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LAUFPASS 02/2017

(Un)wahrscheinlich krebserregend Das Katz- und Maus-Spiel um die Zulassung von Glyphosat www.laufpass.com Fotos: Valentin Valkov/shutterstock.com | sittipong/shutterstock.com Seit Jahrzehnten verwendet die Landwirtschaft den Unkrautvernichter Glyphosat. Das Pflanzengift scheidet die Geister: Zuerst stufte es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ und dann wieder als „nicht krebserregend“ ein. Die Europäische Union vertagte ihre Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung auf Ende 2017. Im Streit um die Zulassung konzentriert sich alles darauf, ob Glyphosat Krebs erzeugt oder nicht. Dabei hat das Pflanzengift noch weitere verheerende Auswirkungen: Es tötet im Wasser lebende Organismen, verringert die Artenvielfalt und ruft starke Augenreizungen hervor. Ursprünglich brachte Monsanto das Produkt „Roundup“, in dem die Chemikalie Glyphosat enthalten ist, als Rohrreiniger auf den Markt und ließ es in den 1970er Jahren dann als Herbizid patentieren. Die Patente sind seit einigen Jahren abgelaufen. Seitdem produzieren auch andere Konzerne den Pflanzentöter, darunter die deutschen Chemieriesen Bayer und BASF. In Deutschland kommen Von Steffen Lünsmann in der Landwirtschaft laut Regierungsangaben jährlich etwa 5.900 Tonnen, im Haus- und Kleingartenbereich 40 Tonnen Glyphosat zum Einsatz. Weltweit werden etwa 720.000 Tonnen in die Natur gesprüht – Tendenz steigend. Der Marktwert wird auf über fünf Milliarden Euro geschätzt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der WHO, hat Glyphosat für den Menschen als „wahrscheinlich krebserregend“ bewertet. In die Bewertung flossen die Untersuchungen von über 200 Studien ein. Man beobachtete einen Zusammenhang zum Non-Hodgkin-Lymphom, einer Form von Lymphdrüsenkrebs. Mit der Veröffentlichung der Studie im März 2015 nahm die Diskussion um die Zulassung von Glyphosat rasant Fahrt auf. Das hat auch damit zu tun, dass die WHO einen Rückzieher machte und den Unkrautvernichter nun doch als „nicht krebserregend“ einstufte. Das führte dazu, dass die Entscheidung über die Zulassung bei der Abstimmung der Europäischen Union im Juni letzten Jahres um eineinhalb Jahre vertagt wurde. Quelle: *1 Szarek, J., Siwicki, A., Andrzejewska, E., Terech-Majewska, E., Banaszkiewicz, T. (1999): Effects of the herbicide Roundup on the ultrastructural pattern of hepatocytes in carp. *2 Benachour, N., Sipahutar, H., Moslemi, S., Gasnier, C., Travert, C., Séralini, G.-E. (2007): Time- and dose-dependent effects of roundup on human embryonic and placental cells. 8


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