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Grüne Stadtoase – Der Zolli bekommt Zuwachs

(Fotos: 1, 2, 3, und 6: Björn Gerken/LAUFPASS, 4: Zolli-Initiative e.V., 5: Moritz Alber)

Der Zollinlandplatz in Bremerhaven, von den Bürgern liebevoll Zolli genannt, hat sein Gesicht über die Jahrzehnte hinweg stetig verändert. Das Gelände im Bereich der heutigen Pestalozzistraße diente zunächst als Güterbahnhof, auf dem um 1900 Waren aus aller Welt umgeschlagen wurden. Ab 1926 wurde hier Fußball gespielt und so manches Derby ausgetragen. Zu Rekordzeiten wohnten bis zu 15.000 Zuschauer den aufregenden Partien bei und füllten den Platz mit Leben. Danach wurde es ruhiger auf dem grünen Flecken mitten im Goethequartier. Doch die Liebe zum Zolli ist nie versiegt und so kümmern sich die Anwohner liebevoll um den Platz und haben in Eigenregie einen Erholungs- und Begegnungsort mitten in der Stadt geschaffen, der demnächst Zuwachs in Form eines kleinen Kioskcafés erhalten soll – „das Beet“.

Moritz Alber wurde es zu eng in seinem alten Leben. Nachdem er den Bachelor der maritimen Technologien von der Hochschule Bremerhaven in der Tasche hatte, verschlug es den gebürtigen Stuttgarter zunächst aufgrund eines Praktikums ins finnische Helsinki. Nach einiger Zeit musste er allerdings feststellen, dass ein Bürojob so gar nichts für ihn ist. Er musste raus und etwas Neues ausprobieren, das wusste er. Auch davon, was dieses Neue genau sein mochte, hatte er schon eine Vorstellung. So machte er sich Ende 2019, mit dem Kopf voller Ideen, wieder auf den Weg zurück in die Seestadt.

Schon Jahre zuvor hatte er gemeinsam mit einem Freund den Wunsch, einen Ort ausfindig zu machen, an dem man sich selbst verwirklichen konnte. Es sollte ein Ort sein, der zentral gelegen ist und viel Grün besitzt – eine Spielwiese auf der Gemeinschaft und Kreativität groß geschrieben werden. Als sein Blick auf den Zolli fiel, hatte er gefunden, was er suchte und begann damit, ein Konzept auszuarbeiten – und die Idee zum Café „das Beet“ manifestierte sich allmählich.

Mithilfe der Kreativförderung von .kab (siehe LAUFPASS Nr. 63) und der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung wurde seine Idee immer konkreter. Als der Entwurf für eine kleine Gastronomie in Form eines Kioskcafés stand, reichte er diesen umgehend beim Stadtplanungsamt ein. Die Baugenehmigung wurde erteilt und der Bau sollte Mitte Mai losgehen.

Der Verein Zolli-Initiative e.V. engagiert sich schon seit 2011 für die namensgebende Grünanlage. Die Mitglieder hegen und pflegen den Platz, pflanzen Bäume und kümmern sich um die vielen Blumen und anderen Pflanzen in den Beeten. Nach dem Motto: „Von Bürgern, mit Bürgern, für Bürger“ ist durch dieses Engagement ein schöner und erholsamer Ort entstanden, der auch einen beliebten Treffpunkt für die Anwohner darstellt.

Ein großer Schwerpunkt in seinem Konzept sieht vor, dass sich „das Beet“ möglichst in das bereits vorhandene Angebot auf dem Zolli integriert. Dazu gehört neben nachhaltigen Getränken und kleinen Speisen auch der Aspekt der Wissensvermittlung, der eine maßgebliche Rolle auf dem neuen Zolli spielt.

WISSEN SÄEN – NATURVERMITTLUNG AUF DEM ZOLLI

Der Zolli ist nicht nur Erholungs- sondern auch Veranstaltungsort. Regelmäßig finden verschiedene Workshops, Kunstaktionen und Feste statt. Oft widmen sich diese einem speziellen Themenkomplex, wie der Imkerei, dem Anlegen eines Blühstreifens oder auch die Pflanzung von Obstbäumen. Auch das „NaturErlebnisMobil“ des Kulturbüros macht in den Sommerferien regelmäßig auf dem Zolli halt und bringt mithilfe der ansässigen Fauna und Flora wissbegierigen Kindern wichtige Zusammenhänge in der Natur näher. Ganz im Sinne der Do-it-yourself-Bewegung ist auch ein „Urban Gardening“-Projekt Teil des Zollis, bei dem fleißige Hobbygärtner in hölzernen Hochbeeten eigenes Gemüse, Kräuter und Blumen anpflanzen können.

Auch Alber selbst ist begeisterter Hobbygärtner „mit mehr oder minder grünem Daumen“, wie er lachend verrät. Er interessiert sich besonders für Themen wie Selbstversorgung und Permakultur, bei der man die natürlichen Ökosysteme und Kreisläufe für den Gartenbau und die Landwirtschaft nachahmt, um Gemüse und Kräuter ohne die Zugabe von Pestiziden zu kultivieren. Sein Wissen möchte Alber gern weitergeben und auch im Austausch von anderen lernen. Alber erfreut sich an allem, was blüht und gedeiht und daher begreift er im übertragenden Sinne sein Projekt auch als nachhaltiges soziokulturelles Unterfangen, das die vielen verschiedene Anwohner des Goethequartiers und umzu zusammenbringen soll. „Ich möchte einen offenen Raum schaffen, an dem alle Anwohner teilhaben, sich selbst einbringen oder einfach nur die Seele baumeln lassen können. Der Zolli ist so ein schöner, zentral gelegener Platz, der förmlich danach schreit, von den Anwohnern genutzt und bespielt zu werden.“

VOLLES PROGRAMM

Ein ganzes Wochenendprogramm hat Alber schon geplant: So soll es freitags Konzerte geben und für den Samstag sind Do-It-Yourself-Workshops zum Erlernen der unterschiedlichsten Fertigkeiten wie Pflanzenzucht oder Brot backen vorgesehen. Für solche Aktionen will Alber viele ortsansässige Kooperationspartner gewinnen, die das nötige Know-how vermitteln können. Zum Wochenabschluss soll es dann am Sonntag einen Bingo-Abend für Jung und Alt geben, um gemeinsam das Glück bei der Umweltlotterie herauszufordern. Moritz Alber ist hoch motiviert und einen Abbruch der Flut an Ideen ist noch nicht in Sicht. So wären auch abendliche Filmvorführungen möglich. Vielleicht können sich die Bremerhavener bereits im Sommer auf das erste „Kino im Beet“ freuen. (bg)

WWW.DASBEET.ORG
INSTA: BEET.BHV

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