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LAUFPASS 04/2016

Lebensmittelunverträglichkeiten Eine Modeerscheinung oder ein wachsendes Problem? von Anna-Lena Buchheim Fakt ist, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten existieren und Betroffene unter großen gesundheitlichen Belastungen leiden. 20% der deutschen Bevölkerung ist laktoseintolerant, jeder 10. reagiert empfindlich auf Fruktose und 1% leidet unter einer Glutenunverträglichkeit. Betroffene haben oftmals wenig Alternativen zur simplen Vermeidung des Auslösers. Eine Fruktoseintoleranz ist unter den drei Spitzenreitern sicherlich der unangenehmste Quälgeist. Unterscheiden wir hier doch die äußerst seltene, erbliche Störung des Fruktosestoffwechsels, von der in Deutschland nur etwa 4.000 Menschen betroffen sind und die viel häufiger vorkommende Fruktosemalabsorbation, unter der immerhin jeder 10. Deutsche leidet. Ist bei der ersteren keine Behandlung möglich, und diese nur durch den kompletten Verzicht auf Fruktose beherrschbar, lässt sich bei der erworbenen Fruktosemalabsorbation der Körper doch wieder an viele fruktosehaltige Lebensmittel gewöhnen. Laktose- und glutenfreie Produkte findet man inzwischen glücklicherweise in vielen Supermarktregalen. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind, sofern wirklich vorhanden, keine Modekrankheiten. Die Betroffenen suchen oft lange, bis die Ursache ihrer Beschwerden ermittelt ist. Doch gibt es wirklich immer mehr Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Die Zahl von Menschen, die auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten, nimmt zu. Der Grund hierfür ist nicht immer die Diagnose vom Arzt. Gegenwärtig werden wir von einer Flut der Problematisierung von Nahrungsmitteln überrollt. Lebensmittel werden immer genauer analysiert und somit als potenzielle oder vermeintliche Gefahrenquellen identifiziert. Jede Woche wird ein anderer schädlicher Inhaltsstoff gefunden und oft genauso schnell wieder freigesprochen. Die Verbraucher sind ver- Fruktose? Laktose? Gluten? „Ich esse keinen Weizen!“, „Bitte ohne Nüsse!“, „Ich vertrage keine Fruktose!“, „Ist da Milch oder Sahne drin?“ Jeder vierte in Deutschland verzichtet auf Nahrungsmittel wie Milch, Weizen oder Zucker. In den Supermärkten sprießen laktose- oder glutenfreie Produkte wie Pilze aus dem Boden, Restaurantbesitzer reagieren mit speziellen Gerichten auf der Karte und wer zu Hause für Freunde kocht, muss als guter Gastgeber inzwischen Unverträglichkeiten abfragen. Noch vor zehn Jahren waren Verdauungsvorgänge ein Tabuthema. Heute breitet sich beim gemeinsamen Essen die neue Innerlichkeit aus. Jedes Grummeln im Magen, jedes Ziehen im Bauch wird diskutiert und kategorisiert. Werden wir immer sensibler oder verfallen wir in eine Ernährungshysterie? Foto: FabrikaSimf/shutterstock.com 18 www.laufpass.com


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