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LAUFPASS 04/2016

www.basta-magazin.de 40 gesundheit Kaum fegen uns die ersten Herbststürme um die Nase, beginnt auch schon wieder die Saison von Husten, Schnupfen und grippalen Infekten. Die Schutzstrategien, mit denen sich die Menschen gegen den Angriff der Viren und Bakterien wehren, sind sehr unterschiedlich. Dabei haben wir eigentlich alles, was brauchen, um Krankheit zu vermeiden oder – wenn es uns dann doch einmal erwischt hat – sie gut zu überstehen. Das Heer von Eltern wappnet sich vorsorglich für den winterlichen Kampf und stockt schon mal gehörig die Hausapotheke auf – mit Vitaminpräparaten, Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Helferlein, die uns glauben machen sollen, dass die das Immunsystem der ganzen Familie stärken – auch das unserer Kinder. Doch aufgepasst: Nicht nur, dass viele dieser Mittel gar nicht für kleine Kinder zugelassen sind – auch ihre Wirksamkeit ist nicht zweifelsfrei belegt. Im Gegenteil: einige Vitaminpräparate stehen im Verdacht, besonders bei einer hohen Dosierung, negativ zu wirken. Zu empfehlen sind diese also nicht unbedingt. Doch wie schützen wir uns am besten vor den Viren und Bakterien? Und wieso wird der eine krank, der andere nicht? Die Erreger allein machen uns gar nicht krank. Und auch sind wir ihnen keinesfalls schutzlos ausgeliefert. Die körpereigenen Abwehrkräfte stellen vielmehr ein effektives Verteidigungssystem dar, das es jeglichen Angreifern sehr schwer macht, Schaden anzurichten. Erst ein schwaches Immunsystem, das nicht richtig funktioniert und Angreifern keinen Einhalt gebietet, kann von den Krankheitserregern überwunden werden. Immunsystem bei Kindern Grundsätzlich ist das Immunsystem bei kleinen Kindern noch nicht vollständig entwickelt. Säuglinge sind aber – sofern sie auch wirklich mit Muttermilch gesäugt werden – über die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper hervorragend geschützt. In der Zeit danach ist es wichtig, dass die Kinder nicht in Watte gepackt und von jeder möglichen Krankheitsquelle abgeschirmt werden. Denn für die gesunde Entwicklung des Immunsystems ist es tatsächlich notwendig, dass der Körper hin und wieder einem kleinen Infekt ausgesetzt ist, da sonst auch keine Antikörper auf natürliche Weise gebildet werden können und das kindliche Immunsystem nicht stärker werden kann. Das bedeutet aber natürlich auch nicht, dass Kinder bewusst mit anderen ansteckenden Kindern zusammengepfercht werden sollten, um möglichst schnell alle Kinderkrankheiten hinter sich zu bringen. Solche »Windpocken-Partys« bergen nicht nur große Gefahren für die Gesundheit der Kinder, sondern sind sogar gesetzeswidrig. Was früher gängige Immuntrainingsstrategie der Eltern war, gilt heute als echte Körperverletzung. Unser Körper ist eine Festung! Unser Körper ist mit einer ganzen Reihe von Schutzwällen ausgestattet, die dafür sorgen, dass die meisten Angriffe von Bakterien und Viren erfolgreich abgewehrt werden. Die meisten Infekte bemerken wir gar nicht – sie verlaufen inapparent, wie die Ärzte sagen: es gibt nicht einmal Symptome. Andere Infekte verlaufen sehr mild und verschwinden nach wenigen Stunden wieder, ohne dass wir richtig erkranken. Der äußerste Schutzwall ist unsere Haut. Vorausgesetzt, dass die Haut unverletzt ist und über einen intakten Säureschutzmantel verfügt, stellt sie eine schwer zu überwindende Barriere dar. Krankheitserreger haben es nicht einfach, überhaupt in den Körper einzudringen. Mund, Nase, Augen und andere Körperöffnungen verfügen dazu noch über eigene anatomische Barrieren, wie beispielsweise Nasenhärchen und Schleimhäute, in denen sich Bakterien und Viren verfangen, um dann zum Beispiel mit einem Nießen abtransportiert zu werden. Oder aber sie werden gleich mit dem Speichel und anderen Sekreten verschluckt, um dann in der Magensäure unschädlich gemacht zu werden. Die nächste Verteidigungs-Einheit, mit denen wir uns effektiv gegen Krankheitserreger wehren können, sind die sogenannten »Fresszellen«. Sie richten sich ausnahmslos gegen alle Fremdstoffe, die trotz aller Schutzmaßnahmen in unseren Körper eindringen konnten. Diese Zellen – sogenannte Makrophagen – sind ein sehr effektiver Bestandteil unseres Abwehrsystems, da sie alles, was nicht körpereigen ist, einfach auffressen. Wenn Schutzwälle und Fresszellen die Eindringlinge noch immer nicht niederringen konnten, schaltet das Immunsystem eine Stufe hoch: die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) bilden gezielt passende Antikörper gegen alle Erreger, die das Immunsystem schon kennt. Und sollte ein neuer Erreger angreifen, dauert die Verteidigung zwar etwas länger, bis die passenden Antikörper gebildet werden, doch das Immunsystem merkt sich diese dann für viele Jahre und kann bei einem wiederholten Kontakt mit dem gleichen Erreger direkt die passenden Antikörper freisetzen, die diese Erreger dann auch wieder eliminieren und aus dem Körper transportieren. Fieber – unser Hitzeschild: Mit dem Ansteigen der Körpertemperatur macht der Körper Viren und Bakterien im wahrsten Sinne des Wortes Feuer unterm Hintern, wenn er merkt, dass die Angreifer so stark in der Überzahl sind, dass ein Erfolg der Antikörper schwierig wird. Menschliches Fieber erreicht eine Temperatur von bis zu 42 Grad Celsius – was Kinder in der Regel besser vertragen als Erwachsene. Erst wenn – in seltenen Fällen – auch die Fieberschübe den Angriff nicht abwehren können, wird der Arzt Medikamente verschreiben. Antibiotika Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Einen Virus Infekt kann damit aber nicht behandeln. Nicht selten treten bakterielle Infekte aber in der Folge von oder gleichzeitig mit viralen Infekten auf. Dann kann die Gabe von Antibiotika angezeigt sein. Da im menschlichen Körper aber auch gesunde Bak- Immungeschützt durch den Winter! Unsere Abwehrkräfte – ein effektives Verteidigungssystem Bilder: BlueRingMedia shutterstock.com (Grafiken Immunabwehr)


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