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LAUFPASS 04/2016

ternoster-Aufzüge in Deutschland erst größtenteils stillgelegt wurden und später sogar ganz abgeschafft werden sollten: Bei Bränden konnte sich das Feuer viel schneller über den Aufzugschacht und die offenen Ein- und Ausstiege im Haus verteilen und aufgrund der sehr langsamen Transport-Geschwindigkeit sind die Aufzüge auch nicht für Hochhäuser geeignet. Außerdem dürfen keine schweren Lasten mit diesem System transportiert werden und für Rollstuhlfahrer ist die Nutzung kaum möglich. Dass es heute überhaupt noch ein paar hundert Paternoster Aufzüge in Deutschland gibt, ist dem Widerstand eines Vereins zu verdanken, dem »Verein zur Rettung der letzten Personenumlaufaufzüge«. Nur wenige der erhaltenen Aufzüge, die noch in Betrieb sind, sind auch der Öffentlichkeit zugänglich. Wer demnächst einmal wieder in Bremen unterwegs ist, kann die Gunst der Stunde nutzen und auch selber einmal mit der ganzen Familie Paternoster fahren. Denn in Bremen gibt es dafür mehrere Gelegenheiten (siehe Infokasten). Man muss auch keine Angst haben, dass sich die Kabine oben oder unten auf den Kopf dreht, sondern kann ruhig ein paar Runden mit dem historischen Beförderungsmittel drehen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Denn die umlaufende Kabine steht immer aufrecht! Paternosterfahren ist ein Vergnügen und zugleich eine kleine Lehrstunde in Technikgeschichte. 54 freizeit Aufzug fahren, das ist wie Rolltreppe fahren – und entweder man liebt es oder man hasst es. . Kleine Kinder sind meistens richtig wild darauf und Eltern wissen, dass es besser ist, ein paar Minuten mehr für den Einkaufsbummel einzuplanen, wenn die Kleinen dabei sind und „Noch eine Runde“ mit der Rolltreppe oder dem Aufzug fahren wollen und selbstverständlich auch die Tasten selber drücken möchten. Kein Zwischenstopp, keine Türen Tasten drücken? Das ist bei dem Aufzug, um den es hier geht, jedoch nicht nötig – und Türen hat er erst gar keine! Trotzdem oder gerade darum ist ein Paternoster-Aufzug eine wirklich aufregende Sache – und das nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche und Erwachsene. Denn dieser Aufzug ist ein Relikt aus alten Zeiten – genauer gesagt von vor 140 Jahren – und ganz anders, als die Aufzüge, die man heutzutage kennt. Das Besondere an dem Paternoster-System ist, dass die Aufzugkabinen keine Türen haben, also offen sind und auch nicht bei jeder Etage einen kurzen »Stop« einlegen, damit Personen in Ruhe ein- und aussteigen können. Die Kabinen des Paternoster-Aufzuges sind alle, wie an einer Perlenkette, miteinander verbunden und fahren, ohne anzuhalten, von Etage zu Etage an den offenen Einstiegen vorbei, sodass man im richtigen Moment ein- und aussteigen muss. Die Nachteile Marianne Büsing Dass diese sogenannten »Personen-Umlaufaufzüge« nicht ganz ungefährlich sind, kann sich jeder denken und es gab auch andere Probleme, aufgrund derer die Pa- Warum heißt dieses Aufzugsystem eigentlich »Paternoster«? „Das Wort »Paternoster« ist lateinisch und bedeutet »Vater unser«, wie das Gebet der Christen. Tatsächlich kommt die Bezeichnung auch aus dem Religiösen und von dem Rosenkranz. Der Rosenkranz ist eine religiöse »Perlenkette«, die allerdings nicht um den Hals getragen wird, sondern bei der die verschiedenen Perlen immer für ein bestimmtes Gebet stehen. Dazu zählt auch das »Vaterunser«. So wie die Perlen des Rosenkranzes sind auch die Kabinen des Paternosters an einer Kette, wie Perlen, aufgereiht. Unter dem Link »wikipedia. org/wiki/Paternosteraufzug« gibt es eine anschauliche Animation eines Personen-Umlaufaufzuges in schematischer Darstellung.2 2 www.wikipedia.org/wiki/Paternosteraufzug 20.10.2016 Paternoster Antiker Aufzug mit Nervenkitzel www.basta-magazin.de Bilder: SPboy13 shutterstock.com (Rosenkranz), Olga1818 shutterstock.com (Personen im Aufzug), Agneut jeschke (Aufzug-Grafik), ibrandify gallery shutterstock.com (Pfeil-Grafik), Harald Lueder shutterstock.com (Foto) Paternoster in Bremen „Haus des Reiches am Rudolf-Hilferding-Platz 1 Denkmalgeschütztes Haus mit drei Paternoster- Aufzügen, die jeder Besucher benutzen darf. Baumwollbörse zwischen Schnoor und dem Marktplatz Ein Paternoster, der zu den schnellsten in Bremen gehört. Hier bewacht allerdings ein Portier den Eingang, aber wenn man freundlich nach dem Paternoster fragt, darf man ihn nach ein paar Sicherheitshinweisen befahren.“1 1 www.kindererlebnis.de/paternoster_ bremen.htm (20.10.2016)


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