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LAUFPASS 03/2017

Sport für alle In Bremen und umzu wird inklusiver Sport gefördert – mit Erfolg Alle schwatzen wild durcheinander. Isar mit seinem linken Nachbarn, Luca mit seinem Gegenüber und alle zur gleichen Zeit mit dem Trainer. Michi Arends sitzt in der Mitte und ist die Ruhe selbst. Gleich wird er das Training der Werder- Youngsters starten, einer inklusiven Fußballgruppe von Werder Bremen – wenn denn irgendwann alles erzählt ist. Mit Behinderung und voll dabei Arends ist bei Werder Bremen der Mann für die Inklusion. Etliche Projekte hat der Verein ins Leben gerufen, damit Menschen mit Behinderung bei Werder nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen können. Es gibt Gruppen, in denen sie unter sich sind, Gruppen, in denen sie in der Minderheit sind, und es gibt die Gruppe in Blumenthal. 2013 hat Werder dort einen Sportplatz gebaut und zunächst mit behinderten Kindern trainiert. Weil der Platz aber frei zugänglich war, kamen andere hinzu, die dort ihre Freizeit verbrachten. So wuchs die Mannschaft zusammen. Jungen und Mädchen gemeinsam, Könner und Anfänger, mit und ohne Behinderung. Arends ist überzeugt, dass viele seiner Kinder gar nicht wissen, was behindert ist, geschweige denn wer. „Der eine oder andere ist vielleicht ein schlechterer Fußballer, aber behindert…? Nein!“ Beim Laufen durch die Trainingsleiter tut sich Isar heute schwer. Gehandicapt ist der Junge im Werder-Dress nicht, er steht gerade schlicht auf der Leitung. „Die Beine vorne hochziehen“, mahnt Co-Trainer Kassem Celik und lässt den Jungen doch gewähren. Janine indes braucht Hilfe. Die Jugendliche ist samt Betreuer und weiteren Kindern aus der Stiftung Friedehorst zum Training gekommen. Die Koordination ihrer Füße fällt ihr sichtlich schwer. Arends nimmt Janines Hände und leitet sie an. „Warum sollte gemeinsames Training nicht funktionieren“, fragt Arends. „Ich muss nur wissen, dass ich die Einheit flexibel gestalten muss.“ Spätestens, wenn der Ball übers Feld rollt, ist Arends nur noch Beobachter am Rande. Isar ist ein Wirbelwind, aber auch wenn Janine und Luca den Ball bekommen, dreschen sie drauf. Es läuft bei den Werder-Youngsters – so gut, dass Arends mit seiner Truppe in diesem Jahr erstmals bei Turnieren starten will. Der Bremer Jugendring bietet dafür den Rahmen: Einmal im Jahr lädt er Sportler aller Länder, mit oder ohne Handicap, zum sportlichen Wettstreit ein, bei dem Fairness mindestens ebenso viel zählt wie Torinstinkt. Tempo und Intensität sind abgestimmt Auch beim Martinsclub Bremen gibt es mit der Betriebssportgemeinschaft eine Mannschaft, in der Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam an der Platte stehen. Jeden Freitag trainieren die Tischtennisspieler beim SV Hemelingen. Und immer, wenn die Belegschaft des Martinsclubs dort die Bälle hin und her schlägt, gesellen sich Vereinssportler hinzu. „Seitdem hat sich bei unseren Leuten viel getan: Zu null verlieren wir nicht mehr!“, sagt Petra Schürer, die beim Martinsclub die Sportangebote koordiniert. Auch gibt es eine inklusive Fußballmannschaft und eine Schwimmgruppe, bei dem Kinder mit und ohne Handicap zwar gemeinsam, jedoch auf unterschiedlichen Niveaus trainieren. Beim Training des Martinsclubs seien Tempo und Intensität auf die Menschen mit Behinderung abgestimmt. Und die nähmen das Angebot gerne an, so Schürer. Menschen ohne Handicap sind jedoch selten dabei, gleichwohl das Angebot offen sei. „Man sucht sich halt den Verein, der seinem Niveau und seinem Anspruch entspricht“, sagt Schürer. Nach einer bundesweiten Umfrage treiben 49 von 100 Menschen mit Behinderung Sport. 40 service gesundheit Sport mit viel Spiel und Spaß – der Martinsclub Bremen macht mobil Bilder: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven, aok-martinshof-inklusion-sport-studie-foto-lehmkuehler (linke Seite oben, rechte Seite oben), www.basta-magazin.de


LAUFPASS 03/2017
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