Page 15

LAUFPASS 03/2017

Die Konzerne entscheiden, welche Sorten erlaubt sind Der Fall zeigt, dass die Konzerne über die Sortenvielfalt bestimmen. Monsanto, Bayer und Co. konzentrieren sich auf wenige Sorten Saatgut, ziehen andere dagegen aus dem Verkehr, so der Vorwurf von Verbraucherschützern. Dieses Saatgut können die Hersteller massenweise an die Bauern verkaufen. Die Landwirtschaft ist darauf angewiesen und kann die Samen nicht aus den eigenen Pflanzen gewinnen. Das liegt daran, dass die Hersteller ihre Samen genetisch so modifiziert haben, dass man sie nicht wiederverwenden kann – man spricht von Hybridsaatgut. Die aus diesem veränderten Saatgut wachsenden Pflanzen liefern eben keine Samen für das nächste Jahr. Das Saatgut wird aber nicht nur auf Unfruchtbarkeit, sondern auch auf Empfindlichkeit gezüchtet. Deshalb bedarf der Anbau einer großen Menge an Düngemitteln und Pestiziden, die ebenfalls von den Saatgutproduzenten vertrieben werden. Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe – die Landwirte und Verbraucher sind dagegen machtlos. Wenn Unternehmen wie Bayer und Monsanto zu einem Unternehmen verschmelzen, wird die Monopolisierung der Saatgutproduktion ihren Lauf nehmen, kritisieren Umwelt- und Verbraucherschützer. Dann entscheidet ein Konzern, was beim Verbraucher als Endprodukt auf den Tisch kommt. Die Sortenvielfalt wird weiterhin abnehmen. Die Saatgut-Thematik hat in der Landwirtschaft bereits für Zündstoff gesorgt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Saatgut noch ein öffentliches Gut und wurde von der Wissenschaft in seiner Genetik stetig verbessert. Staatliche Stellen registrierten das Saatgut und stellten es den Landwirten frei zur Verfügung. Nach und nach witterte die Wirtschaft ein lukratives Geschäft. Firmen investierten immer mehr in die Gentechnik, um den maximalen kommerziellen Nutzen zu erzielen und ließen sich ihre Entwicklungen patentieren. Heute dominieren einige wenige Produzenten den Markt. Von der freien Zugänglichkeit ist nicht mehr viel übrig, der Saatgutverkehr wurde privatisiert. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft übt scharfe Kritik daran, dass Konzerne über den Zugriff auf Saatgut entscheiden und die Ressourcen blockiert werden. „Hoffnungen, durch vereintes Auftreten öffentlicher Universitäten und Forschungseinrichtungen gegenüber der Privatwirtschaft weiterhin Zugang zu patentiertem Saatgut zu behalten, haben sich in den letzten Jahren zerschlagen. Ebenso die Hoffnung, das Internationale Abkommen über pflanzengenetische Ressourcen (ITPGRFA) werde einen fairen, am Gemeinwohl ausgerichteten Austausch von Zuchtmaterial zwischen privaten und öffentlichen Züchtern aufrechterhalten“, heißt es auf der Homepage der Organisation. Widerstandskämpfer gegen die Monopolisierung Viele Menschen wollen sich aus den Zwängen von Bayer, Monsanto und Co. befreien, für mehr Freiheit, Vielfalt und schließlich auch Geschmack kämpfen. 2016 hat die deutsche Wohltätigkeitsorganisation Agrecol die Open-Source-Saatgut-Lizenz präsentiert. Den Verbrauchern soll dadurch ermöglicht werden, Pflanzen mithilfe von freiem Saatgut zu reproduzieren. In diesem Jahr ging mit OpenSourceSeeds ein Dienstleister an den Start, der eine gemeinnützige Alternative darstellen will. Wenn neue Sorten entwickelt werden, sind diese ungeschützt und können somit auch von Privatunternehmen patentiert werden, die sie gar nicht hergestellt haben. OpenSourceSeeds stattet Saatgut-Produzenten, die sich von den Wirtschaftsriesen fernhalten wollen, mit der Open-Source-Lizenz aus und gewährt rechtlichen Schutz. Das Saatgut wird damit vor Patenten und Modifizierungen durch Dritte geschützt und dient dem Gemeinnutzen. Aktuell listet die Open-Source-Datenbank zwei geschützte Sorten: Die Tomate „Sunviva“, eine aromatische, süße Cocktailtomate sowie den Sommerweizen „Convento C“. Die Trauben der Bewegung hängen aber wesentlich höher: „Mit OpenSourceSeeds tragen wir dazu bei, einen nicht-privaten, gemeinnützigen Saatgutsektor aufzubauen. Wir wollen ihn neben dem privaten als zweite Säule der Saatgutversorgung etablieren“, erklären die Verantwortlichen auf ihrer Webseite. sl WWW.OPENSOURCESEEDS.ORG WWW.WELTAGRARBERICHT.DE WWW.SAATGUTKAMPAGNE.ORG Fotos: wavebreakmedia/shutterstock.com | Tonhom1009/shutterstock.com | WAYHOME studio/shutterstock.com | JGade/shutterstock.com 15


LAUFPASS 03/2017
To see the actual publication please follow the link above