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LAUFPASS 02/2017

Steff Heinken Die goldene Stimme aus dem Kinderwagen Mit der Schwester und dem Babysitter geht es nämlich schon sehr früh in Richtung Mehrstimmigkeit. Der erste komplett gesprochene Satz: „Wenn ich mal groß bin, werde ich Sängerin!“ Jetzt ist sie groß, wenngleich von ihrer Statur her eher grazil, dass man sich fragt, woher die Lady diese unglaubliche Power nimmt. Durch die gesamte Schulzeit wird im Chor mitgesungen, im Mathe-Unterricht, auf dem Sportplatz und in Theaterrollen mit Hingabe geschauspielert. Die ebenfalls musikalischen Eltern erkennen, was da heranwächst und finanzieren der beweglichen Schülerin drei Jahre lang Gesangsunterricht als Sopranistin am Bremer Goethe Theater. Wenn schon, denn schon. Jetzt fehlt nur noch die Praxis auf der Bühne vor Publikum. Schritt für Schritt beginnt das Herantasten. Bei einem Gesangswettbewerb wird Steff angesprochen, ob sie nicht in einer Blues-Rock-Band mitmischen möchte. Eine wilde Zeit, laut und unbändig, aber garantiert nicht für immer. Nach zwei Jahren wird klar, das kann es nicht sein, da muss noch mehr kommen. Steff Heinken ist musikalisch vielseitig unterwegs, besitzt eine überzeugende Ausstrahlung. Ziemlich schnell kristallisiert sich heraus, was ihr wirklich liegt und dabei auch noch Spaß macht. Melancholische Gesangslinien, Soul, Rock-Pop, Musical, Klassik und Jazz. Das alles trifft den Nerv der gebürtigen Bremerin und prägt ihren Stil. Mit diesen durchlebten Erfahrungen weiß die Musikerin heute, am wohlsten fühlt sie sich bei Chansons. Da wird die Ganzheit gefordert, und das angeborene Talent für Comedy macht aus gesungenen Geschichten auch noch bewegte Bilder. Konsequentes Nachsingen von Gesangslinien und Versuche, sich in fremde Gesangstechniken hineinzufühlen, das kann zudem absolut förderlich und schulend beim Entwickeln eines eigenen Stils sein. Dann geht es plötzlich Schlag auf Schlag. Theater, Tonstudio, Kamera, Moderation, Live Konzerte, jeder Tag bringt etwas Neues. 2002 steigt die charmante Künstlerin bei den Flying Soul Toasters ein. Das gefällt ihr bestens. Es ist auf den Punkt das richtige Umfeld, um die Liebe zum Soul auszuleben. In ihren vier Wänden schreibt Steff Songtexte und gibt Melodiefolgen vor. Beides zusammen wird aufs Handy gesungen und den Kollegen in der Band präsentiert. Kollektiv wird arrangiert, aber immer so, dass die Komponistin als Interpretin damit glücklich ist. Schließlich ist da schon ein ziemlich vorgefertigtes Stück Musik im Kopf. Eigenes zu komponieren, zu texten, da sieht sie ihre Zukunft, das ist der Seelenspiegel eines Musikers. Seit April 2008 arbeitet die charismatische Frontfrau in einer Funk und Soul Band mit eigenem Material, und nur sieben Monate später räumt sie den Titel „Beste Funk & Soul Sängerin“ beim „Deutschen Rock und Pop Preis“ ab. Die freundschaftliche, wenn auch akribisch gewissenhafte Zusammenarbeit mit der Bremer Künstleragentur „may-artist“ erweist sich zusätzlich als äußerst fruchtbar. Ob nur vom Piano oder einer Gitarre begleitet oder vom größeren Ensemble, der Terminkalender schwitzt. Welche Wünsche bleiben da noch offen? Das kann keine ernst gemeinte Frage sein. „Ich möchte gern mit meinem Chanson-Programm bundesweit auf Tour gehen. Die tolle Zusammenarbeit mit meiner befreundeten Kollegin Tina Härtel (Bremen) steht an, Premiere voraussichtlich im Herbst. Filmtechnisch ist etwas geplant, und mit der Akustikband feilen wir an neuen und eigenen deutschsprachigen Songs. Trotz alledem bin ich viel mit meiner Familie zusammen. Privatleben ist mir heilig, will sagen, die Couch ist ebenfalls immer noch eine gute Freundin, und im Garten zu buddeln, Steine zu setzen lass ich mir auch nicht nehmen.“ Ein erfülltes Leben, das Langeweile zu einem absoluten Fremdwort macht. Besser geht nicht. gbm 80 www.laufpass.com Foto: Karin Tsirangelos WWW.STEFFHEINKEN.DE Wenn der Volksmund seine Lippen öffnet, redet er manchmal etwas daher, von dem jeder weiß, was gemeint ist, wenngleich die Aussage der tieferen Bedeutung nur an der Oberfläche kratzt. „Sie hat Gold in der Kehle“ passt zu Steff Heinken jedenfalls wie Erfolg zu Karriere. Ihre glockenklare Stimme ist dem Sonnenschein gleich und seit Kindertagen das innewohnende Instrument. Während andere Babys nur ein Da Da Da zwischen Nuckel und Daumen zustande bringen, kommen bei Steff schon differenzierte Laute wie Do Re Mi über die Lippen. Natürlich ist das ein bisschen übertrieben, aber auch wirklich nur ein bisschen.


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