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Diskurs statt Diffamierung!

Diskurs statt Diffamierung!

Ansicht des Artikels aus der NORDSEE-ZEITUNG (vom 03.09.2020)

Ihr Text in der Nordsee-Zeitung vom 03.09. lässt einiges vermissen: Fakten und Haltung. Brief an einen Kollegen.

Lieber Thorsten Brockmann,

herzlichen Dank für Ihren Artikel, den Sie in der Nordsee-Zeitung vom 03. September veröffentlicht haben. Anfangs war ich etwas irritiert, weil Sie nahezu keine Information oder Aussage aus unserem ausführlichen Telefonat vom 02.09. wiedergegeben oder eingebaut haben. Ich habe sie am Ende nochmal angefügt und hoffe, dass Sie sich diese einmal kritisch ansehen. Eines Vorweg: Sie beginnen Ihren Text mit der unrichtigen Behauptung: „Corona? Gibt’s doch gar nicht.“ Damit vermitteln Sie den Eindruck, wir würden an der Existenz von Corona-Viren zweifeln. Diese Aussage werden Sie nirgendwo in unseren Artikeln finden. Denn es gibt diese Viren schon lange. Deshalb finden Forscher ja auch eine Kreuzimmunität gegen das aktuelle SARS-CoV2.

Wofür ich Ihnen besonders dankbar bin, ist, dass Sie mit Ihrem Text belegen, was ich seit Wochen kritisiere. Sie schreiben: „Er sei kein Corona-Leugner, sagt Jeschke, aber wer sich kritisch mit dem Thema auseinandersetze, der werde diskreditiert und diffamiert – vor allem in den Medien. Die pflegten wie staatliche Stellen nur eine Angstkultur.“ Nun – so habe ich es nicht formuliert, aber im Kern haben Sie die Idee richtig erfasst. Ihr gesamter Text ist der beste Beweis für meine Kritik und für eine feindliche Haltung gegenüber einem auf Fakten basierenden Diskurs. Sie tun hier genau das, was ich auch den anderen Medien in gleicher Weise vorhalten kann. Sie versuchen, missliebige Äußerungen und die Verbreitung von überprüfbaren Fakten zu verhindern und zielen darauf ab, andere zu beschädigen und herabzuwürdigen. Ihr Kommentar ist genau jene Diffamierung, die derzeit Wissenschaftler, Journalisten, Bürger, Demonstranten, Kulturschaffende, Philosophen und andere mehr ertragen müssen, wenn sie sich kritisch zu Wort melden und der Öffentlichkeit auf der Basis von Fakten eine eigene Möglichkeit zur Meinungsbildung eröffnen. Dabei übersehen Sie, dass Sie im gleichen Atemzug sehr viele selbstdenkende Leserinnen und Leser der NZ diffamieren, die sich derzeit nichts mehr wünschen, als einen offenen Diskurs über die wichtigen Fragen rund um Lockdown, Virus und Menschenrechte.

Ihr Motiv, hier einen Text zu verfassen, der aus einer Zusammenstückelung von Vorwürfen, Zitaten und Unterstellungen basiert, der mich und offenkundig auch andere falsch wiedergibt, ist mir unbekannt. Es macht mich sprachlos, wie Sie jede Chance zu einem Diskurs und einer sachorientierten Auseinandersetzung vermeiden und im Stil eines Propagandisten die Emotionen der gerne Entrüsteten bedienen. Mein Motiv habe ich Ihnen genannt und ich verdeutliche es erneut: Wenn ich als Wissenschaftsjournalist anhand der offiziellen Daten erkenne, dass die Situation anders ist, als man sie den Menschen im Land beschreibt, ist es meine Pflicht, dem nachzugehen. Auch wenn ich dafür unter Druck gesetzt werde. Das habe ich dann auszuhalten.

Der Presseausweis ist der Vertrauensvorschuss, den uns die Gesellschaft gibt, in der berechtigten Erwartung, dass wir rechtschaffen und um Ehrlichkeit und Offenheit bemüht, Fakten sammeln, zusammentragen, ordnen und präsentieren, damit die Menschen sich eine eigene Meinung bilden können.

Ich möchte Ihnen aber auch aus einem ganz anderen Grund danken. Ihr Text hat mich im ersten Moment geärgert, weil er darauf verzichtet, Sachverhalte zu beschreiben und nur das Ziel hat, einen Menschen zu entwürdigen und ihm zu schaden und damit auch andere Menschen in unserem kleinen Team. Das ist sehr unanständig. Aber bereits am frühen Morgen ging die soziale Sonne auf. Seit 6 Uhr erreichen uns, mein engagiertes Team und mich, zahllose Nachrichten per Mail und Telefon, in denen man uns Mut zuspricht, uns Unterstützung zusagt und dies in einer zugewandten Weise tut, dass ich wirklich berührt bin.

Ein letzter Hinweis, der ebenfalls mit Werteorientierung im Leben zu tun hat: Sie schreiben und zitieren mich mit „Er sei „kein Spinner, kein Aluhut und kein Nazi“ – Der Wortlaut war: „Ich bin kein Spinner, kein Aluthutträger, ich bin Antifaschist und Wissenschaftsjournalist.“ Kein Nazi zu sein oder ein Antifaschist zu sein, ist mehr als ein semantischer Unterschied. Antifaschismus ist eine Bürgerpflicht. Der Faschismus ist immer eine dezidiert antiliberale Ideologie: Der Mensch soll sich einem autoritären Staat unterwerfen und im Kollektiv der Volksgemeinschaft aufgehen. Dagegen stehe ich – egal aus welcher Richtung der faschistoide Eintrag kommt. Unser Grundgesetz bietet uns eine sehr gute Grundlage, auf der wir gemeinsam unsere pluralistische Gesellschaft weiter entwickeln können.

Lieber Thorsten Brockmann, danke also für Ihren Text, auch wenn seine Absichten unfreundlich sind. Ich möchte Ihnen gerne anbieten, einmal mit mir in das Abenteuer der Faktenprüfung einzusteigen. Wir könnten gemeinsam die Quellen bewerten, unsere Ideen dazu austauschen und finden vielleicht weitere und andere Zugänge zu den Ereignissen. Es könnte spannend sein, wenn man das Thema aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Gäbe es derzeit irgendeine besondere Gesundheitsgefahr, würde ich mich verabschieden mit: „Bleiben Sie gesund“ oder: „Achten Sie auf sich“. Da aber alle Zahlen im grünen Bereich sind und selbst ein alter Asthmatiker wie ich sich keine Sorgen machen muss, verbleibe ich schlichtweg

mit freundlichen Grüßen.

Herzlich, Ihr Wolfgang Jeschke


Ihre Fragen – meine unberücksichtigten Antworten – aus unserem Telefonat vom 02.09.

In unserem Telefonat hatten Sie gesagt: „Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn korrigiert seine Position und sagte, dass man mit dem heutigen Wissen den Lockdown nicht oder nicht so angeordnet hätte.“ Ich wies Sie darauf hin, dass das RKI zum Zeitpunkt des Lockdowns in der Woche des 18. März einen R-Wert von unter und um 1 veröffentlichte. Die Quelle stellte ich Ihnen umgehend zur Verfügung (RKI-Bulletin 17/2020). Also war im Hause RKI bekannt, dass die Infektionslage keine solche Tragweite haben konnte, wie sie in den Horror-Szenarien beschrieben wurde. Der Lockdown war vermeidbar, weil objektiv schon damals nicht angezeigt.

Im weiteren Verlauf fragte ich Sie, ob Sie die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des RKI kennen würden. Als Sie das verneinten, erklärte ich Ihnen, was das ist. Es handelt sich um einen großen Zusammenschluss von Arztpraxen (sogenannte Sentinel-Praxen) in Deutschland, die dem RKI wöchentlich die Fallzahlen von Menschen mit Atemwegsinfekten melden und dazugehörige Testergebnisse im Hinblick auf definierte Erreger. Das AGI ist eines der weltweit erfolgreichsten Systeme zur Erfassung des Epidemiologischen Geschehens rund um die Atemwegsinfekte.

Zur Erleichterung Ihrer Arbeit sandte ich Ihnen den aktuellen Bericht der AGI aus den RKI-Datenbanken und natürlich den Original-Link, damit Sie sicher sein können, dass ich hier nicht selbst irgendetwas verfälsche. Dem RKI-Bericht können Sie entnehmen, dass die Sentinel-Praxen im AGI seit April (KW16) keinen SARS-CoV2-Fall gemeldet haben. Ich hatte Ihnen die Stelle extra noch hervorgehoben. Das heißt: vor Verhängung des bundesweiten Maskenzwanges war die Ausbreitung des neuen Corona-Virus klinisch aus dem Alltag der praktischen Ärzte verschwunden.

Als wir über Kranke und Tote sprachen, verwies ich sie auf das Register der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin). Das DIVI-Register (www.divi.de) liefert exakte Zahlen über die Belegung von Intensivbetten in Deutschland. Zum Zeitpunkt unseres Gespräches waren von über 32.000 Betten 230 mit COVID-19-Patienten belegt. Ein Risiko für die Intensivversorgung der Bevölkerung (Stichwort: zweite Welle) besteht also nicht.

Im Hinblick auf die Toten, die durch eine „Epidemie von Nationaler Tragweite“ und das Wirken eines „Killervirus“ zu erwarten wären, habe ich Sie auf die Daten des Statistischen Bundesamtes verwiesen (www.destatis.de), die bis heute eine Untersterblichkeit im Jahr 2020 gegenüber dem Mittel der Vorjahre ausweisen. Das bedeutet, dass auch eine „Erste Welle“ in den Zahlen des Bundesamtes nicht auszumachen ist. Sichtbar ist eine kleine Verschiebung der Sterbefälle auf der Zeitachse – aber kein Signal einer tödlichen Seuche.

Ich habe mich explizit auf leicht verständliche und deutschsprachige Quellen konzentriert, weil Sie mir mitgeteilt hatten, dass die Auswertung der von mir in großer Zahl angebotenen wissenschaftlichen Quellen ziemlich aufwändig sei. Damit wollte ich Ihnen nicht einen Mangel an Intelligenz unterstellen, sondern Ihnen Zeit ersparen und die Arbeit erleichtern und Ihnen einen faktenbasierten Einstieg in die Thematik anbieten.

Eine Ausnahme machte ich bei einer Quelle, die relativ neu die Zahlen aus den USA auswertet. Es handelt sich um die Analyse des Centers for Desease Control and Prevention (US-Gesundheitsbehörde). Das CDC schreibt das Folgende:

Zitat:

Comorbidities

Table 3 shows the types of health conditions and contributing causes mentioned in conjunction with deaths involving coronavirus disease 2019 (COVID-19). For 6% of the deaths, COVID-19 was the only cause mentioned. For deaths with conditions or causes in addition to COVID-19, on average, there were 2.6 additional conditions or causes per death.“

Übersetzung: „Tabelle 3 zeigt die Arten von Gesundheitszuständen und beitragenden Ursachen, die im Zusammenhang mit Todesfällen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) genannt werden. Bei 6% der Todesfälle war COVID-19 die einzige erwähnte Ursache. Bei Todesfällen, bei denen zusätzlich zu COVID-19 noch weitere Erkrankungen oder Ursachen genannt wurden, gab es im Durchschnitt 2,6 zusätzliche Erkrankungen oder Ursachen pro Todesfall“.

Das bedeutet: nur bei 9.600 Corona-Toten der in den USA seit Anfang der Pandemie Verstorbenen, lag ausschließlich COVID-19 als Todesursache vor, bei allen anderen gab es im Durchschnitt zusätzlich 2,6 weitere mögliche Todesursachen.

CDC-Quelle: https://www.cdc.gov/nchs/nvss/vsrr/covid_weekly/index.htm?fbclid=IwAR2-muRM3tB3uBdbTrmKwH1NdaBx6PpZo2kxotNwkUXlnbZXCwSRP2OmqsI

Zusätzlich lieferte ich Ihnen die aktuellen Testzahlen des RKI, die ausweisen, dass selbst bei einer Testzahlerhöhung von erneut über 100.000 auf knapp 1 Million in einer Woche, die Testpositiven rückläufig sind und die Zahl der positiven PCR-Tests bei 0,88% lagen, heute bei 0,74 (Stand 03.09.20, RKI siehe ebenda).

COVID-19-Lagebericht des RKI (Stand: 26.08.2020)

Auch hinsichtlich der Aussagefähigkeit der überwiegend eingesetzten PCR-Tests habe ich Sie informiert. Seit den frühen 90er Jahren recherchiere ich zu Fragen der Epidemiologie, der Virologie und der Labortests. 1994 und in den Folgejahren hatte ich mehrfach Kontakt zu Kary B. Mullis, der für die Erfindung des PCR-Tests den Nobelpreis erhielt. Er hat stets darauf hingewiesen, dass sein PCR-Test nicht für die klinische Diagnostik geeignet sei, weil er keinen Erreger nachweist, sondern Fragmente von Genen durch Vervielfältigung sichtbar macht. Das PCR-Test-Verfahren ist auch heute noch als einzelnes Werkzeug der klinischen Diagnostik nicht geeignet und allein nicht zugelassen. Ein einfaches Beispiel für die Vorsicht, die bei seinem Einsatz und seiner Ergebnisbewertung vorzunehmen ist, ist die Formulierung des Schweizer Gesundheitsamtes in der Anweisung zur Testung mittels PCR:

„PCR/NAT 

Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist eine NAT (Nucleic Acid Amplification Technology)-Methode, der modernen Molekularbiologie um in einer Probe vorhandene Nukleinsäure (RNA oder DNA) in vitro zu vervielfältigen und danach mit geeigneten Detektionssystemen nachzuweisen. Der Nachweis der Nukleinsäure gibt jedoch keinen Rückschluss auf das Vorhandensein eines infektiösen Erregers. Dies kann nur mittels eines Virusnachweises und einer Vermehrung in der Zellkultur erfolgen.“ Gleiches findet sich bei allen Institutionen, die sich professionell mit PCR-Tests befassen – das wird Ihnen auch jedes Labor bestätigen, wenn Sie einmal danach fragen mögen.


All diese Fakten haben Sie nicht überprüft und verwendet. Sie haben keine Quellen geprüft, keine Aussagen reflektiert, Sie haben nicht recherchiert, keine anderen Sichtweisen vorgetragen. Stattdessen haben Sie sich darauf konzentriert, mich als Person zu diskreditieren und das Magazin LAUFPASS als Medium zu diskreditieren.

Sie schreiben: „Auch mit Hetze gegen Gesundheitsminister Jens Spahn wird nicht gespart, und Bill Gates darf auch nicht fehlen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war noch während seiner Zeit als Mitglied des deutschen Bundestages Pharmalobbyist. Er hat im Gesundheitsausschuss Fragen bewegt, die für die Pharmaindustrie von Bedeutung sind. Das bestreitet er nicht. Und Bill Gates findet Erwähnung, weil es von Bedeutung für die Interpretation seiner Rolle ist, dass er einerseits einen großen Einfluss auf die WHO hat, die maßgeblich die weltweiten Impfprogramme mitentwickelt und gleichzeitig Gesellschafter vieler Pharmafirmen und Impfhersteller ist, die unmittelbar von den Impfkampagnen und anderen Gesundheitsmaßnahmen profitieren.

Was ist Ihr Motiv, den Leserinnen und Lesern diese Informationen vorzuenthalten? Jeder Volontär im ersten Ausbildungsjahr kann innerhalb eines Tages die Firmen herausfiltern, an denen Herr Gates beteiligt ist – darunter auch die CUREVAC von SAP-Gründer Hopp, an der auch die Bundesregierung mit 300 Millionen Euro beteiligt ist. Was bitte haben Informationen über die Verflechtung von gesundheitspolitischen mit wirtschaftlichen Interessen mit Verschwörungstheorien zu tun?

Nichts, lieber Thorsten Brockmann, das ist Aufklärung.


Quellen und weitere Informationen

LAUFPASS Artikel: Das Ende der Angst (LAUFPASS Ausgabe 03/2020)
Epidemiologisches Bulletin (RKI-Bulletin 17/2020)
Merkblatt zur aktuellen COVID-19 Testung in der Schweiz (Stand 20.05.2020)
Influenza-Monatsbericht des RKI (KW 29 – KW 32)

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