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Rudolf Steiner über den Transhumanismus

Rudolf Steiner über den Transhumanismus
Foto: Ase / Shutterstock.com

Lektüre für Minuten: Ein bemerkenswerter Text von Rudolf Steiner aus dem Jahr 1917. Er beschreibt darin die dem Transhumansismus innewohnende entseelende Kraft. Anregende Gedanken zu einem neuen Gesundheitsverständnis und der Bedeutung der Geisteswissenschaften. Wie für 2021 geschrieben.

Dank an M. für dieses Fundstück


„Man soll sich nur nichts vormachen. Man steht vor einer ganz bestimmten Bewegung. Wie damals auf jenem Konzil in Konstantinopel der Geist abgeschafft worden ist, das heißt, wie man dogmatisch bestimmt hat: Der Mensch besteht nur aus Leib und Seele, von einem Geist zu sprechen ist ketzerisch – , so wird man in einer andern Form anstreben, die Seele abzuschaffen, das Seelenleben.

Und die Zeit wird kommen, vielleicht gar nicht in so ferner Zukunft, wo sich auf solch einem Kongreß wie dem, welcher 1912 stattgefunden hat, noch ganz anderes entwickeln wird, wo noch ganz andere Tendenzen auftreten werden, wo man sagen wird: Es ist schon krankhaft beim Menschen, wenn er überhaupt an Geist und Seele denkt. Gesund sind nur diejenigen Menschen, die überhaupt nur vom Leibe reden. – Man wird es als ein Krankheitssymptom ansehen, wenn der Mensch sich so entwickelt, daß er auf den Begriff kommen kann: Es gibt einen Geist oder eine Seele. – Das werden kranke Menschen sein.

Und man wird finden – da können Sie ganz sicher sein – das entsprechende Arzneimittel, durch das man wirken wird. Damals schaffte man den Geist ab. Die Seele wird man abschaffen durch ein Arzneimittel. Man wird aus einer «gesunden Anschauung» heraus einen Impfstoff finden, durch den der Organismus so bearbeitet wird in möglichst früher Jugend, möglichst gleich bei der Geburt, daß dieser menschliche Leib nicht zu dem Gedanken kommt: Es gibt eine Seele und einen Geist. – So scharf werden sich die beiden Weltanschauungsströmungen gegenübertreten.

Die eine wird nachzudenken haben, wie Begriffe und Vorstellungen auszubilden sind, damit sie der realen Wirklichkeit, der Geist- und Seelenwirklichkeit gewachsen sind. Die andern, die Nachfolger der heutigen Materialisten, werden den Impfstoff suchen, der den Körper «gesund» macht, das heißt so macht, daß dieser Körper durch seine Konstitution nicht mehr von solch albernen Dingen redet wie von Seele und Geist, sondern «gesund» redet von den Kräften, die in Maschinen und Chemie leben, die im Weltennebel Planeten und Sonnen konstituieren.

Das wird man durch körperliche Prozeduren herbeiführen. Den materialistischen Medizinern wird man es übergeben, die Seelen auszutreiben aus der Menschheit. Ja, diejenigen, die glauben, daß man mit spielerischen Begriffen in die Zukunft sehen kann, die irren gar sehr. Mit ernsten, gründlichen, tiefen Begriffen muß man in die Zukunft sehen. Geisteswissenschaft ist nicht eine Spielerei, ist nicht bloß eine Theorie, sondern Geisteswissenschaft ist gegenüber der Entwickelung der Menschheit eine wirkliche Pflicht. Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.“ 

Rudolf Steiner war ein österreichischer Philosoph, Sozialreformer, Architekt, Wirtschaftswissenschaftler und Begründer der Anthroposophie.
Illustration: Sarawut Itsaranuwut / Shutterstock.com

Rudolf Steiner GA 177 S. 97ff
Vorträge von Oktober 1917

https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/rudolf-steiner

2 Bemerkungen

  1. Moin, moin ~
    hier noch eine Angabe zum Auffinden von GA 177: https://anthrowiki.at/GA_177
    Und noch eine Anmerkung: Es handelt sich nicht um einen geschriebenen Text von Rudolf Steiner, sondern um einen mitstenographierten Vortrag … – herzLichsT ut Ostfreesland ~

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    • Dankesehr! 🙂

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