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LAUFPASS 04/2016

Sexy ist das Thema Prostata-Krebs nicht. Solange es keine Symptome gibt, beschäftigen sich viele Männer damit lieber nicht. Fußball ist da deutlich beliebter – ein Grund, warum die Präventionskampagne »Deine Manndeckung« mit Hilfe des Fußballs Aufmerksamkeit dafür schaffen will. Die AOK Bremen/Bremerhaven unterstützt diese Aufklärung, gemeinsam mit Partnern wie Werder Bremen, dem Klinikum Bremen-Mitte, dem Evangelischen Diakonie Krankenhaus und dem Berufsverband der Deutschen Urologen sowie dem Pharmaunternehmen Janssen Deutschland. HEILUNGSCHANCEN BEI FRÜHERKENNUNG Prostatakrebs zählt mit 67.000 Neuerkrankungen pro Jahr zwar zu den häufigsten Krebserkrankungen beim Mann, verursacht aber am Anfang in der Regel keine Symptome. Für Prof. Dr. Sebastian Melchior, Direktor der Urologischen Klinik am Klinikum Bremen-Mitte, einer der Gründe für die Zurückhaltung der Männer in Sachen Früherkennung. Dabei sei die rechtzeitige Diagnose sehr wichtig: „Wenn Prostatakrebs früh genug erkannt wird, sind die Heilungschancen sehr gut. Umso wichtiger ist es, regelmäßig zur Untersuchung zu gehen – denn wird Prostatakrebs erst spät festgestellt, sind die Heilungschancen deutlich geringer.“ Unter älteren Männern ist Prostata-Krebs weit verbreitet. Weil die Krankheit so langsam voranschreitet, ist im hohen Alter nicht selten gar keine Behandlung nötig – eine regelmäßige Beobachtung reicht dann aus. Besonders gefährlich ist die Krebsart aber für diejenigen, die etwas früher daran erkranken – gerade sie sollten daher zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Die Untersuchung, so Dr. Sebastian Melchior, sei kurz und schmerzlos, für manche Männer allerdings etwas schambehaftet. Zunächst werden Hoden und Penis sowie Lymphknoten und Haut in der Leiste abgetastet. Im Anschluss wird die Prostata durch den Darm mit dem Finger abgetastet. Dafür zieht sich der Arzt einen Handschuh über. Eine vorherige Darmspülung ist nicht nötig. Die Tastuntersuchung dauert in der Regel nur etwa 10 bis 20 Sekunden. CHECK AB 45 JAHREN SINNVOLL „Wir empfehlen Männern ab etwa 45 Jahren, sich regelmäßig checken zu lassen“, sagt Dr. Markus Köhl, Gesundheitswissenschaftler der AOK Bremen/Bremerhaven. Tatsächlich aber sei diese Altersklasse leider „fast ein Totalausfall, was die Vorsorge angeht“, so Köhl weiter. „Unsere Präventionsangebote werden vor allem von Frauen, weniger von Männern genutzt. Das wollen wir mit unserer Aktion ändern“, so Köhl weiter. Insgesamt lasse nur etwa jeder sechste Mann seine Prostata regelmäßig untersuchen. Zum Vergleich: Von jungen Frauen gehen etwa 80 Prozent alle drei Jahre zum Gebärmutterhals-Screening. Nur: Warum ist das so? Bei einer Umfrage in Nordrhein-Westfalen gaben 70 Prozent der Männer an, dass ihnen Wissen in Bezug auf Notwendigkeit und Möglichkeit der Untersuchung fehlt. 58 Prozent würden sich durch die Aufklärung, wie eine Untersuchung abläuft, am ehesten dazu bewegen lassen, zur Früherkennung zu gehen. Vergleichbare Studien zeigen zudem, dass die zu Beginn fehlenden Symptome der Krankheit und Angst vor einer unangenehmen Untersuchung wichtige Motive sind, nicht zum Arzt zu gehen. »MÄNNERABENDE« GEPLANT Die Aufklärungskampagne »Deine Manndeckung«, in der sich Vertreter aus den Bereichen Gesundheit und Sport zusammengeschlossen haben, läuft bereits mit Hannover 96, dem 1. FC Kaiserslautern, Mainz 05, Erzgebirge Aue und Rot-Weiß Erfurt. Für den SV Werder Bremen ist dieses Engagement ebenfalls selbstverständlich: „Über den Fußball können wir sehr viele Männer erreichen – deshalb wollen wir auch in Sachen Prostatakrebs- Vorsorge ein Zeichen setzen“, so Werder-Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald. Der Auftakt, ein Infostand beim Tag der Fans im Sommer, sei bereits sehr vielversprechend verlaufen. Im Januar ist zudem ein »Männerabend« im Weserstadion geplant – zu dem übrigens auch Frauen ausdrücklich eingeladen sind. Weitere Abende sollen bei der AOK Bremen/Bremerhaven 46 service gesundheit Bilder: PR Archiv AOK Bremen/Bremerhaven (Tittelbild Mnndeckung) www.basta-magazin.de »Deine Manndeckung« Männer für Krebsvorsorge gewinnen


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