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Kulturoptimismus – Kunst und Kultur als Impulsgeber in der Stadtentwicklung

Kulturoptimismus – Kunst und Kultur als Impulsgeber in der Stadtentwicklung

Foto: Kozlik/shutterstock.com

In Bremerhaven wurden in den vergangenen Jahren viele Impulse für die Kultur- und damit für die Stadtentwicklung gesetzt. Dabei dienen die verschiedenen Angebote nicht nur der bloßen Bespaßung der Einwohner, sondern haben darüber hinaus auch einen positiven Effekt auf die Entwicklung ganzer Stadtteile und auf die Lebensqualität ihrer Bewohner, denn „eine lebendige Kulturszene ist für eine lebendige Stadtgesellschaft unabdingbar“, sagt Dorothee Starke, Leiterin des Kulturamts Bremerhaven.

Der amerikanische Politologe Richard Florida untersuchte in seiner Arbeit „Cities and the Creative Class“ von 2005 eine bestimmte Bevölkerungsgruppe und wie sich diese auf die Stadtentwicklung auswirkt. Er beschreibt in seiner Untersuchung wie die „Creative Class“, bestehend aus Medienleuten, Künstlern und Designern, verlassene Industriezentren übernahmen, erneuerten und diese, durch das Bespielen der Gebäude und Flächen mit Kunst und Kultur, auch für andere Bewohner attraktiv machte. Die Studie zeigt deutlich, wie wichtig Kultur über den Tourismus hinaus geworden ist und welche Rolle sie in der Stadtentwicklung spielt.  

„Ohne Kultur können Städte als pulsierende Lebensräume nicht existieren“

Auch die UNESCO hat sich 2016 in dem Bericht „Kultur: Urbane Zukunft“ mit Kultur als Impulsgeber in der Stadtentwicklung auseinandergesetzt und hat dabei Empfehlungen für mögliche Zielsetzungen in der Kulturpolitik von Städten definiert. Dazu zählen unter anderem „die Lebensqualität in Städten mithilfe von Kultur zu verbessern und städtische Identitäten zu erhalten“, „den sozialen Zusammenhalt in Städten durch Kultur zu stärken“, „Kreativität und Innovation durch Kultur zu fördern“ und „die Qualität des öffentlichen Raums durch Kultur zu verbessern“. Für die Autoren des Berichts steht fest: „Ohne Kultur können Städte als pulsierende Lebensräume nicht existieren. Sie sind bloße Konstruktionen aus Beton und Stahl, anfällig für sozialen Niedergang und gesellschaftlichen Zerfall.“ Mit Kultur sind aber nicht nur Opern, Theater und Museen gemeint, sondern auch Subkultur und Stadtteilinitiativen, die gerade in der Seestadt besondere Unterstützung erfahren.

Dorothee Starke ist überzeugt, dass die Aufwertung einzelner Stadtteile durch Kunst und Kultur auch immer dem Gesamtgefüge hilft und ein positives Image fördert. Ein reichhaltiges Kulturangebot steigert die Lebensqualität der Bewohner. Es entstehen kulturelle Begegnungsstätten wie Theater, Galerien und Stadtfeste, die Menschen zusammenbringen und ins Gespräch miteinander kommen lassen. „Kulturelle Teilhabe ermutigt die Bewohner zum Mitmachen und fördert das soziale Miteinander jenseits von Herkunft oder Einkommen und stärkt auch die Bindung zum Stadtteil, was sich wiederum auf den Einzelhandel und die Gas-tronomie auswirkt“, sagt sie. Die Förderung von Kultur beeinflusst demnach viele zusammenhängende Bereiche, die allesamt zur Stadtentwicklung beitragen.

Stadt als Möglichkeitsraum

Bremerhaven verfüge über gute Voraussetzungen, um die Kreativszene zu fördern und sich als Kulturstandort zu positionieren, sagt Starke: „Bremerhaven ist eine Stadt der kurzen Wege. Das bedeutet, man bekommt hier sehr unkompliziert und unhierarchisch Unterstützung, man findet schnell Mitstreiter. Dadurch, dass „man“ sich kennt, werden neue Akteure in der Regel schnell eingebunden, die Stadt ist neugierig auf Neuankömmlinge und fremdelt nicht. Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil sind auch die moderaten Mieten und das Platzangebot. Bremerhaven ist keine satte Stadt, sondern eine Stadt, die sich immer weiter entwickelt und dadurch spannende Handlungsfelder eröffnet.“ Aber es gibt auch einige Herausforderungen: Die Sichtbarkeit des kulturellen Angebots über die Stadtgrenzen hinaus, gestaltet sich schwierig, „so nehmen die Feuilletons von überregionalen Medien die kulturellen Aktivitäten in der Stadt kaum wahr, auch wenn sie von überregionaler Bedeutung sind“, bemerkt sie. „Zusätzlich sind die finanziellen Möglichkeiten der Stadt sehr begrenzt, aber die Ämter und Gesellschaften, wie die Stäwog oder die BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH versuchen, die Ideen aus der Kreativszene möglichst unbürokratisch umzusetzen und zu fördern“, fügt sie hinzu.

Unterstützung für die Kreativen der Stadt

In Bremerhaven werden Kreative durch das Kulturamt und weitere Institutionen unterstützt. Die an sie gerichteten Angebote beinhalten eine niederschwellige finanzielle Unterstützung, aber auch Beratung und Vernetzung mit anderen Akteuren, Räumen und Förderern. „Wir verfolgen im Kulturamt seit einigen Jahren eine Strategie des offenen Amtes. Wer einen Rat oder einen Sparringspartner braucht, soll einfach vorbeikommen“, sagt Starke. Diese Beratungsangebote kommen aber auch direkt zu den Künstlern, Kulturschaffenden und Kreativen der Stadt. So gehen Mitarbeiter des Kulturbüros aktiv in die Stadtteile und versuchen dort, das kreative Potenzial zu heben und sichtbar zu machen. Die Ergebnisse davon kann man beispielsweise in den Kultursommern Süd und Lehe erleben, wo Kreative ihre Kunst in Form von Tanz, Theater, Malerei, Fotografie und in vielen weiteren Ausdrucksformen präsentieren.

Auch in strukturellen Fragen wie der Bildung eines Fördervereins, Nachfolgeregelungen im Ehrenamt und mehr steht das Kulturamt den Kreativen der Stadt zur Seite. Es arbeitet auch eng mit der Abteilung für Kreativwirtschaft der BIS zusammen und bieten gemeinsam Qualifizierungsprogramme zu Themen wie Veranstaltungssicherheit, Marketing und Sponsoring an. Da Künstler und Kulturschaffende nicht zuletzt auch Räume für ihre Arbeit brauchen, wurde das Netzwerk „Räume“ eingerichtet, welches Raumanfragen direkt an die entsprechenden Gesellschaften und Institutionen weiterleitet, damit diese umgehend bearbeitet werden können. Damit hilft man nicht nur den Kreativen, sondern wirkt gleichzeitig auch dem allgegenwärtigen Leerstand in der Stadt entgegen.

Auch für junge Kreative gibt es spezielle Förderangebote in Form von kultureller Bildung, welche die künstlerischen und ästhetisch-gestalterischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen fördern sollen. Für die Umsetzung kreativer Ideen der jungen Stadtbewohner wurden Förderinstrumente wie „Cash for Culture“ entworfen, welches Jugendkulturprojekte von Menschen im Alter von 13-23 Jahre finanziell unterstützt. 

Kulturstandort Bremerhaven

Dass die verschiedenen Maßnahmen und Angebote der Ämter und Institutionen Wirkung zeigen, beweisen zum Beispiel die positiven Veränderungen in der Goethestraße mit der Galerie Goethe45, die Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bietet, um sich zu präsentieren und mit spannenden Ausstellungen die Menschen ins Viertel lockt. Oder die Alte Bürger, in der das Kunstfestival „Art Space“ (12.09. und 13.09.) stattfindet, welches das Szeneviertel in völlig neuem Licht erscheinen lässt, indem internationale Künstler und Künstlerinnen Gebäude und Flächen bespielen.

Der positive Effekt von Kultur ist aber nicht auf Wohngebiete beschränkt, auch ehemalige Industriezentren der Seestadt erstrahlen in neuem Glanz: Als Beispiel dient Starke hier die Entwicklung des Schaufensters Fischereihafen Anfang der 90er Jahre: „Es war von Anfang an klar, dass dort auch Kultur angesiedelt werden musste, wie das Theater im Fischereihafen. Gemeinsam mit dem Figurentheater, der Phänomenta, dem Fischkai 57, dem Studio der Fotografin Martina Buchholz u.a. entwickelt sich der Fischereihafen mehr und mehr zu einem spannenden Kulturort“, der sich weit über die Stadtgrenzen hinaus großer Beliebtheit erfreut und mittlerweile prägend für das positive Image der Stadt ist. (bg)

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