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LAUFPASS 03/2017

essen bekommen, sondern darum, was es zu essen gibt. Die Wahlmöglichkeiten sind schier unbegrenzt. Nach einer halben Stunde verlassen wir mit vollen Tüten den Laden. Den Rückweg treten wir mit dem Bus an – die 500 Meter wollen wir nicht mit der schweren Last laufen, und die Busse fahren ohnehin alle fünf Minuten. Im Bus treffen wir Sophie, eine alte Bekannte. Meine Freundin kennt sie schon aus dem Kindergarten, ging mit ihr zur Grundschule und aufs selbe Gymnasium. Nach ihrem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und arbeitet heute in einer Einrichtung, die Menschen mit Behinderung die Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht. Sie überlegt noch zu studieren oder eine der zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Glücklicherweise habe hierzulande ja jeder das Recht auf Bildung. Bei uns in Deutschland sei es dafür außerdem nie zu spät, sagen wir und verabschieden uns von ihr. Zuhause angekommen, schmeißen wir die benötigten Zutaten in unsere Küchenmaschine und lassen uns eine mediterrane Tomatensuppe zubereiten. Als Nachspeise gibt es noch ein leckeres Eis. Nach einem kurzen Mittagsschlaf planen wir unseren weiteren Tagesverlauf. Gehen wir ins Schwimmbad, ins Theater, zu einem Konzert, in einen Freizeitpark oder doch ins Museum? Die Wahl fällt uns extrem schwer. Die Entscheidung fällt auf einen Museumsbesuch mit anschließendem Stadtbummel. Die Anfahrt verzögert sich ein wenig, weil in der Stadt eine Verdi-Demonstration für höhere Gehälter im Einzelhandel stattfindet. Damit müssen wir leben, es ist sogar gut so. In unserer freiheitlichen Gesellschaft dürfen alle Bürger friedlich ihre Meinung kundtun, dürfen sich zu Organisationen zusammenschließen und für ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einer guten Gesellschaft friedlich tätig werden. Im Museum nehmen wir an einer Führung teil. Die Ausstellung handelt von der Entwicklung Deutschlands nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Es ist schon erstaunlich, wie Deutschland innerhalb von 70 Jahren zu einem toleranten Land gewachsen ist, voller verschiedener kultureller Einflüsse. Was uns auch nicht bewusst war: Wir leben seit über 70 Jahren im Frieden – und so eine lange Friedensphase wie bis heute in Mitteleuropa gab es in unserer Zeitrechnung noch nie. Mit vielen neuen Eindrücken verlassen wir gegen Abend das Museum und begeben uns in die Fußgängerzone. Wir suchen nach einem Restaurant. Manchmal kann die Fülle an Auswahlmöglichkeiten echt ätzend sein. Bei der Wahl zwischen Griechisch, Spanisch, Chinesisch, Türkisch, Afrikanisch oder Italienisch entscheiden für uns für Letzteres. Zu unserer köstlichen Pasta genießen wir einen ausgezeichneten Chianti und italienische Musik. Die Vorfreude auf unseren Urlaub steigt, in zwei Wochen fliegen wir nach Venedig. Nach dem Essen fahren wir nach Hause und legen uns zum Fernsehen aufs Sofa. Es läuft eine Dokumentation über das Leben in Afrika. Erst jetzt wird mir richtig klar: Dieser Tag war voller Privilegien, unsere Gesellschaft hat es trotz aller Probleme verdammt gut. Wir leben in einem Paradies. sl ENgAgEMENt FÜr FlÜcHtliNgE. MEHr vErBiNDEt, AlS UNS trENNt. kleinen Kindern die deutsche Schrift beigebracht. Heute übt er mit Flüchtlingen im AWO Übergangswohnheim Mitte in Sprache. Warum? Weil uns mehr verbindet, als uns trennt! Erfahre jetzt, wo Du Dich in Deiner Nähe engagieren kannst: patenschaften


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