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LAUFPASS 03/2017

Der Amazon-Effekt Tötet die Digitalisierung den Einzelhandel? Die Digitalisierung erobert die Welt und macht vor keinem Wirtschaftszweig Halt. Innovative Technologie bestimmt den Markt mehr denn je. Als Vorreiter bläst der Online- Versandhändler Amazon gegenwärtig zum weltweiten Angriff auf sämtliche Marktbereiche. Der Amazon-Effekt hat in den USA bereits den Einzelhandel erschüttert. Gerade die Unternehmen, die dem Fortschritt der Digitalisierung nicht folgen können, drohen auszusterben. Auch hierzulande wird die Wirtschaft davon nicht verschont bleiben. Jeff Bezos ist der wohl erfolgreichste IT-Unternehmer der Gegenwart und zugleich der Schrecken sämtlicher Handelsbranchen. Der Gründer und CEO von Amazon wagt derzeit in immer kürzeren Abständen Angriffe auf ganze Märkte. Das Erfolgsrezept: Ein unaufhörlicher Innovationsdruck als wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Bisher gelangte Amazon mit Entwicklungen wie der digitalen Leihbücherei Kindle (2012), dem Streaming-Dienst Prime Video (2014) und der Vorratsbox Pantry (2015) sowie kürzeren Lieferzeiten des Versandhandels 10 www.laufpass.com zu bahnbrechendem Erfolg. Jetzt muss selbst der stationäre Lebensmittelhandel vor dem Online-Riesen zittern: Kürzlich startete auch in Deutschland Amazon Fresh, ein Lieferdienst für den Wocheneinkauf mit einem Sortiment von über 85.000 Produkten – auch frischen Lebensmitteln. In den USA hat der Online-Versandhandel den Einzelhandel bereits in eine tiefe Krise gestürzt. Die klassischen Kaufhäuser stehen derzeit massenweise vor dem Ruin. Seit Oktober 2016 wurden im Einzelhandel mehr als 90.000 Stellen gestrichen. Allein die große Kaufhaus-Kette Macy’s kündigte die Schließung von über 100 ihrer knapp 700 Filialen an. Dagegen verzeichnet Amazon ein rekordverdächtiges Wachstum: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Seattle wuchs 2016 im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben weltweit um 27 Prozent auf 136 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Amazon agiert inzwischen nicht mehr nur als Online-Versandhändler, sondern hat in Seattle kürzlich unter dem Namen „Amazon Go“ auch den ersten völlig kassenlosen Supermarkt eröffnet und ist damit in den stationären Einzelhandel eingestiegen – mit revolutionären Innovationen. Kunden müssen sich am Eingang mit einem Code auf ihrem Smartphone ausweisen, können sich dann einfach ihren Einkauf aus dem Regal nehmen und das Geschäft verlassen. Durch spezielle Sensoren erkennt das System, welche Waren gewählt wurden und bucht die Summe über das Benutzerkonto ab. Ein perfektes Beispiel dafür, wie Digitalisierung nach und nach unseren Alltag verändert. Innovationen sind im Zeitalter der Digitalisierung der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb gerät der Einzelhandel vermehrt in die Bredouille. Seit Jahrzehnten verläuft der Besuch eines Geschäfts oder Supermarkts nach dem gleichen Muster. Die Kunden entscheiden sich – teilweise nach Beratung – für den Kauf bestimmter Produkte und bezahlen anschließend beim Kassenpersonal. Der Einzelhandel funktionierte bislang simpel, er kam sogar ohne Innovationen aus. Und dann kamen Amazon und Co., die sich seit ihrer Gründung der Technologie und dem ständigen Fortschritt verschrieben haben. Jetzt können Produkte kurzerhand über das Internet bestellt werden, der klassische Handel verliert an Reiz. Im deutschen Einzelhandel herrscht die Ruhe vor dem Sturm Momentan geht es dem deutschen Einzelhandel noch deutlich besser, als man angesichts der Dominanz von Amazon, Zalando, Otto und anderen Versandhäusern denken könnte. Immerhin baut der Einzelhandel nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit weiterhin Jobs auf. Bei der letzten statistischen Erhebung am 30. September 2016 waren in der Branche 3,04 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von einem Prozent entspricht. Demnach wurden innerhalb eines Jahres 31.000 neue Jobs geschaffen.


LAUFPASS 03/2017
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