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1 Liter Benzin für 18 Euro?

1 Liter Benzin für 18 Euro?
Foto: kckate16 / Shutterstock.com

von Uwe G. Kranz

Vor Tagen erhielt ich von meinem Gasanbieter ein Kündigungsschreiben meines bisherigen Vertrages, nach dem ich monatlich 150 Euro Abschlagszahlungen leistete. Gleichzeitig wurde angekündigt, dass nach dem neuen Vertrag monatliche Abschlagszahlungen in Höhe von fast 700 Euro zu leisten seien. Mich traf fast der Schlag, denn schon kurz zuvor hatte ich in den neuen Medien gelesen, dass die Börsengaspreise in der EU erstmals 3.300 Euro pro 1.000 Kubikmeter überstiegen. Das bedeutet, dass die mir angekündigte Gaspreiserhöhung noch längst nicht das Ende der Fahnenstange markiert, sondern dass weitere Steigerungen in den kommenden Monaten (und Jahren?) durchaus noch zu erwarten sind.

Wenn diese und die kommenden Gaspreiserhöhungen für viele Bürger immer noch keine konkrete Gestalt von Kündigungen, Nachforderungen oder Abschlagszahlungen angenommen hat, sondern allenfalls wie eine dunkle Nebelschwade den Blick in die nahe und uns drohende Zukunft erschwert, muss man ganz einfach plastisch demonstrieren: Stellen Sie sich vor, dass bei der nächsten Fahrt zur Tankstelle der Liter Benzin 18 Euro oder mehr kosten würde; dann haben Sie eine relativ konkrete Vorstellung.

Realpolitischer Irrsinn par excellence

Spätestens dann wird Ihnen auch die Erkenntnis dämmern, dass wahnhafte ideologische Überzeugungen und grüner Dogmatismus im Winter nicht wärmen, sondern realpolitischer Irrsinn par excellence sind. Jeder achte deutsche Mieter wird die Wohnkosten nicht mehr stemmen können, schätzt das Statistische Bundesamt – und Mieter sind über 50 Prozent der Bevölkerung –  ein Millionenheer! Über 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens gehen fürs Wohnen und Nebenkosten drauf – wer soll dann solche Steigerungen noch tragen können? Schon drohen bei den Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften (vor allem in Ostdeutschland) die ersten Insolvenzen. Der Dachverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) rief inständig nach staatlicher Hilfe (Bürgschaften?), ohne die über 38 Prozent der Vermieter wegen der finanziellen Vorleistungen für die Energieversorgung insolvent würden.

An Beispielen mangelt es nicht – im Kleinen wie im Großen: Für eine 60 Quadratmeter kleine Wohnung in Sachsen-Anhalt beträgt die Kaltmiete 300 Euro, aber die Nebenkosten liegen energiebedingt inzwischen bei 750 Euro, Tendenz steigend; im 1. Halbjahr 2022 haben – nach Erkenntnissen von XING und „Wirtschaftswoche” – bereits 52 Großunternehmen einen Insolvenzantrag gestellt (+ 53 Prozent), darunter 19 Unternehmen mit einem Umsatz von über 20 Millionen Euro! Bis Ende 2022 dürfte sich die Zahl insolventer Großunternehmen auf 120 erhöhen – darunter sind schon jetzt, kreuz und quer über Deutschland verteilt, etliche namhafte Unternehmen: Etwa der größte EU-Stahlkonzern ArcelorMittal in Norddeutschland, der Papierproduzent Hakle in Nordrhein-Westfalen, der Phosphatdüngemittelhersteller Seraplant in Sachsen-Anhalt, die Kartonagenfabrik Baden Board in Baden-Württemberg, der Schuhhändler Görtz (160 Filialen) aus Hamburg, der Drehteilhersteller Leipold aus Wolfach oder die Bäckereikette Goldjunge aus Bayern, die vermutlich ihre 26 Filialen ebenso schließen muss, wie der kleine Bäcker seinen Familienbetrieb in dritter Generation, der kürzlich seine ihm präsentierte Gasrechnung im Internet veröffentlichte: Seine monatlichen Abschlagszahlungen sollen von 605,88 Euro auf 2.174,21 Euro steigen.

Kleine Brötchen backen und dichtmachen

Da kann man nur noch kleine Brötchen backen, den Laden schließen und zum Amt gehen! Bei kleinen und mittleren Unternehmen geht die schiere Panik um, denn nicht nur die Energieprise explodieren, sondern auch die Rohstoffpreise und alles, was indirekt damit zusammenhängt – und nicht alles kann zeitgleich oder in naher Zukunft an den Kunden weitergegeben werden. Deutschland droht daher ein „Wirtschafts- und Industrie-Exodus nie gekannten Ausmaßes” (Bloomberg) und eine schleichende Deindustrialisierung. Schon jetzt winkt Deutschland unter den G7-Staaten bei der wirtschaftlichen Entwicklung die rote Laterne. Die psychologischen Kollateralschäden für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind dabei noch nicht einmal ansatzweise diskutiert.

Manche Unternehmen versuchen, sich mit Kurzarbeit, Produktverknappungen oder temporären oder Filial-Schließungen zu retten. Aber was macht der schlichte Konsument? Was macht eine 4-köpfige Familie, deren monatliche Gaspreis-Abschläge von 378 Euro auf sagenhafte 2.833 Euro (plus Umsatzsteuer), mithin um das Siebenfache, angehoben werden? Was macht der Rentner, die alleinerziehende Mutter, der prekär Beschäftigte, denen die regierungsamtlichen Ratschläge (Waschlappen, doppelte Pullover – noch zweimal Kurzduschen, dann ist Weihnachten!) in den Ohren gellen müssen, wie einem zu Tode durch den Strang Verurteilten, dem man noch ein „Kopf hoch, wird nicht so schlimm“ nachruft? Wie sollen diese Opfer einer unsäglichen Regierungspolitik verstehen, dass unsere Regierung – während unsere Gasspeicher gerade mal zu 85 Prozent gefüllt sind – ausgerechnet Polen mit Gas beliefert, das zugleich nachträglich (zum wievielten Mal eigentlich?) von uns milliardenschwere Reparationen fordert?

Wegen Reichtums geschlossen?

Gazprom verdiente sich dumm und dämlich an der europäischen und vor allem deutschen Sanktionspolitik. Allein in den hier verglichenen ersten Halbjahren stiegen die Gewinne – Angaben jeweils in Milliarden Euro – von 27,5 (2020) und 28 (2021) auf satte 41,63 (2022). Die Hälfte davon ging an Aktionäre oder wurden als Treue-Boni ausgezahlt, wussten die Fernsehsender aus Österreich (AUF 1) und Deutschland (ARD-”Tagesschau”) aus vermutlich sehr unterschiedlichen Motiven zu berichten. Aber Gazprom ist durchaus nicht der einzige Krisen- und Kriegsgewinnler, wie ein Vergleich der 2. Quartale der Jahre 2021 und 2022 zeigt (Angaben jeweils in Milliarden US-Dollar): Exxon: 4,7 – 17,9; Chevron: 3.1 – 11,6; Shell: 5,5 – 11,5; BP: 3,1 – 9,3; Total 3,5 – 5,7. Diese durchschnittliche Verdreifachung der Gewinne von „Big Oil/Gas” ist schlicht unanständig. Nachdem nunmehr Gazprom auch die Gaslieferung über Nord Stream 1 (NS1) wegen der fortgesetzten europäischen Sanktionspolitik zunächst eindeutig für beendet erklärte, fehlen dem europäischen Gasmarkt weitere 40 Prozent der üblichen Gasmenge. Sogleich stiegen über das Wochenende die Gaspreise erneut – um weitere 35 Prozent!

Der französische Premier Emmanuel Macron (eine „Schwab-Puppe”) fabulierte prompt von dem „Ende einer Ära des Überflusses“, die spanische Verteidigungsministerin (!) Margarita Robles sieht einen „sehr harten Winter kommen“ und der belgische Premier Alexander De Croo (ebenfalls Schwab-Puppe) drohte visionär sogar mit „bis zu 10 schweren Wintern“. Dem stimmt der russische Außenminister Lawrow mit deutlich drohendem Unterton zu: „Nach diesem Winter kommt der nächste Winter“.

Es wird kalt in Europa

Fast wie in den schlimmsten Kriegszeiten wird mit wachsender Nervosität in psychologisch überreizten Märkten bereits über einen Gas-Stopp oder eine Gasrationierung diskutiert; ein Paradoxon, das wieder nur neue wirtschaftliche Anreize für die Produzenten zu Lasten der Konsumenten bietet. Deutschland steht bald vor der Entscheidung „Heizen oder essen“. Deutsche Städte bereiten sich auf die Einrichtung von Wärmehallen vor. Die fast 1.000 „Tafeln“, die hierzulande (noch) unterhalten werden (können), kämpfen an allen Fronten: Die Schlangen der Hungernden wachsen, die Lebensmittelspenden nehmen ab und die Ehrenamtlichen werden müde, ständig die staatliche Fehlpolitik ausbügeln zu müssen, und bleiben zunehmend aus.

Die dümmste Energiepolitik der Welt“: Dies war nicht nur die Aussage des AfD-Abgeordneten Peter Böhringer bei den Haushaltsberatungen, sondern auch das vernichtende Urteil des weltweit angesehenen „Wall Street Journals” in den USA über die selbstverursachte, geradezu provozierte, jahrelange Energie-Misswirtschaft Deutschlands. So urteilen unsere „besten Freunde”, die uns erst in dieses energie- und wirtschaftspolitische Dilemma gelotst haben (unterstützt von linksgrünen „Transformern”, die dies dankbar aufgriffen)! Dieselben Freunde, die schon am 25. Januar 2022 den geheimen RAND-Corporation-Bericht „Containment of Germany for the United States and the world“ („Eindämmung Deutschlands im Interesse der USA und der ganzen Welt“) erstellten. Wie konnte man günstige und langfristige Verträge mit Gazprom aus politisch kurzsichtigen Motiven nicht verlängern, sondern aufkündigen – und dann das Gas zum aktuellen und viel teureren Tagespreis am Spotmarkt oder -noch schlimmer – aus Second Hand zurückkaufen?

Feine Freunde

Was wurde vor ein paar Jahren noch über das umweltschädliche und exorbitant teure US-Fracking-Gas geschimpft, das nunmehr auf Druck unserer „Freunde“ selbst von den Grünen favorisiert werden soll! Natürlich wissen wir, dass ein Ersatz für das leichtfertig boykottierte Gas nicht innerhalb der nächsten zwei, drei Jahren lieferbar sein wird. Wir wissen noch nicht einmal, von wem – und wir haben noch nicht einmal die LNG-Frachtschiffe, die Häfen, die Terminals, die Logistik für diese Beschaffung Seit Jahren war jedem, der zwei und zwei zusammenzählen konnte, bewusst, dass eine Entkoppelung der Strom- und Gaspreise längst überfällig ist. Staunend jedoch forderte erst jetzt die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, eine dringende „Reform des EU-Strommarkts“, weil sich erst jetzt (!?) dessen Grenzen zeigten. Ha! Seit über einem Jahr verhinderte ausgerechnet Deutschland die Reformdiskussion – und nun soll es eine für heute, 9. September angesetzte EU-Krisensitzung richten.

Es war ja auch jedem bekannt, dass Katar schon aus vertragsrechtlichen Gründen gar keine kurz- oder mittelfristig verbindliche Zusagen machen konnte und die Demutsnummer Habecks vor dem katarischen Scheich von vorneherein zum Scheitern verurteilt war; nie war die Verlogenheit unserer so genannten wertebasierten Außenpolitik offensichtlicher als mit dem tiefen Bückling unseres Außenministers.

Verspekuliert und fehlgesteuert

Milliardenschwere Energiekonzerne, die sich verspekuliert haben, stehen nun im Dutzend mit der hohlen Hand vor der Regierung und fordern ihren Teil an einer „Gasumlage“, die sie zuvor selbst in die regierungsamtlichen Dokumente hineindiktiert haben. Darunter befindet sich auch das angeblich besonders betroffene Energieunternehmen Uniper, das Ende 2021 von seiner CFO-Managerin Tiina Tuormela noch als „wirtschaftlich kerngesund“ eingestuft worden war – und jetzt mindestens 11 Milliarden Miese beklagt, die vom deutschen Gaskunden bezahlt werden sollen. Und weshalb dies? Nur weil der Mehrheitseigentümer Fortum, ein grundsolides finnisches Energieunternehmen, das mit einem Umsatz von fast 113 Milliarden Euro zu über 50 Prozent dem finnischen Staat gehört, nicht bereit ist, auf seine Gewinne zu verzichten und das unternehmerische Risiko für sein Tochterunternehmen zu tragen (was zur Not sogar mittels Darlehen der EU möglich gewesen wäre). Aber wir kennen das ja: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!

Nein, schlimmer noch: Unser Wirtschaftsminister sponsert auf unsere Kosten über Uniper direkt solche Finanzriesen wie Black Rock und Vanguard. Mit einer Verzehnfachung der Gas- und Strompreise innerhalb eines Jahres wird Deutschland immer weniger wettbewerbsfähig – ausgerechnet in einem Markt, der zu 25 Prozent aus Importen versorgt wird. Die Gasumlage wird Deutschland noch tiefer in ein Wirtschaftschaos führen, so wie von unseren „Freunden“ geplant und gewünscht.

Wohl und Wehe einer Wirtschaftsnation

Niemand wusste, wie dieser Gasmarkt verflochten ist…“ Dieses Originalzitat unseres Wirtschaftsministers Robert Habeck stammt aus seiner Rede vor 600 Unternehmern in Münster am 25. August – und zeugt von einer entwaffnenden, geradezu stupend-stupiden Ehrlichkeit. Er habe halt keine Ahnung von der Materie, die über das Wohl und Wehe einer ganzen Wirtschaftsnation und ihrer Zukunft entscheide. Aber – wusste wirklich „niemand“ von dieser Verflechtung? Das gilt ganz sicher für ihn, den Fachfremden mit felsenfesten politischen Prinzipien und Ambitionen, der schon 2016 nach seiner Wahl zum Vorsitzenden dem russischen Premier Putin öffentlich androhte, dass seine (Habecks) erste Maßnahme in der Regierung sein werde, „Nord Stream nicht zu bauen und die Handelsbeziehungen zu Russland sukzessive ab(zu)bauen, weil wir ein Energiewendeland sind“. Was für eine billige Ausrede, nach dem Gasumlagen-Fiasko zu behaupten, dass niemand habe wissen können, „welche Firmen irgendwelche Anteile an Töchtern und so weiter haben“ und dass sich deshalb „dann nämlich ein paar Unternehmen reingedrängt haben, die nun wirklich viel Geld verdient haben und die Umlage der Bevölkerung nicht brauchen“.

So etwas sagt der Bundeswirtschaftsminister, Herr über ein riesiges Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 2.187 Mitarbeitern – und alle sind zu blöd, die Strukturen von einem Dutzend Gasunternehmen zu ergoogeln? Und haben alle keine Ahnung über deren Umsätze und Beteiligungen? Schon mal was von den Datenbanken der Ratingagenturen Standard & Poor Corporation (S&P) oder von Fitch & Moody’s gehört oder gelesen? Noch schäbiger Habecks reflexhafte Schuldzuweisung, dass „eine Legion von Juristen … mir das so erklärt (hat), dass es nicht anders gehen kann“ (vermutlich nicht nur ministerielle, sondern auch extra mit hohen Beraterverträgen angeheuerten Juristen). Schuld am Murks sind also immer die anderen.

Ahnungsloser Habeck und die  Insolvenzwellen

Schon bei der Ankündigung der Gasumlage zeigte aber ein sichtlich verunsicherter Wirtschaftsminister, dass er im Grunde keine Ahnung davon hatte, was er da vom Blatt ablas: „Die Umlage ist streng geprüft worden, so dass Überschneidungen von Unternehmen, die möglicherweise in Geschäftsverhältnisse zueinanderstehen, unterbunden wurden“ … „Die Umlage ist die gerechtsmögliche Form, die aufgelaufenen Kosten in der Bevölkerung zu verteilen und zu tragen“… „Die Umlage, sie ist zielgenau und zeitlich begrenzt auf den 1. April 2024“… „Die Alternative wäre der Zusammenbruch des deutschen Energiemarktes“. Da stimmt so ziemlich jedes dritte Wort nicht. Nichts ist richtig und schon gar nicht streng geprüft worden; die Energieunternehmen konnten die Regelungen der Gasumlage zumindest mitformulieren; die Kosten sind nicht zufällig aufgelaufen; von (sozialer) Gerechtigkeit kann keine Rede sein, wenn die einen die Boni behalten und der Rentner nach Pfandflaschen sucht; die Umlage ist weder zielgenau noch wird der zeitliche Rahmen einzuhalten sein – und Alternativen hätte es auch gegeben.

Noch jämmerlicher war sein wirtschaftspolitisches Gestammel (sorry, anders kann man das nicht bezeichnen) bei Maischberger, die ihn konkret fragte, ob er nun mit Insolvenzwellen rechne: „Nein, das tue ich nicht …bestimmte Branchen hören einfach erstmal auf zu produzieren … Kaufzurückhaltung … Verkaufsstopp … nicht rentierlich … dann sind die nicht insolvent, automatisch, aber sie hören vielleicht auf, zu verkaufen…“ Hallo! Geht’s noch? Ist das die „literarische Ästhetizität“ des großen Philosophen, das frühere Sprachniveau des Kinderbuchautors oder nur das schlicht fehlende Rucksackwissen, also die fehlende Kompetenz des Wirtschaftsministers, die da zu Tage tritt? Nix produzieren, nix verkaufen, aber dennoch nix insolvent? Im japanischen Kaiserreich lag solch ein Minister auf den Knien und bat darum, Harakiri begehen zu dürfen (Achtung: Das ist Satire, keine kulturelle Aneignung und keine Aufforderung zum Suizid und meines Erachten auch keine Straftat). Das Mindeste wäre ein sofortiger Rücktritt.

Wer nur einen Hammer hat, sieht nur Nägel

Die gleiche Handlungsstruktur und Inkompetenz zeigte er übrigens auch in der Frage des Weiterbetriebs der deutschen Kernkraftwerke: Statt angesichts des selbst angezettelten und mit Eifer betriebenen Gasmangels die deutschen KKW Neckarwestheim (EnBW), Emsland (RWE) und Isar/2 (PreussenElektra) wenigstens im Streckbetrieb oder im kurzfristig mehrjährigen Weiterbetrieb, zumindest bis 2024/25, weiterlaufen zu lassen, blieb Habeck, munter unterstützt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND e.V.), stur auf seiner grünen Linie: Er nimmt trotzig und entgegen allen Ratschlägen die letzten drei KKW zum Jahresende vom Netz – und erlaubt alibimäßig den KKW Isar 2 und Neckarwestheim nur eine Art „Standby-Modus“, um sie im alleräußersten Notfall (vermutlich auch nur zur eigenen politischen Absicherung) eventuell, wenn überhaupt, wieder hochfahren zu können. Das dauert aber – selbst nach seiner eigener Einschätzung – mindestens eine Woche, und bietet somit garantiert nicht die erforderliche Flexibilität im Falle eines Brown- oder Blackouts. Ein fataler Fehler, gegen jede Vernunft und nur parteidogmatisch zu begründen, urteilen Kritiker. Habeck selbst spricht in seiner Empfehlung von einer „faktenbasierten” Entscheidung.

Vor Jahresfrist sinnierte die hochgelobte Energie-Professorin Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) noch, dass man die bösen Kohlekraftwerke abschalten könne, weil man ja stattdessen die Gaskraftwerke nutzen könne. Danach referierte sie, dass selbst wenn Russland alle Gaslieferungen stoppte (damals waren das noch 55 Prozent), in Deutschland immer noch kein Gasmangel herrschen würde (?!). 2022 relativierte sie in ihrem jüngsten Interview erneut, dass Russland ja „nur“ 40 Prozent unseres Gases liefere und dieses einbehalten könne, weil man es einsparen oder durch Lieferungen aus anderen Ländern ersetzen könne. Wie bitte? Die Wissenschaft prostituiert sich hier auf geradezu schamlose Weise! Das ist eindeutiges Schönreden, das ist politische Propaganda: „Nur 40 Prozent“ sind immerhin fast die Hälfte! Welche Länder könnten denn Ersatz-Gas liefern, und wie zeitnah, Frau Professor Kempfert? Katar? Norwegen? Polen? Ukraine? Und wann denn- 2024, 2025? Dazu könnte man alleine eine ganze Kolumne schreiben!

Wissenschaftliche Unterstützung oder Teil einer Propaganda?

Wenn Privathaushalte 40 Prozent einsparen müssten, könnten sie mit einer Verringerung der Raumtemperatur um 1 Grad maximal 6 Prozent Gasersparnis erzielen. Die Räume müssten demnach auf rund 13 Grad Celsius herunterreguliert werden. Wie lange hielte das die Bevölkerung im Winter durch? Müssten die armen Rentner in die städtischen Wärmehallen flüchten, während die reichen Pensionäre den Winter über nach Kreta, Tunesien oder Zypern fliehen würden? Was macht dann der Bäcker, der Metzger, die Glasindustrie, die Chemieindustrie …? Setzen, Frau Professor Kempfert, mangelhaft!

Immer unbestreitbarer wird, dass nicht der russische Präsident unsere Gas-Krise verursacht hat, sondern unsere eigene Regierung. Allen voran unser Wirtschaftsminister, der langfristig und aus tiefster Überzeugung den Gas-Exitus betrieb. Der zwar Nord Stream 2 nicht verhindern konnte, aber seinen Betrieb dann aus polit-ideologischen Gründen vereitelte. Der schon vor Beginn der zwar vom Westen provozierten, aber fraglos völkerrechtswidrigen kriegerisch-militärischen Aktion Russlands, also schon vor 2022, überhaupt nichts mehr von Putin kaufen wollte. Auch unsere grüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, die „Putin ruinieren“ wollte, ist mit von der Partie, und natürlich unsere deutsche EU- Kommissionspräsidentin von der Leyen: Sie alle, mit Habeck & Co. fahren Deutschland mit Vollgas vor die Wand. Erinnern Sie sich noch an das Zitat von Robert Habeck: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und weiß es bis heute nicht.“ Herr Habeck, ich verkneife mir hier, Ihnen zu schreiben, was ich zum Kotzen finde.

Unsere Forderung muss daher lauten: Öffnet Nord Stream 2 – so bald wie möglich! Tretet zurück, für Euch ist nicht die Würde des Menschen unantastbar, sondern die Gewinne der Großkonzerne. Ihr schadet Deutschland!


3 Bemerkungen

  1. „Öffnet Nordstream 2“ Steht auf den Wahlplakaten der Partei dieBasis KV CUX/STD II. Genauso steht dort „Nicht unser Krieg“
    Gute Situationsbeschreibung.

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  2. Liebe Freunde,

    das ist zwar eine gute Zusammenfassung der faktischen Resultate, aber durchsetzt von einem tiefen Unverstaendnis der Wirklichkeit.

    „Gazprom verdiente sich dumm und dämlich an der europäischen und vor allem deutschen Sanktionspolitik.“

    Das wurde zwar im spaeteren Text aufgeloest, steht aber nach wie vor so
    da. Das Ende der langfristigen Liefervertraege wurde von der EU
    organisiert bereits seit Beginn der 2000er Jahre. Diese Vertragsarten
    waren auch die Grundlage der Industrie in Deutschland. Gazprom hat dies
    nie gewollt. Nur, wenn Deutschland in der EU auf die Spotmaerkte, also
    die kurzfristigen Warentermingeschaefte, umsteigen wollen, dann macht da
    auch Gazprom mit. Ist ja wohl klar.

    „Der schon vor Beginn der zwar vom Westen provozierten, aber fraglos völkerrechtswidrigen kriegerisch-militärischen Aktion Russlands, also schon vor 2022 ..“

    Hier kommen wir zur Krim und zur oestlichen und suedlichen Ukraine. Und
    der Autor spricht von Voelkerrecht. Die Basis des Voelkerrechts ist das
    Selbstbestimmungsrecht der Voelker und nicht der Staaten. Und wenn die
    Menschen der Krim, der Ost- und Sued-Ukraine sich fuer einen Anschluss
    an die russische Foederation entschliessen, dann gilt das. Egal, was Uwe
    G. Kranz, der Autor, dazu erzaehlt.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay
    willi.uebelherr@gmx.de

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  3. Diesen Text kann man nicht kommentieren weil jeder sinnvolle Kommentar dazu führen würde das innert kürzester Zeit die Polizei vor der Haustür steht.

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