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Öko-Bewegung Bremerhaven

Öko-Bewegung Bremerhaven

Das vor zehn Jahren beschlossenes Ziel, die CO2 -Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber den Werten von 1990 zu senken, konnte nicht erreicht werden. Bei dem 2010 ins Leben gerufenen Projekt „Klimastadt Bremerhaven“ spielte gerade der Verkehr eine tragende Rolle, denn um das Emissionsziel erreichen zu können, sollten der öffentliche Personennahverkehr, Rad- und Fußgängerverkehr sowie die Elektromobilität gefördert werden. Diese Ansätze wurden erneut im Koalitionsvertrag aufgegriffen und werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch im zukünftigen Verkehrsentwicklungsplan für die Seestadt wiederfinden.

Im Sommer 2020 werden das Stadtplanungsamt und die Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS mit der Erstellung eines solchen Verkehrsentwicklungsplans beginnen. Zu den für den Klimaschutz relevanten Punkten gehören die Umstellung des öffentlichen Personennahverkehrs auf nachhaltige wasserstoffbasierte Antriebsmöglichkeiten und die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur in Form von Wasserstoff-Tankstellen. Hinzu kommen die stadtweite Förderung von Sharing-Angeboten und der Ausbau von Radwegen und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Allgemeinen. Außerdem hat sich die heiß diskutierte Wiedereinführung einer Bremerhavener Straßenbahn in den Koalitionsvertrag eingeschlichen  – die allerdings noch geprüft werden muss.

Aufs Fahrrad setzen und den öffentlichen Nahverkehr stärken

In einer Studie zur Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) bewerteten 170.000 Bürger 683 Städte. Demnach ist Bremen die fahrradfreundlichste Stadt, Bremerhaven hingegen schnitt dabei nicht so gut ab und erhielt lediglich die Schulnote 4,4. Das macht den Ausbau von Fahrradwegen, wie der Nord-Süd-Trasse, nötig, damit die Fahrt mit dem Drahtesel für die Bürger attraktiver wird, als es bisher der Fall ist. Baubeginn ist dieses Jahr. „Die Verbindung zwischen Wulsdorf und Fischereihafen soll 2022 fertig sein, vor Kurzem wurden dafür drei Millionen Euro vom Bund und 300.000 Euro von der Stadt bewilligt. Eine echte Nord-Süd-Trasse würde allerdings bis in die nördlichsten Stadtteile gehen“, sagt Hans-Joachim Schmeck-Lindenau vom ADFC Bremerhaven im Gespräch mit buten und binnen. Die Nord-Süd-Achsen, also Georgstraße/Elbinger Platz/Columbusstraße und Elbe-, Stresemann- und Langener Landstraße sollen laut Koalitionsvertrag vierspurig bleiben. Eine vertane Chance, die Stadt fahrradfreundlicher zu machen, findet Schmeck-Lindenau: „Das zeigt, dass motorisiertem Verkehr in der Stadt auf besonderen Wunsch der CDU eine hohe Bedeutung beigemessen wird – er steht für die Partei im Vordergrund. Es ist kein Drama, aber es hätte Möglichkeiten wie eine „Shared-Bike-Lane“ gegeben. Die rechte Spur hat dabei ein Tempo-30-Limit und darf auch von Fahrrädern genutzt werden.“ Positiv bewertet er allerdings, dass für die Förderung des Radverkehrs eine Erhöhung des Budgets von 1,75 Euro auf sechs Euro pro Bürger vorgesehen ist.

Auch der Ausbau von Sharing-Angeboten für Autos und Fahrräder steht im Vertrag sowie kostenlose Parkflächen für E-Autos, um die Bremerhavener dazu zu bewegen, klimaneutrale Antriebsarten zu nutzen. Klimaneutrale Antriebe sollen auch alle öffentlichen Fahrzeuge wie Feuerwehrautos und natürlich Busse bekommen. Drei Wasserstoffbusse sollen noch in diesem Jahr angeschafft und eingesetzt werden. Bis 2029 sollen dann alle Fahrzeuge der Flotte auf klimaneutralen Antrieb umgestellt werden. Zusätzlich wird auch eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs durch eine bessere Taktung angestrebt.

Eine kleine Überraschung erwartete die Fans der Bremerhavener Straßenbahn. Seit nunmehr fast 40 Jahren gibt es die Straßenbahn nicht mehr. Nur stumme Zeugen in Form von alten Schienen finden sich noch in den Straßen oder auf dem Platz vor dem Kino neben dem Stadttheater. Nun plant die Koalition, Kosten und Nutzen von Straßenbahn und Busverkehr mittels eines standardisierten Verfahrens zu vergleichen. Im Mai 2021 sollen die Ergebnisse vorliegen. „Die Chancen, dass eine solche Untersuchung ein positives Nutzen/Kosten-Verhältnis zum Ergebnis hat, stehen aus meiner Sicht sehr gut“, sagte Prof. Dr.-Ing. Hartmut Topp, ehemaliger Professor und Leiter des Instituts für Mobilität und Verkehr an der Technischen Universität Kaiserslautern, während einer Veranstaltung am 9. Mai 2019 im Deutschen Auswandererhaus. 

Bereits 2000 wurde von der TransTec Transport und Technologie Consult GmbH aus Hannover eine Machbarkeitsstudie vorgenommen, die zu dem Ergebnis kam, dass „die Einführung eines Straßenbahnsystems in Bremerhaven aus finanzieller und verkehrspolitischer Sicht generell zu rechtfertigen [ist].“ Eine Straßenbahn würde durch nachhaltige Antriebstechnologien, wie zum Beispiel Wasserstoff, nicht nur selbst emissionsfrei betrieben werden können, sondern sie würde gleichzeitig auch den innerstädtischen Individualverkehr maßgeblich verringern. „Seit Jahrzehnten wird in Bremerhaven nur auf den Autoverkehr gesetzt. Das ist völlig kontraproduktiv im Hinblick auf das Ziel, den CO2 -Ausstoß im Verkehrssektor deutlich senken zu wollen. Und eine lebens- und liebenswerte Stadt für die Menschen ist so mit Sicherheit nicht zu realisieren“, sagt Gisela Wiegel vom Nord-Süd-Forum Bremerhaven in eine Pressemitteilung der Initiative „Die Straßenbahn. Für die Zukunft Bremerhavens.“ „Eine Klimastadt, in der der Autoverkehr dominiert, ist völlig unglaubwürdig.“ 

Mit der Umsetzung der bisherigen Pläne würde man einer nötigen Verkehrswende und den erklärten Klimazielen ein gutes Stück näher kommen. Die Voraussetzung dafür ist lediglich, dass die Einwohner die verschiedenen Mobilitätsangebote auch nutzen – damit wäre die Seestadt dann auf dem richtigen Weg eine echte Klimastadt zu werden. (bg)

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