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Lindenberg-Gitarrist Hannes Bauer rockt mit seinem Orchester Gnadenlos

Lindenberg-Gitarrist Hannes Bauer rockt mit seinem Orchester Gnadenlos

Hannes Bauer zählt zweifelsohne nach wie vor zu den besten Rock-Gitarristen unserer Republik. Der 66-jährige Oberlausitzer, Wahl-Hamburger und seit geraumer Zeit in Bremen beheimatete Ausnahmekünstler und sein Orchester Gnadenlos mit Martin Hofbauer (Bass) und Julien Kravetz an den Drums haben einen vollgepackten Terminkalender. Ein Untrüglicher Beweis für einen hohen Grad an Popularität. Wer dieses unvergleichliche Trio noch nie bei der Arbeit erlebt hat, dem bietet sich eine prima Gelegenheit: Am Freitag, dem 13. April, spielt die Band ab 21.00 Uhr in Kuddels Musikkneipe in Bremerhaven.

Hannes wächst in einer neunköpfigen Familie auf. Beim Frühstück entlockt er dem nagelneuen Eierschneider ein „Pling“, und nach acht zerlegten Eiern schafft er durch gezieltes Anschlagen sogar „Hänschen Klein“. Leider hat das Instrument nur fünf Saiten, andere Melodien sind kaum möglich. Seine Großmutter erkennt das musikalische Talent ihres Enkels und schenkt ihm eine Versandhaus-Wandergitarre. Die Freude ist riesig, der Wille unbändig, und drei Tage später klingt gut erkennbar Ronnys „Kleine Annabel“ durchs Haus. Einen Tag danach allerdings „Tutti Frutti“ von Little Richard, was mit ganz anderer Lautstärke durch die heimischen Hallen donnert. 

1962 erfreuen dann auch noch die Beatles mit ihrem „yeah yeah yeah“ das eh schon wild pochende Rock’n’Roll-Herz, und es gibt kein Halten mehr. Vater Bauer erkennt die Signale und erlässt ein Verbot für Beatmusik im gesamten Haus. Entweder Schule mit Abschluss oder die Gitarre an den Nagel. Hannes entscheidet sich, schnürt sein Bündel und verlässt das Dorf in Südniedersachsen. Sein neues Domizil soll da sein, wo Rock und Beat sich täglich die Klinke in die Hand geben: Hamburg, das Mekka für jeden Musiker. Während andere Bands eine hohe Fluktuation mit ihren Mitgliedern haben, hat Hannes sie mit Bands. Er sucht keine Musiker, die ihm gewachsen sind, sondern erst einmal welche, an denen er wachsen kann.

Diverse Besetzungen werden ausgetestet, bis sich endlich Bockrock findet, eine Chuck Berry- & Elvis Presley-Coverband mit Hans Albers-Schunkelliedern, eingepackt in Kubikmetern von Bier. Im „Chikago“ (Hans-Albers-Platz, Reeperbahn) trifft sich die Elite der englischen Beatbands, und Hannes ist mittendrin. Mit einem Mal geht alles rasend schnell. Veranstalter-Legende Fritz Rau stellt ihm eines Abends im „Chikago“ Udo Lindenberg vor, der sofort erkennt, dass der Rock’n‘Roll entweder für den Bockrocker erfunden wurde oder der ihn selbst erfunden hat. Der Job im Panikorchester ist perfekt. Mit solch einer Visitenkarte im Gepäck ist es relativ einfach, während der Tournee-Pausen seines derzeitigen Arbeitgebers Musiker für neue Formationen zu akquirieren.

Mit Schlagzeuger Roy Dyke (Ashton, Gardner & Dyke) und dem Bassisten Tom Garn wird „Bauer, Garn & Dyke“ gegründet. Wenn jetzt hier allerdings sämtliche Stationen und Erfolge des Protagonisten aufgezählt werden sollten, dann würde ganz leicht ein Buch daraus. Was also erwartet den nach wilder Ausgelassenheit hungrigen Besucher im „Kuddels“? Die Rock’n’Roll-Geister, die der Linkshänder gierig als Youngster rief, hat er fest im Griffbrett. Die deutschen Texte entspringen allesamt seinem Zigeunerleben zwischen Pommes-Bude, Autobahn-Raststätte, Hilton-Hotel und St. Pauli. Dem geneigten Leser mag „gnadenlos“ als maßlos übertriebenes Superlativ anmuten, schließlich gibt es auch bei uns zahllose Rock’n’Roll-Bands, die gnadenlos Kniegas geben können. Hannes Bauer macht den Unterschied. Wenn z.B. beim „Porsche-Blues“ seine Finger wie ein geölter Blitz über die Saiten fegen, kann einen schnell das Gefühl packen, als wäre man mit 300 km/h als Sozius auf der Überholspur der Autobahn unterwegs. 

Die Musiker geben im Verlauf des Abends jeder ein Solo zum Besten. Spätestens dann sollte klar sein: Erwarte nicht das Unerwartete, denn alle sind wahre Meister auf ihrem Instrument. Da kommt mächtig elektrisches Breitbandkino und beste Unterhaltung von der Bühne. (gbm)

Hannes Bauer live
Freitag, 13. April, 21.00 Uhr 
KuddeLs Musikkneipe
Karten sind im Vorverkauf bei Kuddels 
(Goethestraße 1, 27576 Bremerhaven, 
Tel.: 0471 – 952 172 37) erhältlich.

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