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Kunst in Hamburg – Michael Wolf und Ralf Ziervogel

Kunst in  Hamburg  – Michael Wolf und Ralf Ziervogel

Michael Wolf, Architecture of Density, Hong Kong, 2003-2014 Digitaler C-Print auf Dibond montiert, Holzrahmen, kein Glas © Michael Wolf 2018

LIFE IN THE CITIES – Michael Wolf

Riesige Hochhäuser, die weit in den Himmel ragen. Häuserschluchten, die in dunkler Tiefe verschwinden. Die Menschen und ihr Leben übereinander gestapelt, in größtmöglicher Effizienz, auf engstem Raum. Wie eine Utopie anmutend und doch Wirklichkeit, entführen die Bilder des Fotografen Michael Wolf den Betrachter in eine befremdliche und doch vertraute Welt. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Megametropolen wie Hong Kong und Tokio, die Studien bleiben dabei nicht nur an der Oberfläche, sondern blicken auf den Menschen hinter und zwischen den Fassaden, unscheinbar und doch maßgebend.

Michael Wolf ist ein deutsch-amerikanischer Fotograf. Er arbeitete als Fotoreporter für den Stern, während er zehn Jahre lang in Hong Kong lebte. Er ist bekannt für seine Fotografien, die sich mit den Lebensbedingungen in Städten beschäftigen. Für seine Arbeiten wurde er 2009 mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet und erhielt 2012 den Deutschen Fotobuchpreis. Heute lebt und arbeitet er in Paris.

Die Ausstellung im Haus der Photographie bietet einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Fotografen und Künstlers. Elf Werkserien und eine riesige Wandinstallation sind zu sehen. Die Arbeiten behandeln Themen wie die Verschränkung von öffentlicher und privater Sphäre, Voyeurismus, Bevölkerungsdichte und Massenkonsum.

Die Serie Architecture of Density zeigt großformatige Fotografien von Hochhaus-Ansichten aus Hong Kong. Die Kolosse aus Stahl und Beton beherbergen viele Menschen und ihre Geschichten. In 100 x 100 gewähren hundert Bewohner eines Wohnkomplexes einen Einblick in ihr Leben auf neun Quadratmetern. Tokyo Compression lässt den öffentlichen und privaten Raum miteinander verschmelzen. Die Aufnahmen zeigen die tokioter U-Bahn, die kaum Platz bietet für die Pendler, die eng aneinander gedrängt zur Arbeit fahren. Die Fenster sind feucht von den Ausdünstungen der Menschenmassen, die tagtäglich durch die Eingeweide der Stadt bewegt werden. Ein voyeuristischer Moment, der einen Blick in die Gefühlswelt der Porträtierten offenbart, den nur die Entschleunigung der Fotografie im Gewirr der Großstadt gewähren kann.

Die beeindruckende raumfüllende Installation The Real Toy Story erzählt eine Geschichte des Massenkonsums. Umrahmt von einer Flut aus Plastik-Spielzeug, sind die Arbeiter zu sehen, in deren Händen die einzelnen Plastikteile erst zu Spielfiguren wie Hello Kitty, Pokémon und Mickey Mouse werden. Die bunte und heitere Welt der Spielzeuge steht im starken Kontrast zur realen Industrie und den Konsequenzen des unstillbaren Hungers der Konsumgesellschaft. Wolfs Arbeiten sind Zeugnisse der Lebensbedingungen in Megametropolen. Mit größter Präzision und Klarheit fängt er Momente ein, die dem Betrachter einen Blick auf das Verhältnis von Mensch und Raum gewähren.

LIFE IN THE CITIES – Michael Wolf
17. November 2018 – 3. März 2019
Deichtorhallen Hamburg / Haus der Photographie
Deichtorstraße 1, 20095 Hamburg
www.deichtorhallen.de


AS IF – Ralf Ziervogel

Der Titel der Ausstellung des Berliner Künstlers Ralf Ziervogel ist Programm. Er ist wie ein Versprechen an den Besucher der Ausstellung, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Ziervogels Arbeiten demaskieren die Oberflächlichkeit des menschlichen Seins und legen Abgründe offen, die ehrlich und manchmal schmerzhaft sind. Passend dazu sind auch die Worte, mit denen Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen, die Kunst Ziervogels beschreibt: „Man sitzt mit jemandem, den man nicht mag, zusammen an einem Tisch. Über dem Tisch ist man höflich, darunter will man am liebsten zutreten.“  

Der in Berlin arbeitende und lebende Künstler Ralf Ziervogel ist vornehmlich für seine sehr fein gezeichneten und komplexen Arbeiten bekannt, die Figuren in extremen Gewaltsituationen darstellen. Die Ausstellung in der Phoenix-Fabrikhalle zeigt klein- und großformatige Zeichnungen, Installationen und Videos des Künstlers. Auf drei Stockwerken sind insgesamt 130 Arbeiten aus dem Bestand des Sammlers Harald Falckenberg zu sehen. Kokuratiert von Ziervogel selbst, gibt die Ausstellung einen umfangreichen Einblick in sein Œuvre.

Der Körper hat einen besonderen Stellenwert im bisherigen Schaffen von Ziervogel: Er dient als Sujet, Experimentierfläche und Werkzeug zugleich. Filigrane Zeichnungen zeigen Körper in extremen und absurden Szenarien, die großformatigen Zeichnungen fordern dehnende und ausufernde Bewegungen des Künstlers. Die extremen Verrenkungen und Streckungen finden sich in den kleinen detailreichen Zeichnungen als Bildgegenstand wieder. Abdrücke von Körpern lassen durch Verdichtung sowie zeichnerische Ergänzungen neue Formen entstehen und Fingerabdrücke dokumentieren die Wischbewegungen auf Smartphone Displays.

Die aus der Entfernung anmutig wirkenden ornamentalen Arbeiten offenbaren bei genauerer Betrachtung einen Mahlstrom der Gewalt. Die Körper der Figuren zerhacken und zerreißen sich, werden penetriert oder explodieren in Stücke. Raumlos stürzen sie durch die Leinwand und fallen in perverser und obszöner Manier übereinander her. Die beeindruckende Expertise des Künstlers besteht in der unglaublichen Präzision, mit der diese Arbeiten hergestellt werden. Die Arbeiten Ziervogels scheinen, auch wenn auf Leinwand und Papier gebannt, immer in Bewegung. 


Ralf Ziervogel | as if | 2018
Tinte auf Papier, 140 cm x 304 cm, 
Courtesy Ralf Ziervogel, Foto: Werner Hettler
© Ralf Ziervogel/VG Bild-Kunst Bonn 2018

AS IF – Ralf Ziervogel
29. September 2018 – 27. Januar 2019
Deichtorhallen Hamburg – 
Sammlung Falckenberg
Phoenix-Fabrikgebäude Wilstorfer Straße 71, Tor 2, 21073 Hamburg-Harburg
www.deichtorhallen.de

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