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Die NATO-Eskalation geht weiter

Die NATO-Eskalation geht weiter
Foto: Getmilitaryphotos / Shutterstock.com, Illustration: woj

Wird die NATO-Aggression Russland dazu zwingen, die Sonderoperation über die Ukraine hinaus auszudehnen?

Von Batiushka für The Saker

Einleitung: Die drei Ziele

Die drei Ziele der militärischen Sonderoperation der Russischen Föderation in der Ukraine wurden von Präsident Putin zu Beginn am 24. Februar klar angekündigt. Sie waren sehr spezifisch, sehr begrenzt und schlossen absichtlich die Besetzung der gesamten Ukraine aus, geschweige denn Angriffe auf Gebiete außerhalb der Ukraine. Außerdem gab es keinerlei Andeutungen über den Einsatz von Atomwaffen – das wurde immer nur von der hysterischen Verantwortungslosigkeit und Propaganda westlicher Politiker und Journalisten aufgebracht. Erinnern wir uns daran, dass die drei Ziele erstens die Befreiung des russischen Donbass von den Nazis und zweitens und drittens die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine als „Anti-Russland“ waren, die dort seit 2014 vom Westen geschaffen wurde. Mit anderen Worten, das russische Ziel war es, den unvollendeten Zweiten Weltkrieg gegen den Nationalsozialismus zu beenden und auf keinen Fall einen ‚Dritten Weltkrieg‘ auszulösen.

Erweiterung innerhalb der Ukraine?

Es stimmt, dass das erste Ziel der Operation seither auf die Befreiung eines Großteils der Schwarzmeerküste, einschließlich Cherson und Saporischschja, ausgeweitet werden musste, um den Donbass mit der Krim zu verbinden. Ursprünglich resultierte diese Aktion aus den Versuchen der Kiewer Junta, die Wasserversorgung der russischen Krim abzuschneiden, sowie aus ihren Drohungen gegen die russische Schwarzmeerflotte und die Kertsch-Brücke. Aus strategischer Sicht wäre jedoch eine Ausweitung des ursprünglichen Ziels auf die gesamte Schwarzmeerküste, einschließlich Nikolajew und Odessa bis zur rumänischen Grenze, durchaus sinnvoll.

Damit wäre eine eventuelle Rumpf-Ukraine ein Binnenstaat, wie die Slowakei oder Weißrussland. Dies würde die russische Kontrolle über das nördliche Schwarze Meer ermöglichen und die derzeitigen Versuche westlicher Schiffe, die ukrainischen Getreidelager zu leeren, untergraben, so dass dort eine neue Hungersnot oder ein neuer ‚Golodomor‘ beginnen würde. Es muss betont werden, dass dies noch nicht geschehen ist, aber angesichts des Bankrotts des inkompetenten Kiewer Regimes und sogar des Eingeständnisses der USA vom 24. Mai, dass Kiew seine Schulden nicht mehr bedienen kann, könnten noch weitere ukrainische Provinzen darum bitten, in die Russische Föderation aufgenommen zu werden.

Da die westukrainischen Behörden NATO-Nachschub von jenseits der polnischen Grenze erhalten und eine unglaubliche, von den Nazis inspirierte Unterdrückung ihrer prorussischen Minderheit an den Tag legen, wozu auch das Verbot der russisch-orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und die Beschlagnahme und Schließung ihrer Kirchen gehören, fragen wir uns, ob die Sonderoperation trotz der ursprünglichen Ziele nicht auch dort ausgeweitet werden muss. Aber noch viel mehr als das: Könnte die NATO durch ihre Drohungen von NATO-Territorien außerhalb der Ukraine aus eine weitaus größere Ausweitung der Ziele der Operation erzwingen?

Ausweitung außerhalb der Ukraine?

Zunächst einmal sind da die undemokratischen Anträge der einst neutralen finnischen und schwedischen Einrichtungen auf Beitritt zur NATO. Diese Organisation, die die Worte ‚Nordatlantik‘ in ihrem Titel trägt, hat gerade einen Krieg in den Ausläufern des Himalaya verloren und bedroht nun China und will sich nach Nordeuropa ausdehnen. Vielleicht sollten ihre Anführer ein paar Lektionen in grundlegender Geographie nehmen? Im Moment blockiert die Türkei diese Anträge, aber ihre Einwände könnten mit dem Druck der USA auf das inflationsgeplagte Ankara nicht standhalten. Auf jeden Fall hat Russland bereits deutlich erklärt, dass die in Finnland und Schweden stationierten NATO-Waffen zerstört werden. Wird sich das zweite Ziel der Entmilitarisierung also auch auf diese Länder erstrecken müssen?

Zweitens ist da der Fall Polens, das bereits zwei Bataillone (ca. 1.000 Mann?) leicht bewaffneter Infanterie hat, die derzeit im Transportzentrum von Pavlodar in der Zentralukraine stationiert sind. Handelt es sich dabei um Söldner oder um echte polnische Nato-Truppen? Wurden sie auf jeden Fall bereits durch den russischen Raketenangriff am 24. Mai vernichtet? Viel dramatischer ist jedoch, dass auf zwischenstaatlicher Ebene verkündet wurde, dass Polen und Ukrainer nun ‚Brudervölker ohne Grenzen‘ sind. Mit anderen Worten, wie die russische Sprecherin Maria Zakharova am 23. Mai erklärte, haben polnische Bürger damit im Prinzip die gleichen Rechte wie ukrainische Bürger in der Ukraine, abgesehen vom Wahlrecht im Moment. Das bedeutet, dass das Kiewer Regime im Grunde auf seine eigene Souveränität verzichtet hat.

Diese Erklärung bedeutet möglicherweise eine Einladung an die polnischen Streitkräfte, in mehrere Provinzen der Westukraine einzudringen und diese zu übernehmen, die die polnischen Machthaber seit Jahrhunderten begehren. Dies würde die ukrainische Operation auf eine neue Stufe heben. Eine solche neue ‚ukrainische‘ Armee wäre eine NATO-Armee. Dies könnte zu einem totalen Krieg zwischen der NATO und Russland führen, denn Russland hat mit Sicherheit das Recht, ausländische Truppen in der Ukraine auszulöschen, wie es das bereits getan hat. All dies ist jedoch spekulativ und wir sollten auf konkrete Fakten warten, bevor wir Schlussfolgerungen ziehen. Der notorische Kriegshetzer Stoltenberg von der NATO hat am 24. Mai klargestellt, dass seine Terrororganisation keinen „direkten Krieg“ mit Russland will.

Drittens ist da noch der Fall der baltischen Staaten. Die von den USA eingesetzte Elite in Litauen, das an das gefährdete russische Kaliningrad grenzt, hat besondere Aggressionen gegenüber Russland an den Tag gelegt, einschließlich der Drohung, die als Geisel genommene russisch-orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat) zu verbieten – wie es bereits in weiten Teilen der Westukraine geschehen ist. Die pro-nazistischen Regierungen von Lettland und Estland sind nicht weit von der litauischen Position entfernt. Könnte das bedeuten, dass die Russische Föderation beschließen könnte, auch diese drei NATO-Mitgliedstaaten zu entmilitarisieren und zu entnazifizieren? Immerhin haben alle drei Staaten unterdrückte russische Minderheiten, insbesondere Lettland. Estland liegt ganz in der Nähe von Sankt Petersburg. Und was Kaliningrad betrifft, so hätte ein Einmarsch der NATO von Litauen und Polen aus, zwischen denen es eingezwängt ist, schlimme Folgen.

Viertens ist da noch der Fall Rumänien. Obwohl es kleine und vielleicht berechtigte territoriale Ansprüche an der südlichen ukrainischen Grenze hat, ist es vor allem an Moldawien interessiert. Sollte es versucht sein, in Moldawien einzumarschieren, gäbe es nicht nur Probleme mit der Bevölkerung des kleinen und ungeschützten Moldawiens, von denen viele nicht pro-rumänisch sind, sondern auch mit Russland. Würde Russland es zulassen, dass das von der NATO bewaffnete Rumänien in Moldawien einmarschiert, oder würde Russland Moldawien eher zusammen mit Transnistrien in das Gebiet der Russischen Föderation aufnehmen, um es vor der NATO zu schützen? Auch hier gibt es viele Spekulationen und Zweifel.

Schließlich fragen wir uns, ob die Russische Föderation die aggressiven Äußerungen und Handlungen der antirussischen Vertreter der von den USA installierten Söldnereliten in Bulgarien und Griechenland weiterhin tolerieren wird? Wenn die bulgarischen und griechischen Eliten von denjenigen gesäubert würden, die ‚für eine Million Dollar alles tun‘, und ihre Länder wieder zu prorussischen Gebieten würden, würde das bedeuten, dass die gesamte östliche Hälfte Europas endlich wieder eine prorussische, NATO-freie Pufferzone sein könnte. Diese Zone würde natürlich Ungarn sowie Serbien, Montenegro, Nordmazedonien und Bosnien und Herzegowina umfassen, also den größten Teil des ehemaligen Jugoslawiens, wo die meisten Menschen und einige der regierenden Klassen ohnehin pro-russisch sind.

Was Mitteleuropa (dazu gehören die tschechischen Länder, Ostdeutschland und Österreich sowie Slowenien, Kroatien und sogar Albanien) und Westeuropa betrifft, so müssten deren Bevölkerungen einfach damit klarkommen, von Rohstoffen abgeschnitten zu sein. Das bedeutet, dass sie von russischem Öl, Gas, Zellstoff, Düngemitteln, Getreide und Mineralien abgeschnitten wären und dass die Ärmsten unter ihnen aufgrund der antirussischen Sanktionen ihrer herrschenden Klassen im nächsten Winter verhungern und unterkühlt sein könnten. Es sei denn natürlich, diese Bevölkerungen beschließen, sich aufzulehnen und sich von ihren neofeudalen, von den USA installierten kolonialen Eliten zu befreien. Selbst das Offshore-Großbritannien mit seinem albernen, in New York geborenen Premierminister Johnson könnte sich noch wehren und ablehnen. Die wirtschaftliche Lage in Europa wird immer ernster.

Schlussfolgerung: Gesunder Menschenverstand oder….

Natürlich können wir nicht sagen, was passieren wird. Was wir jedoch sehr deutlich sagen können, ist, dass die US-Elite und ihre NATO-Lakaien mit dem Feuer spielen. Da der Dollar täglich abrutscht und nun zum ersten Mal seit 2015 unter 57 zum Rubel liegt, beginnen einige westliche Banker in Panik zu geraten. Wenn die NATO-Vasallen einen Funken gesunden Menschenverstand haben, werden sie die NATO ganz auflösen, so wie es 1991 hätte geschehen müssen, als der Warschauer Pakt aufgelöst wurde. Das Problem mit dem gesunden Menschenverstand ist jedoch, wie man so schön sagt, dass er sehr selten ist. Es ist eher wie mit der Intelligenz, die sehr begrenzt ist – während die Kapazität für Dummheit völlig unbegrenzt zu sein scheint….


Der Beitrag erschien im englischen Original bei The Saker: http://thesaker.is/will-nato-aggression-force-russia-to-extend-the-special-operation-beyond-the-ukraine/ unter LLC under the Creative Commons CC-BY-SA 4.0 International license (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0).


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2 Bemerkungen

  1. Es ist leider keine Frage des „gesunden Menschenverstandes“, sondern hier geht es um eine Weltdiktatur-Agenda, die seit vielen Jahren auf genau diesen Konflikt hinarbeitet und die auch die „vernünftige“ Position Russlands genauestens einkalkuliert hat (Putin ist Mitspieler!). Es geht um die Umsetzung des Kommunistischen Manifests. Imagine: No countries, no possession, no religion! Und nach Wolfgang Schäuble sind Krieg und Krise DER Katalysator für Social Engineering:

    „Ich bin bei allen krisenhaften Zuspitzungen im Grunde entspannt. Weil, wenn die Krise größer wird, werden die Fähigkeiten, Veränderungen durchzusetzen, größer.“ Quelle: Diskussion über die Finanzstabilität in Europa im September 2011 zwischen Schäuble (damals Finanzminister) und Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).

    „Der Widerstand gegen Veränderung wird in der Krise geringer. Wir können die Wirtschafts- und Finanzunion, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, jetzt hinbekommen.“ (HAZ 21.08.2020).

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  2. Danke für die informativen Berichte. Sie sind sehr wichtig.

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