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LAUFPASS 03/2017

38 gesellschaft Kinder testen beim Spielen gerne ihre Grenzen aus, ganz ohne Rücksicht auf die unmittelbaren Konsequenzen. Ein blauer Fleck am Knie, ein Kratzer am Ellenbogen, eine Beule am Kopf – all das gehört zum kindlichen Alltag dazu und ist eine wertvolle Erfahrung, wenn es darum geht, Gefahren richtig einschätzen zu können. In vielen Fällen bleibt es aber nicht nur bei einer kleinen Schramme: Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums www.basta-magazin.de Bilder: Romrodphoto shutterstock.com (Kind auf Reifenschaukel), Ermolaev Alexander shutterstock.com ( Junge mit Fahrrad), Romrodphoto shutterstock.com ( Jungs im Baum) müssen jährlich etwa 1,7 Millionen Kinder nach einer Unfallverletzung ärztlich versorgt werden. Ein Grund dafür ist, dass Kinder die Gefahren noch nicht richtig einschätzen können. Wenn es um den Schutz vor Gefahren des Kindes geht, gibt es in der Erziehung zwei Extreme. Auf der einen Seite die übervorsorglichen Helikopter Eltern, die ihr Kind permanent überwachen. Sie lassen es nicht alleine spielen, sondern befinden sich immer in unmittelbarer Nähe. Das Kind kommt gar nicht erst dazu, seine Grenzen auszutesten, wird beispielsweise davon abgehalten, einen Baum hochzuklettern, schnell zu rennen oder Fußball zu spielen. Sie erziehen ihr Kind damit zur Ängstlichkeit und zu übertriebener Sensibilität. Dadurch mangelt es ihm an Erfahrung und Eigenverantwortung. Letztere gilt es zu fördern, um die Unfallprävention im Haushalt und im Straßenverkehr zu unterstützen. Auf der anderen Seite existiert ein völlig anderes Extrem: Die Eltern, die ihrem Kind zu viel Freiraum lassen, überhaupt nicht auf die möglichen Konsequenzen Acht geben und ihm keine Grenzen aufzeigen. Sie lassen ihr Kleinkind beispielsweise unbeaufsichtigt auf der Straße spielen, ohne Helm und Schutzausrüstung skaten oder es unverhältnismäßig früh alleine mit Feuer experimentieren. Diese Eltern nehmen eine Körperverletzung ihres Kindes fahrlässig in Kauf. Beide Extreme vernachlässigen die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Kindes. Die schwierige Aufgabe für Eltern ist es, einen Mittelweg zu finden – und der lässt sich nur finden, wenn man über die Entwicklung des Gefahrenbewusstseins von Kindern Bescheid weiß. Ab einem Alter von 5 bis 6 Jahren entwickelt sich das Gefahrenbewusstsein Babys und Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren verfügen in der Regel noch nicht über ein Gefahrenbewusstsein. Hier gilt es für die Eltern also, Vorsicht walten zu lassen und das Kind vor Gefahrenherden zu schützen. Die kindliche Entwicklung des Aus Blessuren lernen Schmerzhafte Erfahrungen fördern das Gefahrenbewusstsein


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