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Buchtipp: Mein Bruder und ich und das ganze Universum

Buchtipp: Mein Bruder und ich und das ganze Universum

Mein Bruder und ich und das ganze Universum (Coverabbildung: PR Archiv, Klett Kinderbuch Verlag)

Die meisten Kinderbücher richten sich, wie sollte es auch anders sein, an die große Masse der Eltern und Kinder. Doch leider sind in den Geschichten jene Kinder oft unterrepräsentiert, die besondere Bedürfnisse und Einschränkungen haben. Mit dem Beginn der Inklusion an allgemeinbildenden Schulen und dem Ende der Ausgrenzung wird nun auch in Kinderbüchern die tatsächliche Lebenswelt dieser Kinder thematisiert – und die ist alles andere als gewöhnlich.

Inklusive Kinderbücher sind nicht nur für Kinder gedacht, die selbst von Einschränkungen betroffen sind, sondern für alle Kinder und ihre Eltern. Die Geschichten schulen die empathischen Fähigkeiten und bauen Berührungsängste ab. Sie fördern Wertschätzung und Respekt und zeigen Kindern, wie sie gewisse Situation im Umgang miteinander meistern können. Die Kinder lesen nicht nur spannende Geschichten, sondern lernen gleichzeitig etwas über sich selbst und den Umgang mit anderen.

Mein Bruder und ich und das ganze Universum
(ab 11 Jahren)

Der Debütroman der englischen Kinderbuchautorin Katya Balen handelt von den Geschwistern Frank und Max und ihren Eltern. Aus der Perspektive des zehnjährigen Franks erlebt der Leser in einer Art Tagebuch ein Jahr lang den Alltag der Familie mit. Frank ist eine Mathegenie und genau wie seine Mutter künstlerisch begabt. Sein kleiner Bruder Max ist fünf und hat eine autistische Störung. Er trägt noch Windeln, kann kaum sprechen und hat regelmäßige Aussetzer. „Und dann sind es einfach zu viele Worte und Max hat seinen Meltdown. Ich weiß auch nicht, warum das alle immer »Meltdown« nennen. Auf Deutsch heißt das »Kernschmelze «, was eigentlich unlogisch ist, denn wenn etwas schmilzt, wird es weich und läuft zu einer Pfütze zusammen, aber wenn Max schmilzt, wird er das Härteste, was es gibt auf der Welt, und man denkt, gleich sprengt er sich sämtliche Knochen aus dem Körper.“ Frank schämt sich oft für die Ausfälle von Max und schämt sich gleichzeitig dafür, dass er sich schämt.

Frank ist ein sogenanntes Schattenkind, da der Großteil der Aufmerksamkeit seiner Eltern, nötigerweise dem kleinen Bruder zu Teil wird. Dadurch fristen auch die Eltern ein Schattendasein, da alles hinter der Störung von Max zurückstehen muss. Trotz aller Höhen und Tiefen finden die Kinder immer Trost bei ihrer Mutter. Gerade deshalb trifft es die kleine Familie äußerst hart, als ein tragisches Ereignis sie ereilt. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist trotz aller Umstände zusammenzuhalten, füreinander da zu sein – und auch die kleinen und großen »Ticks« zu ertragen und vielleicht sogar lieben zu lernen.

Die Autorin Katya Balen hatte sich auf das Erzählen für autistische Kinder spezialisiert und ist in einer Organisation tätig, die es nicht-neurotypischen Personen ermöglicht, kreativ zu arbeiten. Um Kinder sprachlich zu bilden, ist dieses Buch eher nicht das richtige. Doch es vermittelt ein anschauliches Bild der Probleme und Sorgen einer Familie mit einem autistischen Kind. Es sensibilisiert für das Thema Autismus und schafft Verständnis und Mitgefühl, um andere besser zu verstehen, die in solch einer Situation leben.

Aufgrund der bedrückenden Stimmung, die dieses Buch in weiten Teilen ausmacht, ist es empfehlenswert, dass Eltern es gemeinsam mit ihrem Kind lesen, um es mit seinen Eindrücken und Fragen nicht alleine zu lassen um das Gelesene zu diskutieren und verarbeiten zu können.

VERLAG CARLSEN
AUTORIN KATYA BALEN
ÜBERSETZERIN ANNETTE VON DER WEPPEN
ISBN 978-355-155761-2

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