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LAUFPASS 02/2017

34 gesundheit Bilder shutterstock.com: pogonici (Spritze), st-fotograf ( Junge unter Narkose), Augustino (Mädchen mit Milchflasche), Gordana Sermek (Baby mit Blutschwämmchen) Eltern im Schönheitswahn Kinder sind gefährlichen Operationen hilflos ausgeliefert Find us on Facebook Badge Wer suchet der findet. Schöne Wohnungen und top Service obendrauf. So macht auch die Wohnungssuche Spaß. Seit 1918. Mehr als ein Dach über dem Kopf. 53.53975 |l| 8.59193 Wohnungsgenossenschaft Die Koordinaten für gutes Wohnen! Bremerhaven eG Friedrich-Ebert-Str. 5 Tel.: 0471 92600 - 1 www.woge-bremerhaven.de Schönheitsoperationen sind schon lange kein exklusives Phänomen der High Society mehr. Allein in Deutschland legen sich jährlich Zehntausende Menschen für kosmetische Eingriffe unters Messer – sogar Kinder. Der Anteil von Minderjährigen ist in den letzten Jahren auf 1,4 Prozent gestiegen. Die Entscheidung über ästhetische Korrekturen treffen aber nicht die Kinder selbst, sondern ihre Eltern. Beim Thema Schönheitsoperationen an Minderjährigen herrscht nur vermeintlich ein gesellschaftlicher Konsens. Ärzte und Eltern schieben den Wünschen Heranwachsender nach größeren Brüsten, volleren Lippen oder apfelförmigen Gesäßen meist einen Riegel vor – soweit reicht die Vernunft dann doch. Aber dieser Konsens beschränkt sich auf Extremfälle, nicht auf die gängigen Formen der Schönheitsoperationen an Minderjährigen – Eingriffe, die Eltern offenbar als unproblematisch ansehen, weil sie alltäglich durchgeführt werden. Das betrifft vor allem den am weitesten verbreiteten Eingriff, das Ohrenanlegen. Die Initiative ergreifen in der Regel die Eltern: Sie bringen ihr Kind zum Hals-Nasen-Ohrenarzt, auch wenn es gar nicht das Verlangen nach angelegten Ohren verspürt. Teilweise geschieht das schon im zarten Alter von vier Jahren, weil sich die Entwicklung der Ohren bis dahin zum Großteil vollzogen hat. Die Motivation der Eltern: Sie wollen ihren Nachwuchs präventiv vor Hänseleien im Kindergarten oder in der Schule schützen und haben panische Angst um die seelische Entwicklung ihres Kindes. Es soll »normale« Ohren haben, aussehen wie alle anderen Kinder und dadurch keine Angriffsfläche bieten. Die Eltern steigern sich so in ein Problem hinein, das in der Realität gar nicht existieren muss. Es lässt sich kaum prognostizieren, ob ihr Kind später einmal gehänselt werden wird oder nicht – oder ob es vielleicht sogar selbstbewusst mit seinen körperlichen Besonderheiten umgehen wird. Anders zu sein bedeutet eben nicht Minderwertigkeit, sondern Individualität. Einige Menschen wünschen sich sogar spezielle Merkmale als Markenzeichen ihrer Persönlichkeit. So gelten Zahnlücken, Muttermale, Sommersprossen, abstehende Ohren oder Pigmentstörungen beispielsweise in der Modelwelt als Alleinstellungsmerkmale und nicht als Schönheitsmakel. Hinzu kommt, dass Eingriffe wie das Ohrenanlegen oder die Entfernung von Blutschwämmchen Operationen sind – und deshalb auch immer mit großen Risiken verbunden sind: Infektionen, Probleme mit der Narkose und Entzündungen können


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