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LAUFPASS 03/2017

Foto: Bobex-73/shutterstock.com Alltagsparadies Ein ganz normaler Tag in Deutschland Endlich Wochenende. Samstagmorgen wachen meine Freundin und ich nach acht Stunden erholsamen Schlafs um 9.00 Uhr in unserem bequemen und weichen Boxspringbett auf. Der erste Weg führt mich ins Badezimmer – erstmal eine schöne Dusche zum Wachwerden. Nach einem kurzen kalten Schauer stelle ich das Thermostat auf eine angenehme lauwarme Temperatur ein. Zwischendurch verwende ich die Massageeinstellung meines Duschkopfes, um die kleinen Verspannungen der Nacht zu lösen. Ein perfekter Start in den Tag. Nachdem ich zehn Minuten lang geduscht habe, fühle ich mich frisch und sauber – mein Körper duftet jetzt nach Zitrone, meine Haare nach Pfirsich. Vor dem Kleiderschrank habe ich dann wieder die Qual der Wahl. Blaue Jeans, schwarze Jeans oder doch eine kurze Hose? T-Shirt, Hemd oder Poloshirt? Und welche Farbe passt am besten zu welchen Schuhen? Geschafft. Das Outfit steht: Weißes T-Shirt, schwarze Jeans, schwarze Sneakers. Bei meiner Freundin dauert der Prozess wie gewohnt etwas länger. Währenddessen decke ich schon mal den Tisch für die wichtigste Mahlzeit des Tages. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Brötchen, gekochte Eier, Marmelade, Honig, Käse, Schinken, Salami, Frischkäse, Nougatcreme und Lachs zieren den Frühstückstisch. Dazu natürlich ein frisch gebrühter Kaffee, für mich soll es heute ein starker Arabica sein. Meine Freundin entscheidet sich hingegen für einen Zitrone-Ingwer-Tee. Nebenbei hören wir Radio und blättern in der Zeitung, die uns am frühen Morgen durch den Zeitungsschlitz in die Wohnung geschoben wurde. Ich lese einen Bericht über die Länder in der Dritten Welt. Die Zahlen schockieren mich: Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Außerdem leben immer noch 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt komplett ohne Elektrizität. Vorstellen kann ich mir das Ganze nur allzu schlecht. Im Radio läuft ein Bericht über den Bürgerkrieg in Syrien, mehr als 250.000 Menschen sollen den Auseinandersetzungen nach Angaben der Vereinten Nationen bereits zum Opfer gefallen sein. Nach dem Frühstück räumen wir schnell ab, packen das Geschirr in die Spülmaschine und machen uns auf den Weg nach draußen. Direkt vor der Tür befinden sich ein Bürgersteig und eine geteerte Straße. Zwei Häuser weiter ist die nächste Apotheke, der nächste Supermarkt ist 500 Meter entfernt. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Supermarkt, als ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene an uns vorbeifährt. Vor zehn Minuten war auf der Kreuzung vor dem Supermarkt eine Radfahrerin angefahren worden. Jetzt wird sie schnell erstversorgt und in das nächste Krankenhaus gebracht. Dort profitiert sie von der optimalen medizinischen Versorgung und der professionellen Betreuung bestausgebildeter Ärzte. Wir gehen weiter Richtung Supermarkt. Mein Handy vibriert. Mein Kumpel Daniel hat mir ein Bild aus dem Mallorca-Urlaub gesendet. Innerhalb von zwei Stunden ist er von Bremen zur 1.500 Kilometer entfernten Baleareninsel geflogen. Dabei muss ich an meine Großeltern denken, die damals in der DDR nie die Chance hatten, das Land zu verlassen. Wie schlimm muss es gewesen sein, innerhalb der Grenzen gefangen zu sein und für das Leben in einer besseren Welt eine lebensgefährliche Flucht in Kauf nehmen zu müssen. Das alles ist nun auch schon wieder ein Weilchen her. Im Supermarkt stehen wir wieder vor unzähligen prall gefüllten Regalen. Allein die Obst- und Gemüseabteilung liefert uns ein Spiegelbild der Globalisierung: Litschis aus Madagaskar, Bananen aus Ecuador, Papayas aus Mexiko, Granatäpfel aus Indien – Spezialitäten soweit das Auge reicht. Die Vielfalt erstreckt sich über alle Abteilungen des Supermarktes. Bei uns geht es nicht darum, ob wir etwas zu 12 www.laufpass.com


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