Östrogen zu finden – und genau die Ähnlichkeit zu Östrogen macht Bisphenol A für uns Menschen gefährlich. Die Chemikalie gelangt zum Großteil über Lebensmittel in unseren Körper – hauptsächlich durch Konservendosen, die von innen mit BPA beschichtet sind. Bei Kontakt mit heißem Wasser kann es aus seiner festen Verbindung gelöst werden. Auch Kassenbons und Tickets aus Thermopapier enthalten oftmals einen geringen Anteil an ungebundenem BPA, das über die Haut aufgenommen werden kann. Im Körper verändert der Stoff unser hormonelles System. Er unterstützt die Produktion weiblicher Sexualhormone und stört die der männlichen. Daher kann der Weichmacher bei Männern Unfruchtbarkeit verursachen. Davor warnt auch die europäische Chemikalienverordnung REACH (Registrierung, Evaluierung und Autorisierung von Chemikalien). Sie stufte Bisphenol A im letzten Jahr offiziell als giftig für die Fortpflanzung ein. Gegenwärtig gibt es in der Exposition von Bisphenol A noch viele Unklarheiten. Die Fortpflanzungsschädlichkeit ist laut einigen Studien nicht der einzige Risikofaktor. Amerikanische Wissenschaftler fanden Belege dafür, dass BPA die Entstehung hormonell bedingter Krebsarten begünstigen beziehungsweise beschleunigen kann. Brustkrebs, die häufigste Krebserkrankung von Frauen in Deutschland, wird durch Östrogen verursacht. In einer Untersuchung mit Brustkrebszellen hat die University of Missouri-Columbia herausgefunden, dass diese sich bei Zufuhr von Bisphenol A wesentlich schneller vermehren. Zur Erforschung der Auswirkungen auf die Prostata hat die University of Illinois Mäusen Prostata-Zellen von verstorbenen Männern implantiert und ihnen Bisphenol A über den Mund verabreicht. Bei nahezu der Hälfte der Mäuse entstanden später Krebs oder Vorstadien von Krebs, zudem vergrößerte sich die Prostata. Derzeit ist noch nicht geklärt, inwiefern sich die Forschungsergebnisse auf Menschen übertragen lassen. In einer neueren Literaturstudie erkannte die britische Umweltorganisation ChemTrust außerdem, dass hormonelle Schadstoffe Ursachen für Übergewicht und Diabetes sein können. Auf politischer Ebene herrschen derweil gravierende Widersprüche. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) teilen einerseits die Auffassung, dass Bisphenol A für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko darstellt. Andererseits empfiehlt das BfR auf seiner Homepage den Verbraucherinnen und Verbrauchern dennoch, es „sollte darauf geachtet werden, dass Kinder nicht mit Kassenzetteln, Quittungen und Fahrscheinen aus Thermopapieren spielen. Gerade bei kleineren Kindern ist nicht auszuschließen, dass sie diese beim Spielen in den Mund nehmen und so Bisphenol A aus dem Papier oral aufnehmen könnten.“


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