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Legit Crew – Die echten Direkten

Legit Crew – Die echten Direkten

Legit Crew – Die echten Direkten (Foto: Marlin Rohlfing)

Man kann an langen Abenden Unmengen von Dosenbier in sich hinein kippen und sich enthusiastisch an Aluminium-Halluzinogenen erfreuen, dann gegen die anschließenden Schmerzen vom Hausarzt Therapiepillen verordnen lassen und die Couch zum Arbeitsplatz bestimmen oder einfach einen genialen Plan haben. Letzteres erscheint Sonorus, Fx, Raw, Loco und Anymation (aka Jakob, Felix, Anton, Laurin und Anni) wesentlich sinnvoller, in jedem Fall stimulierender. Instrumente haben sie zwar alle schon mal in der Hand gehabt, hier und da zusammen musiziert, aber ihre wahre Liebe tendiert schnell Richtung Sprechgesang mit digitalen Beats, genauer gesagt, zum Rap. Durch Jakob geraten sie eher spontan an ein Online-Rap-Battle, fangen Feuer und brennen einheitlich für Hip Hop.

Erst einmal Blut geleckt, lassen sie nicht mehr locker. Beats raussuchen, mixen, mastern, alles aus eigener Hand. Lange Texte mit immer komplexeren Reimen und Inhalten verschlingen mehr und mehr Raum ihrer Freizeit nach der Schule. Die aktuelle Lebenssituation, politische Ereignisse, Klimawandel, diese Themen beschäftigen sie bis in ihre Fingerspitzen, werden niedergeschrieben und ausprobiert. Jeder Song bringt zum Ausdruck, was sie denken, indem sie ihre Sprache nutzen, ohne singen zu müssen. Rap ist ein schneller, rhythmischer und markanter Sprechgesang in der populären Musik und Teil der Kultur des Hip Hop. Das muss nicht mehr erläutert werden. Übersetzt man es aber direkt aus dem Englischen mit „plaudern“ oder „schwatzen“, dann wird Geschwindigkeit neu definiert. Man muss also schon ganz schön aufpassen, will man den Inhalt der Aussage ohne Libretto in der Hand mitbekommen.

Der Name „Legit“ war ursprünglich eine Art Arbeitstitel und entstand schon, bevor die Jungs sich überhaupt mit dem Gedanken trugen in dieser Konstellation öffentlich aufzutreten. Mit der Zeit ist der allerdings über Umwege unter die Leute gekommen und zum festen Begriff geworden. Grund genug, ihn zu behalten. „Legit“ kommt aus dem Englischen und drückt besondere Echtheit und Direktheit aus. Was sie machen kommt also direkt und ungefiltert aus ihren Kinderzimmern und Home Studios, wie sie selbst sagen. Lieber „was geht ab?“ als „hey ho, Motherfucker“. Immer nur in den eigenen vier Wänden zu hocken und zu üben bringt das Quintett aber nicht näher an die Antwort, wie viel ihre Arbeit tatsächlich wert ist.

Da legt der Aufruf des „Aktionsbündnis gegen Rechts“ und des Rock Cyclus Bremerhaven den nächsten Schritt direkt vor ihre Füße. Gesammelte Ideen für ein buntes, gleichberechtigtes und solidarisches Zusammenleben werden in einem eigenen Song verarbeitet. Ohren und Augen verschließen lag ihnen eh nie, natürlich auch weil das nichts mit Hip Hop zu tun hat. Mit ihrem Beitrag „Bremerhaven bleibt bunt“ zählen Legit Crew zu den Finalisten. Mit einem Mal sind die Newcomer auf diversen Veranstaltungen gefragt. Das klappt aber nur, wenn das benötigte Equipment, also eine Lautsprecher- und Playback-Anlage vor Ort ist. Mit ihrem Taschengeld finanzieren sie zurzeit noch ihre Aufnahmemöglichkeiten. Einen riesigen Schritt vorwärts machen die fünf durch die Anfrage der Jazz Rockets von Mike Bach. Das ist doch mal was. Keine Beats aus der Retorte, live und wahrhaftig mit einer explosiven, dennoch feinfühligen Formation, die es drauf hat, die jungen Rapper so sensibel zu begleiten, dass die Texte nicht untergehen. „Was uns unterscheidet, ist und bleibt nur die Kleidung – Bremerhaven bleibt bunt!“


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