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Das bereinigte Königreich

Das bereinigte Königreich
In Boris Johnsons Großbritannien werden Maßnahmenverletzer schwerer bestraft als Kindesentführer – Foto: Ilyas Tayfun Salci / Shutterstock.com

Großbritannien erlässt neue drakonische Corona-Regeln, auf deren Bruch eine höhere Strafe steht als auf die meisten Schwerverbrechen.

von Rubikons Weltredaktion

Nichts ist so schlimm, dass man nicht weitere Verschlimmerungen ersinnen könnte. Anfang dieser Woche haben die ehrenwerten Politiker des Vereinigten Königreichs besonders strenge neue Covid-Reiseregeln beschlossen. Dazu muss man wissen, dass Großbritannien schon jetzt über Covid-Regeln verfügt, die weltweit zu den strengsten zählen. Die Menschen müssen zu Hause bleiben und dürfen ihre Wohnung nur verlassen, wenn sie eine „vernünftige Entschuldigung“ dafür haben. Jedem, der an einer Versammlung von mehr als 15 Personen teilnimmt, droht ein empfindliches Bußgeld in Höhe von 800 Pfund (rund 930 Euro). Wer eine solche Versammlung organisiert, muss mit einer Geldstrafe von 10.000 Pfund rechnen. Alle „nicht lebensnotwendigen“ Geschäfte sind geschlossen. Ganz wie inhaftierten Gesetzesbrechern ist es Briten immerhin gestattet, sich einmal am Tag außer Haus sportlich zu betätigen. 

von Simon Black

Am Montag hat nun die Regierung schärfere Regeln für Reisende eingeführt. Mit sofortiger Wirkung muss jeder, der aus Ländern der sogenannten Roten Liste“ — dazu gehören ganz Südafrika, Panama, der größte Teil des südlichen Afrikas, die Vereinigten Arabischen Emirate, Portugal und so weiter — nach Großbritannien einreist, eine Quarantänepaket erwerben, das rund 2.400 US-Dollar pro Person kostet. Die Regeln verlangen, dass von der Roten Liste betroffene Reisende die Quarantäne in einem von der Regierung genehmigten Hotel — und nicht zuhause — verbringen. Das Paket umfasst Unterbringung, Tests und so weiter.

Darüber hinaus drohen nach den neuen Regeln auch Bußgelder und Haftstrafen von bis zu zehn Jahren für jeden, der dabei erwischt wird, dass er über seine Reisedaten gelogen hat, um das Quarantänepaket zu umgehen.

Sie haben richtig gelesen: zehn Jahre Gefängnis!

Die britische Regierung hat natürlich die Verschärfung dieser Strafen verteidigt. Der Gesundheitsminister erklärte: „Ich entschuldige mich nicht für die Härte dieser Strafen (…) Menschen, die gegen diese Regeln verstoßen, bringen uns alle in Gefahr.“

Das ist das typische kleinkarierte Denken der Angstmacher. Sie glauben, Covid sei eine derart gefährliche Geißel, dass keine Maßnahme zu drastisch, kein Grundrecht unantastbar ist. 

Und jeder, der nicht genug Angst hat, ist eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit und die nationale Sicherheit.

Das ist dieselbe fanatische Logik, die den ausverkaufsartigen Abbau unserer Grundrechte nach 9/11 verursachte. Terrorismus war vor 20 Jahren die schreckliche Geißel und ganz ähnlich war keine Maßnahme zu drastisch und kein Grundrecht unantastbar, um uns vor ihm zu schützen.

Die Vernunft wurde völlig aufgegeben. Selbst sehr prominente Stimmen nennen jeden, der damit nicht einverstanden ist, einen „Mörder“.

Ende Dezember äußerte beispielsweise ein namhafter britischer Medizinforscher gegenüber BBC Radio, dass Menschen, die sich nicht sozial distanzieren und keine Masken tragen, „Blut an ihren Händen haben“.

Aber was ist mit all den Menschen, die infolge der Covid-Maßnahmen starben oder ernsthaft geschädigt wurden? Was ist mit der dramatischen Zunahme von Suiziden, Alkoholismus und häuslichem Missbrauch? 

Was ist mit dem alarmierenden Anstieg von Selbstverletzungen bei Kindern? Was ist mit den ungezählten Menschen, die nicht ahnen, dass in ihnen unerkannt Krebs wuchert, weil sie aus Angst den routinemäßigen Mammografien, Pap-Abstrichen, Darmspiegelungen und so weiter fernbleiben, die einen bösartigen Tumor frühzeitig entdeckt hätten? Mir scheint, diese Covid-Reglementierer — und die Stubentiger, die sie dabei anfeuern — haben Blut an ihren Händen.

Ganz zu schweigen davon, scheint es absolut absurd, jemanden mit zehn Jahren Gefängnis zu bestrafen, weil er hinsichtlich seiner Reisedaten gelogen hat, insbesondere im Verhältnis zu anderen Strafmaßrichtlinien.

Beispielsweise stellt sich heraus, dass nach Paragraf 61 (2)(a) Sexual Offences Act 2003 das Verabreichen von Drogen, um ungewollten Geschlechtsverkehr zu vollziehen — wie zum Beispiel Bill Cosby —, mildere Urteile zulässt als die neuen Covid-Regeln.

Ich habe mir erlaubt, im Folgenden eine unvollständige Liste anderer Straftaten im Vereinigten Königreich aufzuführen, die ein gleiches oder geringeres Strafmaß nach sich ziehen als das Lügen über Ihre Reisedaten:

  • Sexuelle Übergriffe: 10 Jahre — Sexual Offences Act (Sexualdeliktgesetz) 2003, Paragraf 3 (4)(b),
  • rassistisch motivierter Angriff: 2 Jahre — Crime and Disorder Act (Gesetz über Straftaten und Unruhen) 1998, Paragraf 29,
  • Kindesentführung: 7 Jahre — Child Abduction Act (Kindesentführungsgesetz) 1984, Paragraf 4,
  • Sexuelle Handlungen an einem Kind: 5 Jahre — Sexual Offences Act 2003, Paragraf 16,
  • Absicht, Ihrer Majestät der Königin zu schaden: 7 Jahre — Treason Act (Verratsgesetz) 1842, Paragraf 3,
  • Besitz von Kinderpornografie: 3 Jahre — Coroners and Justice Act (Gesetz über Untersuchungsrichter und die Justiz) 2009, Paragraf 66,
  • Fahrlässigkeit im Straßenverkehr mit Todesfolge: 5 Jahre — Road Safety Act (Straßenverkehrsgesetz) 2006, Paragraf 20.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Vergewaltiger, Verräter, gewalttätige weiße Rassisten, Mörder und Pädophile geringere Strafen für ihre Verbrechen bekommen als derjenige, der seinen Aufenthalt in Portugal verschweigt.

Das ist es, was im Jahr 2021 eine verantwortungsvolle Staatsführung ausmacht.


Simon Black ist das Pseudonym eines inzwischen vielen Millionen Lesern bekannten Investors und Abenteurers. Auf seinem Blog SovereignMan gibt er Tipps, wie freiheitsliebende Menschen ein möglichst selbstbestimmtes und unabhängiges Leben auf diesem Planeten führen können. In nahezu täglich erscheinenden Newslettern schildert er seine Einsichten zum aktuellen Weltgeschehen.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien am 10. Februar 2021 unter dem Titel Move over Bill Cosby. Here come the Covid Criminals auf SovereignMan. Er wurde von Thorsten Schewe vom ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.

Dieser Text erschien daraufhin bei www.rubikon.news

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