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LAUFPASS 02/2017

38 service gesundheit Tanzen statt pauken Das Projekt »Kribbeln im Bauch« will Jugendliche stark fürs Leben machen Ein Team werden – mit Spaß, Respekt, Schweiß und ganz viel Kribbeln im Bauch! Walzer statt Wälzer, Teamgeist statt Textarbeit: Beim Präventionsprojekt »Kribbeln im Bauch« tauschen Bremer Schülerinnen und Schüler ihr Klassenzimmer eine Woche lang gegen einen Tanzsaal ein. Eine Schule fürs Leben. Sie beginnt am Montagmorgen um 9 Uhr. In der Driton Dance School in Bremen-Oslebshausen blickt Tanja Wilkens, Sport- und Gesundheitswissenschaftlerin, in müde Gesichter. Ihre Gegenüber heißen Eli, Lena-Caitlin, Fabian, Fatmira und Sinan. Sie sind 14 und 15 Jahre alt, kommen aus aller Herren Länder und besuchen die Klasse 9 e der Oberschule in den Sandwehen. Alle stecken mitten in der Pubertät. Tanz öffnet Körper, Geist und Seele In dieser Woche stehen statt Goethe-Gedichten Tanz, Spiele und Gespräche auf dem Stundenplan. Als Lebenskompetenztraining beschreibt es Tanja Wilkens, wenn die Jugendlichen nicht dabei sind. Sie begleitet die Projektwoche im Auftrag des Bremer Landesinstitutes für Schule (LIS), in der es vordergründig vor allem ums Tanzen geht. „Das ist die Basis, um an die Jugendlichen heranzukommen“, sagt Tanzschulenbesitzer Driton Veliú. „Tanz öffnet Körper, Geist und Seele“. Und genau dahin wollen die Initiatoren des Projektes »Kribbeln im Bauch«. „Sie sollen wissen, wer sie sind, was sie können und vor allem: Dass sie richtig sind, so wie sie sind“, ergänzt Tanja Wilkens. „Und wichtig noch dazu.“ Das, so sehen es die Initiatoren, sei die beste Prävention gegen Sucht und Gewalt. Als Persönlichkeit reifen Manch einem mag das Konzept »Tanzen zur Stärkung des Selbstbewusstseins « bekannt vorkommen. Im Jahr 2004 machte der Dokumentarfilm »Rythm Is It!« von sich reden. Er handelt von einem Projekt der Berliner Philharmoniker und ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Unter Anleitung des Choreografen und Tanzpädagogen Royston Maldoom probten sie mit 250 Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen, vorwiegend aus Berliner »Problemschulen«, sechs Wochen lang Igor Stravinskys Ballett »Le sacre du printemps «. Der Film zeigt die Entwicklung der jungen Menschen, die aus den wachsenden Erfolgen Selbstbewusstsein ziehen und als Persönlichkeit reifen. Das Ende und der große Höhepunkt war ein umjubelter Auftritt in der Arena Berlin. Das Projekt »Kribbeln im Bauch« wurde 2006 von Christine Witte und Margrit Hasselmann vom LIS entwickelt. Von Anfang an wird es von der AOK Bremen/Bremerhaven sowie vom InGePP, dem Bremer Institut für Gesundheitsförderung und Pädagogische Psychologie e.V., finanziell unterstützt. Bis Ende Mai 2017 werden insgesamt 3600 Jugendliche das Programm durchlaufen haben. Es richtet sich an 9. Förder-, Oberschul- und Werkschulklassen aus Bremen. Bevorzugt berücksichtigt werden Schulen aus sozialen Brennpunkten. Sich selbst ein Freund sein An einem der Projekttage Projekttag erfahren die Jugendlichen unter anderem, wohin es führen kann, Träume aufzugeben und damit auch ein Stück sich selbst. Kerstin wurde eingeladen, den Jugendlichen etwas aus ihrem Leben zu berichten. Als sie so alt war wie die Neuntklässler, hatte auch sie einen Lebenstraum. Sie wollte Visagistin werden, hatte schon eine Lehrstelle und gab diese auf Drängen Auftritt am 3. Juni 2017 Ende Mai richtet das LIS für alle beteiligten Schüler noch einmal eine Intensivwoche aus, in der es nur um Tanz geht. Dafür müssen interessierte Schüler vom Unterricht freigestellt werden. Die Woche mündet in einer öffentlichen Vorstellung auf dem Bremer Marktplatz: am Samstag, den 3. Juni um 11 Uhr. Zuschauer sind herzlich willkommen, um die mutigen Jugendlichen zu feiern! www.basta-magazin.de Fotos: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven, foto-lehmkuehler-2017 Grafiken: mikibith shutterstock.com


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