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Sight Seeing – die Welt als Attraktion

Sight Seeing – die Welt als Attraktion

Sight-Seeing: Martin Parr | ITALY. Pisa. The Leaning Tower of Pisa (Serie „Small World“) 1990, c-print, 50,8 x 76,6 cm © Martin Parr/Magnum Photos

Seit der Antike gibt es Beschreibungen von Orten und Gegenständen, die als besonders betrachtenswert angesehen wurden und nicht selten zu Sehnsuchtsorten wurden. Auf vielfältigste Weise setzt sich die Kunst mit diesem Phänomen auseinander. Von Merians Ortsbeschreibungen, über die touristische Graphik der Goethe-Zeit und dem Kreisen der verschiedensten Künstler um den Eiffelturm bis zu spektakulären Sehenswürdigkeiten der Gegenwart. Die Reflexion über die Rolle des Kunstwerks als Sehenswürdigkeit spielt bei diesem Thema eine eigene Rolle und auch Souvenirs und die Welt des touristischen Reisens bis hin zum „Overtourism“ werden im Zusammenhang mit diesem großen kunst- und kulturhistorischen Überblick thematisiert.

Wie wurden der Eiffelturm, der Grand Canyon, das Schloss Neuschwanstein oder die Stadt Venedig zu Sehenswürdigkeiten, also zu einem berühmten Reiseziel, das man einmal selbst erleben und betrachten möchte? Im Wesentlichen durch Bilder. Angefangen bei den frühen Darstellungen der antiken Weltwunder bis hin zu den Touristenfotos auf Instagram verbreiten sich inzwischen weltweit Bilder von visuell attraktiven „Sights“. Sie wecken den Wunsch, genau dort hinzureisen, diesen besonderen Ort selbst zu sehen – und heutzutage, dort möglichst ein Selfie zu machen. Gleichzeitig werden in der Auswahl der Motive und der Art der Darstellung auch künstlerische Haltungen sichtbar und ästhetische Prinzipien demonstriert. Die Ausstellung betrachtet dieses Phänomen und widmet sich der zentralen Frage nach den Wechselwirkungen zwischen den Sehenswürdigkeiten und ihrer bildlichen Darstellung. Was erzeugt die Popularität, welche Bilder gehen in das kollektive Gedächtnis ein? Wie wichtig ist die politische oder symbolische Bedeutung eines Ortes? Welche Rolle spielten die historischen Entwicklungen des Reisens und die Techniken der Bildreproduktion?

Die Ausstellung umfasst rund 150 Werke von Courbet bis Warhol und lädt dazu ein, Sehenswürdigkeiten von der Akropolis bis zum Brandenburger Tor mit anderen Augen zu betrachten.

[ɛksˈtsɛntrɪʃ] exzentrisch

Parallel zur Ausstellung „Sight Seeing“ geht die diesjährige Sammlungs-Präsentation der Idee des „Fremden“ in der Kunst nach. Dabei setzt sie bei den Werken der Brücke-Künstler Kirchner, Pechstein und Mueller an. Die Brücke versammelte mit ihrer radikal neuen Form- und Farbsprache und ihrer Hinwendung zu sogenannten „primitiven“ und „exotischen“ Kulturen die Exzentrikerinnen und Exzentriker ihrer Zeit. Sie riefen den Bruch mit dem zentraleuropäischen akademischen Stil und den gesellschaftlichen Normen aus und forderten die Erneuerung von Kunst und Gesellschaft. Diese Selbstinszenierung als Außenseiterinnen und Außenseiter der Gesellschaft ging dabei oft mit der Inszenierung von „Exotik“ in ihren Bildern einher. Dafür eigneten sie sich auch außereuropäische Künste, Kulturen und Menschen an. Die Ausstellung fragt daher nach dem (kolonial) rassistisch konstruierten „Exotischen“ in Verbindung mit dem Exzentrischen in den Bildwelten der sogenannten Avantgarde. Dabei wird die Auswahl aus der Sammlung der Kunsthalle um Werke der zeitgenössischen Kunst ergänzt.

KUNSTHALLE EMDEN
8. Februar 2020 bis 14. Juni 2020
WWW.KUNSTHALLE-EMDEN.DE

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