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LAUFPASS 03/2017

46 service gesundheit Biss lohnt sich Zahnspangen für Kinder und Jugendliche Transparent oder bunt, mit oder ohne Glitzer – Zahnspangen können richtig stylisch sein Die 16-jährige Marlene blickt zufrieden in den Spiegel, den ihr der Bremer Kieferorthopäde gereicht hat: Von allen Fesseln aus Draht und Metall befreit, stehen die Zähne brav nebeneinander. Keiner tanzt mehr aus der Reihe oder stellt sich quer. Die Mühe hat sich gelohnt. Marlene ist eine von vielen: Etwa die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen wird wegen einer Fehlstellung der Zähne behandelt. Zahnfehlstellungen können nicht nur das Beißen und Kauen einschränken, sondern eventuell sogar das Sprechen und Atmen. Eine kieferorthopädische Behandlung mithilfe von Zahnspangen oder Brackets soll die Zähne langfristig gerade stellen. Die Korrektur sollte während der Wachstumsphase erfolgen, weil der Kiefer in jungen Jahren formbarer ist. Behandlung in zwei Phasen Eine Behandlung beim Kieferorthopäden zieht sich gewöhnlich über einen längeren Zeitraum hin – meist sind es einige Jahre. Die Behandlung erfolgt in zwei Schritten: In der aktiven Phase geht es zunächst darum, die Zahnstellung im Kiefer zu korrigieren. Daran schließt sich die "Retentionsphase" an, in der die neu erreichte Zahn- und Kieferstellung stabilisiert wird. Zunächst stellt der Zahnarzt im Rahmen der regulären Vorsorgeuntersuchungen der Zähne einen kieferorthopädischen Behandlungsbedarf fest und überweist, wenn dies notwendig ist, zu einem Kieferorthopäden. Dieser erstellt einen Behandlungsplan und reicht diesen bei der Krankenkasse zur Genehmigung ein. Wichtig: Durchhaltevermögen Die AOK Bremen/Bremerhaven übernimmt beispielsweise die Kosten für Kinder und Jugendliche, bei denen mit der Behandlung bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres begonnen wird. Das gilt allerdings nur, wenn sie medizinisch notwendig ist. Zahnärzte haben fünf sogenannte kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG) zur Auswahl, um den Schweregrad dieser Fehlstellung festzulegen: Grad eins ist eine leichte, Grad fünf eine sehr schwere Fehlstellung. Ab Schweregrad drei trägt die Kasse die Kosten. Privat zu tragen sind über die Regelversorgung hinausgehende Kosten für Wunschleistungen, die meist dem Komfort oder der Ästhetik dienen. Das können zum Beispiel Keramikbrackets sein. Im Unterschied zu Metallbrackets sind sie an die Zahnfarbe angepasst und fallen dadurch weniger auf. Der Kieferorthopäde muss eine Behandlung aber grundsätzlich auch ohne diese Zusatzleistungen anbieten. Der erfolgreiche Abschluss der Behandlung ist nur möglich, wenn die Kinder die Zahnspange wie empfohlen tragen und die Kontrolltermine sorgfältig einhalten. Das erfordert bei Kindern wie Eltern viel Durchhaltevermögen. Um die Motivation dafür zu erhöhen, leisten die Eltern zunächst einen Eigenanteil – beim ersten Kind in Höhe von 20 Prozent der Kosten, bei jedem weiteren im gemeinsamen Haushalt lebenden Kind in Höhe von zehn Prozent. Diese Summe wird nicht auf einmal fällig, sondern nach und nach. Zu zahlen ist sie direkt an den Kieferorthopäden. Beste Erfolge im Kindesalter Ist die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, händigt der Kieferorthopäde den Eltern in einem persönlichen Gespräch eine Abschlussbescheinigung aus. Zusammen mit den Original-Rechnungen und der Bankverbindung ist diese Bescheinigung an die Krankenkasse zu schicken. Diese überweist dann den gesamten Eigenanteil zurück. Der beste Erfolg lässt sich mit kieferorthopädischen Maßnahmen im Kindesalter erzielen. Deshalb gelten diese Regeln für die Kostenübernahme nur, wenn die Behandlung vor dem 18. Geburtstag beginnt. Erwachsene haben nur in besonders schweren Fällen einen Anspruch auf Übernahme der Kosten. Ob dies zutrifft, sollten Versicherte mit Zahnarzt und Krankenkasse besprechen. www.basta-magazin.de Bilder: MeePoohyaPhoto shutterstock.com (lose Zahnspange), Puttinan Inchan shutterstock.com (Zanhspangen-Lächeln), tab62 shutterstock.com (Freundinnen)


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