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LAUFPASS 03/2017

50 gesundheit Bei Seh- und Hörstörungen sofort reagieren Verspätetes Eingreifen beeinträchtigt die kindliche Entwicklung www.basta-magazin.de Bilder: Photographee.eu shutterstock.com (Untersuchung), janinajaak shutterstock.com (Closeup Auge) Die Früherkennung von Seh- und Hörschwächen ist in der Medizin gegenwärtig ein großes Problem. Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) werden 60 Prozent der Sehstörungen bei Kindern zu spät erkannt. Für die Kinder zieht das zahlreiche Einschränkungen im Alltag nach sich: beim Lesen und Schreiben, beim Fahrradfahren oder beim Sport. Noch schlimmer: Wenn die Schwächen nicht rechtzeitig erkannt werden, können irreparable Sehschäden resultieren. Die Entwicklung des Sehvermögens vollzieht sich beim Menschen zum Großteil in den ersten Lebensmonaten. Bereits bei der Geburt sind die Augen und der Sehnerv vollständig angelegt, die Reifung erstreckt sich insgesamt über die ersten sieben Lebensjahre. Kurz nach der Geburt reicht der Sehhorizont circa 20 Zentimeter weit. Die Augen können horizontal bewegt werden und die Pupillen sind bereits lichtempfindlich. Mit drei Monaten hat sich das Sehvermögen bereits so weiterentwickelt, dass die Babys Personen und Gegenstände direkt anschauen und fixieren können. Außerdem beginnt sich das Kontrastsehen zu entwickeln. Bereits ab dem vierten Monat ist das Auge in der Lage, die Brechkraft dynamisch anzupassen, das bedeutet, dass Gegenstände in unterschiedlichen Entfernungen scharf erkannt und die Entfernung eingeordnet werden kann. Im Alter von einem halben Jahr beginnen die Babys, dreidimensional zu sehen. Damit sind die wesentlichen Reifungsprozesse in der rasanten Entwicklung bereits nach wenigen Monaten abgeschlossen. Diese Phase wird daher als »sensible Phase« bezeichnet. Danach entwickelt sich in den ersten Lebensjahren das Farbsehen nach und nach. Mit etwa sieben Jahren ist das Sehvermögen in der Regel komplett vorhanden – zu diesem Zeitpunkt haben sich in vielen Fällen bereits Sehschwächen herausgebildet. Etwa jedes fünfte Kind leidet nach BVA-Schätzungen unter einer Sehstörung. Um diese zu bemerken und schnell darauf reagieren zu können, müssen Eltern auf einige Verhaltensauffälligkeiten achten. Genau wie die Erkennung von Sehschwächen ist auch die rechtzeitige Feststellung von Hörstörungen enorm wichtig. Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 7,5 Millionen Kinder im Alter von unter fünf Jahren unter gravierenden Hörproblemen. In Deutschland kommen jährlich zwei von 1000 Neugeborenen bereits mit diesen Beeinträchtigungen zur Welt. Rechnet man die Zahl auf die 738.000 Geburten im Jahr 2015 hoch, sind rund 1.500 Babys betroffen. Hinzu kommen diejenigen, bei denen sich die Hörstörungen nach der Geburt entwickeln – das kann zum Beispiel durch Mumps- und Masernerkrankungen oder eine Mittelohrentzündung geschehen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der stark und leicht schwerhörigen Kinder auf etwa eine halbe Million. Ähnlich wie das Sehvermögen entwickelt sich auch das Hörvermögen vor allem in den ersten Lebensmonaten und -Jahren extrem schnell. Bereits während der Schwangerschaft reift das Gehör des Embryos, so dass das Baby schon unmittelbar nach der Geburt gut hören kann. Allerdings muss es noch das Verständnis für Geräusche entwickeln. Im Alter von drei Monaten wird der Teil des Gehirns, der für den Hörsinn, die Sprache und den Geruchssinn zuständig ist, wesentlich aktiver. Deshalb werden gewohnte Geräusche, wie die Stimmen der Eltern, für das Baby vertraut, es wendet sich beim Hören zunehmend den vertrauten Personen zu. Bei plötzlichen, unbekannten Geräuschen schreckt das Kind aber immer noch zusammen. Die sprachliche Entwicklung hängt unmittelbar mit der des Hörvermögens zusammen. Nach ungefähr einem halben Jahr kann das Baby bewusst mit der eigenen Stimme und zweisilbigen Wörtern auf sich aufmerksam machen. Zudem nimmt es auch entferntere Geräusche wahr und weiß, aus welcher Richtung sie kommen. In den folgenden Monaten und Jahren lernt das Kind immer mehr, auf Geräusche zu reagieren und einzuordnen, was sie bedeuten und von wem sie verursacht wurden. Nach zwei Wie erkenne ich, ob mein Kind unter einer Hörschwäche leidet? - keine Reaktion auf Geräusche - es fasst sich wiederholt ans Ohr - schlechte Aussprache von Wörtern im Alter von 4 bis 5 Jahren - es gibt keine Laute von sich oder ist im Alter von einem Jahr verstummt - schleppende/schlechte Sprachent- wicklung - häufiges Nachfragen („Was?“, „Wie bitte?“, „Hä?“, …) - es dreht sich zur Seite, um besser hören zu können


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