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LAUFPASS 04/2016

Ängste und Sorgen sind ein ständiger Begleiter im Leben vieler Eltern. Einerseits sind es die Sorgen um das Wohl, die Gesundheit und die Entwicklung des Kindes, die meist schon mit der Nachricht der Schwangerschaft einsetzen. Andererseits haben Eltern in ihrem eigenen Leben bereits Ängste entwickelt, die sie – in der Regel unbewusst – auf ihre Kinder übertragen. Sie wissen um alle Gefahren und Risiken, kennen jede Kinderkrankheit und empfinden jede Schreckensmeldung in den Nachrichten als Aufforderung, sich noch mehr Sorgen machen zu müssen. Das Resultat sind überfürsorgliche Eltern, die aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod nicht schlafen können, die panisch werden, wenn das Kind allein die Leiter des Klettergerüstes emporsteigt – geschweige denn einen Baum zu erklimmen versucht, die mit dem Desinfektionstuch im Anschlag lauthals „Das ist Bä!“ brüllen, sollte das Kind einmal Erde oder Sand ins Gesicht bekommen haben oder die ihr Kind auf dem Gehweg mit schreckverzerrtem Gesicht hochreißen und die Straßenseite wechseln, weil sich in der Ferne ein großer Hund nähert. Angst überträgt sich Kinder dieser Eltern lernen, ganz nach dem Vorbild ihrer Eltern, dass Hunde grundsätzlich gefährlich sind, dass Dreck – also auch Erde – krank macht und dass überall Gefahren lauern. Sie haben kaum die Chance, eigene Erfahrungen zu machen, entwickeln oft kein natürliches Körpergefühl und trauen sich auch in Folge dessen immer weniger zu. Sie werden in ihrer gesunden Entwicklung behindert und laufen auf Dauer Gefahr, ernste Angststörungen zu entwickeln. Selbstverständlich ist der Beschützerinstinkt bei Eltern sehr stark ausgeprägt – und das soll auch so sein. Allerdings ist es wichtig, das eigene Verhalten immer wieder kritisch zu hinterfragen, damit die Fürsorge nicht in Überfürsorge mündet und damit alles in einem natürlichen, normalen Rahmen bleibt. Sonst kann sogar ein regelrechter Teufelskreis aus übersteigerter Fürsorge der Eltern und der Überängstlichkeit des Kindes entstehen. Das Angst-Problem wird allerdings verschärft, wenn Eltern unter echten krankhaften Angstzuständen und Panikattacken leiden. „Eltern, die unter Angststörungen leiden, sollten sich am besten in professionelle therapeutische Behandlung begeben, damit sie ihre Ängste möglichst nicht an die Kinder weitergeben. Im Gegensatz zu den meisten anderen psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter erscheint bei Angststörungen der Anteil des »Gelernten « besonders hoch zu sein. Nicht jedes Kind angstkranker Eltern entwickelt Probleme, aber es ist bekannt, dass Kinder von Eltern mit Angststörungen häufiger seelische Probleme haben als Kinder, deren Eltern nicht unter Angst leiden.“* Kommen Eltern in Situationen, in denen sie selbst große Ängste oder Panikattacken haben, ist es vorteilhaft, wenn sich der andere gesunde Elternteil verstärkt um das Kind kümmert und dabei viel Zuversicht ausstrahlt. Das gibt dem Kind die Möglichkeit, die Bedrohlichkeit der Situation von einer anderen Perspektive aus zu beurteilen, die nicht durch eine krankheitsbedingte übersteigerte Angstreaktion geprägt ist. 34 www.basta-magazin.de Bilder: (Titel) Albert Flint shutterstock.com (Bitte, Danke und auf Wiedersehen), Lightspring shutterstock.com (Käferschatten), Jaromir Chalabala shutterstock.com (Kindlicher Schiefkopf) erziehung Erziehung zur Ängstlichkeit Ängstliche Eltern – ängstliche Kinder?


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