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LAUFPASS 04/2016

81 Weg 69 Gartenrock aus starkem Kraut Frisches Gemüse, würzige Kräuter, eigene Lieder, alles muss wachsen. Im Weg 69 soll es sich 2012 jedenfalls so abgespielt haben. Sechs ambitionierte Musiker hocken in einer Bretterbude im Schrebergarten ihres Background Sängers Torsten Bedecken, jammen bis der Schweiß perlt, erproben sich in saftigem Rock und selektiertem Cover Material. Wenn dann das Bier seine Schuldigkeit getan hat, wird auch hemmungslos an eigenen Songs getüftelt. Jeder besitzt schon ein Instrument mit dazugehöriger Backline, und alle zusammen haben sie eine Bandkasse. Die ist allerdings noch leer. Die Ernte aus dem Garten verkaufen oder erst einmal mit minimalem Aufwand irgendwo auftreten? Weg 69 entscheidet sich für Letzteres, und das ist auch gut so. Im Grunde sind die Startlöcher bei diesen sechs Recken nicht anders als bei anderen Bands. Hoffnungslos ins Musizieren verknallt, kreativ undiszipliniert im Beschreiten von Neuland, grenzenlos engagiert in Diskussionen zu Arrangements und wechselhaft in der Besetzung. Jedoch genau das ist das Rezept für ihren Erfolg. Jeder soll seine Erfahrungen und Einflüsse gern mit einbringen. Am Ende der Session aber muss das befriedigende Gefühl die Oberhand haben, dass alle in einem Boot sitzen, jeder gerudert, und nicht nur gesteuert hat. Für Sänger Florian Rucki, Janis Savics (Solo Git.), Jens Wefer (Rhythm. Git.), Jörg Schröder (Bass) und Timo von Roden an den Trommeln war es nicht so wichtig zu wissen, wie man solch ein Boot baut. Entscheidend war die gemeinsame Sehnsucht zum kollektiven Rocken. Dafür muss ein Programm her. Da es wesentlich unkomplizierter ist, Titel anderer Helden zu covern, soll es so auch beginnen. Eigene Kompositionen und Texte werden in den heimischen vier Wänden am Instrument getestet oder aufgeschrieben, zusammen wird arrangiert. Der Drang, endlich mit den Freunden auf einer Bühne zu stehen, sich vor einem Publikum zu erproben ist immens. Weg 69 nimmt erst einmal alle Angebote an, die teilweise schon zwischen anderem Papierkram auf Tischen von Veranstaltern verschwunden sind. Wenn der Erfolg da ist, kann man immer noch selektiv werden. Das funktioniert prima. Jeder Auftritt im kleinsten Club, der eine Steckdose hat, als Vorband auf einer Niemandsbühne oder auf der Hochzeit eines befreundeten Kollegen mitten im Abschussgebiet der Schwarzpulverschützen von Düring, jedes Mal werden neue, und meistens unbezahlbare Erfahrungen gesammelt. Die Band kommt gut an, weiß ihr Publikum aufzulockern, um es dann schließlich zu euphorisieren. Späte Begeisterung hängt häufig mit langsam steigendem Alkoholpegel bei den Zuhörern zusammen. Da machen sich die Fünf nichts vor. Es muss jedenfalls nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie eine zusätzliche Probe ansetzen müssen. Sie wollen Spaß, und den nur zu gern unter die Leute bringen. Inzwischen ist die Residenz in der Gartenkolonie zu klein geworden. Ihre Wurzeln haben sie dennoch nicht vergessen, in ihrem Namen verewigt. Böse ist wer Arges denkt. Background Sänger Torsten B. und Ines Holst sind raus. Für eine zweite oder dritte Harmonie-Stimme müssen nun bei Bedarf auch mal die Instrumentalisten den Schritt nach vorn ans Mikrofon wagen. Frontmann Flo Rucki kennt auch bei den eigenen Stücken, die alle in deutscher Sprache gesungen werden, überhaupt keine Hemmungen. Jeder Mitstreiter steht zu dem, was Bassist Jörg oder er selbst einst aufgeschrieben haben. Sie fühlen sich sehr wohl in ihrer Einheit. Das wird Weg 69 demnächst auf ihrem Weg in ein Aufnahmestudio bestimmt von Nutzen sein, wenn sie ihren ersten Silberling erstellen. gbm WWW.FACEBOOK.COM/WEG69 Foto: Presse


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